Grenzüberschreitend flexibel – Cross-Border-Transaktionen im Mittelstand

Case Study "Personaldienstleistungen". Die Arbeitswelt wird internationaler – und somit auch der Markt für Personaldienstleistungen. Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist bereits seit einigen Jahren in einem schwierigen Zustand. Dies kann jedoch für internationale Kooperationen attraktive Chancen bieten.

Deutsche und polnische Experten im Büro

Aktuell begleiten wir ein Unternehmen aus dem Bereich «Zeitarbeit» in Norddeutschland im Verkaufsprozess. Das Unternehmen mit 10 Standorten beschäftigte noch vor drei Jahren mehr als 600 Mitarbeiter, heute sind es nur noch knapp 300. Es gibt ausreichend Arbeitgeber im Kundenbestand, die nach Arbeitskräften suchen, aber es können derzeit nicht mehr ausreichend Mitarbeiter rekrutiert werden, um diesen Bedarf auch nur annähernd zu decken. 

Seit einigen Wochen führen wir Verkaufsgespräche mit einem führenden polnischen Personaldienstleister, der etwa 3'000 Mitarbeiter beschäftigt und einen schnellen Zugang zum deutschen Markt sucht. Wir konnten in den gemeinsamen Gesprächen bereits diverse Synergieeffekte und Wachstumsfelder identifizieren, die für den Käufer durch eine Transaktion entstehen werden: 

Zugang zu neuen Märkten, diversifizierte Kundenportfolios (sowohl auf Arbeitgeber- wie auch auf Arbeitnehmerseite), branchenspezifisches Know-how und strategische Skaleneffekte. Doch wer grenzüberschreitend zukauft oder verkauft, muss insbesondere in dieser Branche neben rechtlichen Besonderheiten auch kulturelle, regulatorische und betriebliche Unterschiede meistern.

Warum internationale Transaktionen in der Zeitarbeit attraktiv sind

Der Fachkräftemangel ist längst ein europäisches – ja globales – Thema. Unternehmen aus der Zeitarbeitsbranche, die über Landesgrenzen hinweg agieren, können nicht nur neue Rekrutierungskanäle erschließen, sondern auch flexibler auf Nachfrageverschiebungen reagieren. Der Zukauf eines deutschen Personaldienstleisters durch einen polnischen Marktführer ermöglicht zudem direkten Zugang zu regionalen Märkten, länderspezifischen Branchen und lokalen Rahmenbedingungen – ein wesentlicher strategischer Vorteil in einem hart umkämpften und stark regulierten Markt.

Spezifische Herausforderungen der Branche

Die Personaldienstleistungsbranche ist besonders stark reguliert – vor allem im grenzüberschreitenden Kontext. Jedes Land bringt eigene Vorgaben zu Arbeitsrecht, Entlohnung, Sozialversicherung und Arbeitnehmerüberlassung mit. Wer hier nicht sauber strukturiert, riskiert hohe Haftungsrisiken oder den Verlust von Lizenzen. Eine präzise Legal Due Diligence ist daher insbesondere bei einem Cross-Border-Deal unerlässlich.

Kulturelle Integration – der oft unterschätzte Erfolgsfaktor

Zeitarbeit ist ein „People Business“ – der Erfolg hängt maßgeblich von vertrauensvollen Beziehungen, lokalen Teams und eingespielten Prozessen ab. Gerade im Mittelstand, wo persönliche Bindung und Unternehmenskultur eine große Rolle spielen, ist die kulturelle Integration entscheidend für die nachhaltige Performance nach dem Closing.

Fazit: Über die Grenzen hinweg Chancen ergreifen

Cross-Border-M&A in der Zeitarbeit erfordert mehr als nur gute Zahlen. Es braucht Branchenwissen, kulturelles Fingerspitzengefühl und ein tiefes Verständnis für arbeitsrechtliche Feinheiten. Für mittelständische Personaldienstleister, die gezielt wachsen oder eine Nachfolgeregelung anstreben, bieten internationale Transaktionen jedoch enormes Potenzial – vorausgesetzt, sie werden strategisch geplant und professionell begleitet.

Gastautor

  • Jens Grasshoff