Gute Zeiten für Verkäufer

Schweizer Unternehmen kaufen verstärkt Firmen in Deutschland – und zahlen gute Preise. Im Euro-Raum können sie durch den Währungseffekt Kostensynergien erzielen.

Haben sich deutsche Firmeninhaber entschieden, ihr Unternehmen zu verkaufen, ist die aktuelle Marktsituation ausgesprochen günstig. In vielen Bereichen gibt es derzeit mehr Käufer als Verkäufer. Deshalb können sich die Unternehmer darauf konzentrieren, den besten Käufer für ihren Betrieb zu finden.

Starker Franken beflügelt

Geeignete Käufer konnten in jüngster Vergangenheit in der benachbarten Schweiz ausgemacht werden. Nachdem die Schweizer Nationalbank den Mindestkurs des Franken zum Euro aufgehoben hat, besteht Handlungszwang für viele Unternehmen, deren Kosten in Franken anfallen – die Erlöse jedoch aus den unterschiedlichsten Währungsräumen kommen. Diese Unternehmen reagieren mit strikter Kostendisziplin und bemühen sich, Teile der Kosten aus dem Franken-Raum in den Euro-Raum zu verlagern – zum Beispiel nach Deutschland. Durch die Aufwertung des Franken werden Übernahmen erleichtert.

Der Erwerb deutscher Firmen ist für Schweizer Unternehmen natürlich nicht nur unter Kostensenkungsaspekten von Bedeutung. Neben Kostensynergien sind Marktsynergien von Interesse – etwa im Hinblick auf die Vereinigung der Vertriebsstrukturen. So können sich durch die Stärkung der Marktstellung Synergien im Beschaffungsbereich ergeben. Durch eine optimierte Planung lassen sich Fertigungs- und Leistungskapazitäten besser nutzen. Häufig erfolgt auch ein Technologie- und Know-how-Transfer. Außer den Synergie- und Skaleneffekten gibt es weitere Vorteile. So ist nicht zu unterschätzen, dass keine sprachlichen Barrieren bestehen. Auch die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz sind eher gering. Diese Aspekte erleichtern eine Übernahme und die anschließend erfolgreiche Integration der Unternehmen erheblich.

Deutsche Unternehmen verfügen in der Regel auch über eine leistungsfähige Organisation und eine hohe Qualität des Managements. Die Führungskräfte sind fachlich kompetent und leistungsorientiert. Die Mitarbeiter sind gut ausgebildet und verfügen über eine hohe Qualifikation. Die Art und Weise der Unternehmensführung in der Schweiz und Deutschland lässt sich vergleichen.

Euro-Raum bietet Vorteile

Aufgrund der starken Aufwertung des Schweizer Franken kommt noch hinzu, dass Schweizer Unternehmen jetzt viel eher in der Lage sind, angemessene Verkaufspreise für deutsche Firmen zu zahlen, die zuvor nicht möglich waren. Darüber hinaus ergibt sich für Schweizer Unternehmen die Möglichkeit, Teile der Produktion in den Euro-Raum zu verlagern und somit teilweise die Franken-Aufwertung auszugleichen. Andererseits können Produkte des deutschen Unternehmens über bestehende Absatzkanäle in der Schweiz vertrieben werden, was aufgrund der Abwertung des Euro ebenfalls von Interesse sein kann.

Die gestiegene Nachfrage Schweizer Unternehmen bei deutschen M&A-Beratern zeigt, dass der Kauf deutscher Produktionsbetriebe momentan sehr gefragt ist.

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Zum Autor

Mark Niggemann ist Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsberatung Niggemann & Partner GmbH.

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