Investoren aus dem Ausland: Worauf deutsche Unternehmen jetzt achten müssen

Deutschlands Firmen, vor allem die aus Industrie und der IT-Branche, sind begehrt bei ausländischen Investoren. Vor allem chinesische Aufkäufer stehen Schlange.

Der Apple-Zulieferer Manz, der Müllverbrenner EEW, der Maschinenbauer Aixtron: Immer mehr deutsche Unternehmen gehen in chinesische Hände über. Im vergangenen Jahr waren nach einer Auswertung der Beratungsfirma Ginkgo Tree Advisors 36 deutsche Unternehmen von chinesischen Firmen übernommen worden - nach 30 im Jahr 2014.

Auffällig: Es sind meistens Unternehmen, die mindestens einen dreistelligen Millionen-Euro-Umsatz machen. Stehen also kleinere Unternehmen nicht im Visier der chinesischen Investoren? „Ausländische Investoren, etwa aus China, interessieren sich zunehmend auch für gut positionierte kleinere deutsche Mittelständler, die einen Umsatz zwischen zwei und zehn Millionen Euro machen“, sagt Tilman Eckert von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten. Dies gelte insbesondere dann, wenn diese starkes Technik-Know-how aufweisen wie etwa in den Bereichen Robotik, Automatisierung, Industrie 4.0.

Andreas Feege, Chinaexperte von KPMG Deutschland, sieht dies ähnlich. „Das Interesse chinesischer Investoren ist in diesem Jahr immens gestiegen. Die investierten Summen liegen deutlich über den Vorjahreswerten. Das hängt natürlich auch mit der Regierung zusammen, die sich für mehr Auslandsinvestitionen ausgesprochen hat, um die eigene Wirtschaft technologisch aufzuwerten. Es wird sozusagen die Erneuerung von außen vorangetrieben. Gleichzeitig sichern sich die chinesischen Unternehmen dadurch Zugang zu neuen Märkte oder bauen dort ihre Marktanteile aus.“

Nach Ansicht der Experten dürfte künftig auch manches kleinere Unternehmen das Interesse der Chinesen wecken. KPMG-Mann Feege sagt: „Kleinere Firmen sind dann das Ziel der chinesischen Investoren, wenn sie besondere Fähigkeiten beherrschen oder interessante Nischen besetzt haben.“ Vornehmlich aus der Industrie inklusive Zulieferern sowie IT-fokussierte Firmen.

Kleinere deutsche Unternehmen können in dieser Hinsicht also von neuen Investoren profitieren. So können die Inhaber ihr Unternehmen etwa im Falle von fehlenden Nachfolgeregelungen zu einem guten Preis an einen Investor verkaufen. Nach Erkenntnissen von M&A-Experten bieten mittlerweile sogar mehrere chinesische Investoren für das gleiche Unternehmen. „In jedem Fall wächst die Konkurrenz chinesischer Firmen auf dem deutschen Markt. Und das ist für kleinere Unternehmen nur von Vorteil“, sagt Feege.

Aber nicht nur chinesische Investoren sind derzeit rege unterwegs auf dem deutschen Markt. Bernhard Kluge von Business Broker beobachtet seit einiger Zeit, dass Schweizer Unternehmen nicht nur im grenznahen Gebiet deutsche Firmen, vor allem aus der IT-Branche, kaufen. „Der gute Frankenkurs und der schwache Eurokurs fördern diese Entwicklung.“

Wie müssen sich die deutschen Unternehmen vorbereiten, wenn sie übernommen werden wollen? Müssen sie jetzt chinesisch pauken? „Die Sprache des Investors spielt keine entscheidende Rolle. In den Managementebenen findet sich im Zweifel rasch eine lingua franca“, sagt Chinaexperte Feege.

Die Investoren aus dem Ausland gehen zumeist auch sensibel vor. „In vielen Fällen lassen chinesische Investoren das bisherige Management weitgehend selbständig agieren, stellen die notwendigen Erneuerungsinvestitionen zur Verfügung und sichern Arbeitsplätze, während man über die Verbindungen zum chinesischen Investor die Geschäftsbeziehungen nach China ausbaut“, sagt KPMG-Mann Feege. „Zu beachten ist aber der Punkt kultureller Unterschiede. Bisher hat sich gezeigt, dass mitunter Fristen für Zahlungen und einzureichende Dokumente nicht eingehalten wurden. Das geschah weniger aus Absicht als aus Abstimmungsschwierigkeiten, verursachte dennoch unnötige Kosten.“

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