Einfluss der Familie erhalten

Die Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) hat klare Vorteile insbesondere für Familienunternehmen. Wichtigster Vorteil: Fremdaktionäre haben nur begrenzten Einfluss.

Die KGaA war lange Zeit eher eine Ausnahme in der deutschen Unternehmenslandschaft. Doch in den vergangenen Jahren hat sich dies geändert. Inzwischen haben mit Fresenius SE & Co. KGaA, Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA, Merck KGaA und Henkel AG & Co. KGaA vier Unternehmen aus dem Dax diese Rechtsform gewählt. Andere prominente Unternehmen, die als KGaA firmieren, sind zum Beispiel der Medienkonzern Bertelsmann SE & Co. KGaA und das Medizin und Sicherheitstechnikunternehmen Drägerwerk AG & Co. KGaA.

Ein wesentlicher Auslöser dieser zunehmenden Beliebtheit nicht nur bei Dax-Unternehmen, sondern auch bei renommierten Familienunternehmen, ist ein Beschluss des Bundesgerichtshofs (24.2.1997, AZ: ZB 11/96). Danach kann einziger persönlich haftender Gesellschafter der KGaA nicht nur eine natürliche Person, sondern auch eine Kapitalgesellschaft sein.

 „Im Prinzip ist die KGaA eine große KG, deren Grundkapital in Form von Aktien an der Börse frei handelbar ist; komplementär, also persönlich haftender Gesellschafter, ist häufig eine GmbH, eine SE oder eine AG. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung der Komplementärgesellschaft die KGaA leitet“, erläutert Marcel Hagemann, gesellschaftsrechtlich spezialisierter Anwalt bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Düsseldorf. Dagegen haben die Kommanditaktionäre nur sehr begrenzten Einfluss auf die Geschäftsführung. Ihr Beschlussgremium, mit dem sie Einfluss nehmen können, ist wie bei der AG die Hauptversammlung.

Aufsichtsrat hat weniger Kompetenzen

Geeignet ist die KGaA insbesondere für gehobene mittelständische (Familien-)Unternehmen. „Ein zentraler Vorteil der Rechtsform der KGaA ist die Möglichkeit des Zugangs zum Kapitalmarkt unter Trennung von Unternehmensleitung und Finanzierung, sodass Familien bzw. die bisherigen Eigentümer ihren unternehmerischen Einfluss – ohne das Risiko der persönlichen Haftung – auch bei der Aufnahme von Kapital über die Börse dauerhaft erhalten können. Zudem erlaubt die weitgehende Gestaltungsfreiheit, die Corporate Governance an die jeweiligen Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen – ein gegenüber der Aktiengesellschaft grundlegender Vorteil“, beschreibt Hagemanns Kollege Christoph von Eiff die Gestaltungsmöglichkeiten.

Überdies sei die KGaA mitbestimmungsrechtlich privilegiert: „Der Aufsichtsrat der KGaA unterliegt zwar den Vorschriften des Mitbestimmungsgesetzes (MitbestG) und des Drittelbeteiligungsgesetzes (DrittelbG), jedoch sind seine Kompetenzen deutlich reduziert“, betont Hagemann. „So kann der Aufsichtsrat einer KGaA weder die Mitglieder der Geschäftsführung bestellen noch sie abberufen und auch keine Geschäftsordnung oder einen Zustimmungskatalog für die Geschäftsführung aufstellen.“ Zudem fehle dem Aufsichtsrat der KGaA die Befugnis zur Feststellung des Jahresabschlusses, die der Hauptversammlung zustehe. „Er hat im Wesentlichen nur die Kompetenz, die Geschäftsführung zu überwachen und zu beraten“, so Hagemann. Außerdem sei bei der KGaA kein Arbeitsdirektor zu bestellen.

„Der Kapitalmarkt hat die Rechtsform der KGaA akzeptiert, wie die prominenten Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit zeigen“, sagt von Eiff. „Insbesondere für bedeutende maßgeblich familiengeprägte Unternehmen ist die KGaA eine attraktive Rechtsform. Für diese ist die Umwandlung in eine KGaA – etwa durch einen identitätswahrenden Formwechsel – eine äußerst interessante Option, die in wenigen Monaten und zu moderaten Kosten durchgeführt werden kann.“



Weitere Artikel, News, Studien und Praxisbeispiele finden Sie auf unserer >> Themen-Seite Familienunternehmen


 

 

Das interessiert andere Leser

  • Drama Neugründungen: Deutschland rutscht im Vergleich ab

    Deutschland, Gründerland? Das war einmal! Das belegt auch eine Statistik der Industrie- und Handelskammern, die nun öffentlich wurde.

  • So unterschiedlich treu sind Gesellschafter von Familienfirmen

    82 Prozent der Familienunternehmer schätzen den Zusammenhalt untereinander als hoch ein. Unterschiede gibt es zwischen Großfamilien und in verschiedenen Stämmen organisierten Gesellschaftern.

  • Kommunikation in Franchisesystemen

    Ein Experte erläutert, worauf Franchisegeber und -nehmer dabei achten sollten.

  • Neuerungen in der DUB-Unternehmensbörse

    Übersichtlicher, einfacher und erfolgversprechender. Das sollen die neuen DUB-Unternehmensbörsen und DUB-Käuferbörsen jetzt bieten. Wir haben einige Felder ergänzt und besonders das DUB-Matching eingeführt.

  • Ist Ihr Unternehmen ausreichend gegen Cyber Angriffe geschützt?

    Machen Sie jetzt den kostenlosen Schnelltest!

  • America First

    Die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt stammen aus den USA – Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft und Facebook. Sieben namhafte Unternehmensberatungen haben das Potenzial der Tech-Riesen exklusiv bewertet.

  • Der Chef von Morgen

    Im Sport war er ein Spätzünder, dafür startet Johannes Lochner jetzt doppelt durch: Leitung eines Bobteams, Masterstudium – ein besseres Training für Führungskräfte gibt’s kaum.

  • Die Digitalisierung der Rekrutierung von Franchise-Partnern

    Lesen Sie hier, welche Rolle die Digitalisierung bei der Rekrutierung von Franchise-Partnern einnimmt.

  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser