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Wie Migranten als Gründer Jobs schaffen

In Deutschland gibt es überproportional viele Migranten unter den Gründern. Ist der Wettbewerb positiv oder negativ für den Standort Deutschland? Eine große Studie gibt Antworten.

Schon mal beim Chinesen essen gewesen? Oder einen Döner beim Türken gekauft? Wer an Migranten als Gründer in Deutschland denkt, dem fallen wohl die klassischen Branchen wie Gastronomie oder Einzelhandel als Jobschwerpunkte ein. Längst sind aber Ausländer als Gründer auch in anderen Sektoren tätig.

Wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, sind 48 Prozent der zugewanderten Selbstständigen mittlerweile im Dienstleistungsbereich außerhalb von Handel und Gastronomie tätig. Handel und Gastgewerbe machen nur noch 28 Prozent aus, das ist ein Rückgang um zehn Prozent im Vergleich zu 2005. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil des produzierenden Gewerbes: Jeder fünfte Selbstständige mit Migrationshintergrund ist in der Baubranche oder im verarbeitenden Gewerbe tätig.

Generell zeigt sich, dass Menschen mit Migrationshintergrund Deutschlands Wirtschaft voranbringen – ob als Angestellter oder als Gründer. Wie die Studie zeigt, haben Unternehmen mit ausländischen Wurzeln zwischen 2005 und 2014 die Zahl der Arbeitsplätze von 947.000 auf 1,3 Millionen erhöht. Gleichzeitig ist auch die Anzahl selbstständiger Unternehmer mit Migrationshintergrund im gleichen Zeitraum von 567.000 auf 709.000 gestiegen.

Andere Studien hatten diesen Trend schon im Visier. Einer Sonderauswertung des Gründungsmonitors 2015 der KfW zufolge haben sich 2014 rund 179.000 Migranten in Deutschland selbstständig gemacht. Rund jeder fünfte Gründer hatte eine ausländische Staatsbürgerschaft oder die deutsche Staatsbürgerschaft erst nach der Geburt erworben, heißt es im Bericht der KfW. Die Forscher weisen gleichsam daraufhin, dass Migranten häufig zu Unternehmern werden, weil sie keine attraktivere Erwerbsalternative haben.

Migranten als Gründer bringen der Volkswirtschaft einen großen Nutzen. Rund 2 Millionen Personen waren 2014 dank der unternehmerischen Tätigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund in Arbeit. Im Vergleich zu 2005 hat sich dieser Wert um 33 Prozent erhöht. Das eigentlich Bemerkenswerte daran: Der Anteil von Migranten hierzulande ist in demselben Zeitraum nur um knapp 9 Prozent gewachsen.

Selbstständigkeit, das zeigt die Studie auch, führt zu einem höheren Einkommen. Nicht-angestellte Migranten verdienen im Durchschnitt mit 2.167 Euro netto Monatseinkommen 40 Prozent mehr als abhängig Beschäftige mit Migrationshintergrund. Als Unternehmer mit mehreren Beschäftigten verdienen die Migrantenunternehmer sogar fast doppelt so viel (2.994 Euro) wie abhängig Beschäftigte mit Zuwanderungsgeschichte. Im Vergleich zu deutschen Selbstständigen liegen sie allerdings zurück: Migranten verdienen in Deutschland im Schnitt ein rund 30 Prozent niedrigeres Einkommen als deutsche Unternehmer.

Regional ist der Beschäftigungsbeitrag von Migrantenunternehmern unterschiedlich: In Nordrhein-Westfalen ist die Anzahl der Ausländern geschaffenen Arbeitsplätze mit 300.000 Stellen insgesamt am größten. In vergleichbaren Flächenländern ist die Anzahl der Stellen zwischen 2005 und 2014 allerdings noch stärker geklettert: in Hessen um 81.000, in Bayern um 113.000 und in Baden-Württemberg sogar um 145.000 Arbeitsplätze. Erklären lässt sich dies durch die unterschiedliche wirtschaftliche Dynamik und den Umfang der Zuwanderung. Die Studie zeigt aber, dass vor allem das Bildungsniveau entscheidend ist Je höher qualifiziert die Menschen mit Migrationshintergrund sind, desto höher ist im Land in der Regel die Selbstständigenquote. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Anzahl geschaffener Arbeitsplätze und das Einkommen der Gruppe der Selbstständigen aus.

Infografik zur Studie

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