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Teil 4: "Wohlstand sollte nicht davon abhängen, ob man in eine arme oder reiche Familie geboren wurde"

Drohen sonst nach dem Brexit noch weitere Ausstiege aus der EU?
Wagenknecht: Es gibt leider immer mehr Menschen, die das Gefühl haben, dass sie außerhalb der EU besser aufgehoben sind als innerhalb. Und das vielleicht auch mit Recht. Viele Entscheidungen der EU gehen auf Lobby-Interessen zurück. Und Arbeitnehmer, aber auch viele kleinere Unternehmer spüren, dass sie in Brüssel keine Stimme haben. Ich glaube, dass wenn Europa nicht immer weiter zerfallen soll, wir einen Neuanfang brauchen mit einer anderen Ausrichtung. Ich halte auch nichts davon, immer mehr Kompetenzen nach Brüssel abzugeben. Statt einer allmächtigen EU-Komission brauchen wir eine engere Zusammenarbeit der europäischen Staaten und gewählten Regierungen.

Wie wünschen Sie sich unser Wirtschaftssystem?
Wagenknecht:
Ich wünsche mir ein gerechtes Wirtschaftssystem, in dem der Wohlstand der Menschen sich danach richtet, was sie selbst leisten. Und nicht danach, ob sie in eine reiche oder in eine arme Familie hineingeboren werden. Ich glaube, dass das auch dabei hilft, Menschen zu motivieren, dass sie Ideen entwickeln und dass sie Leistung bringen, dass sie sich wirtschaftlich sinnvoll verhalten.

Für wie realistisch halten Sie es, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht?
Wagenknecht:
Das ist eine Frage des politischen Drucks. Oft werden linke Vorschläge abgetan unter dem Motto, „Sie wollen wiederhaben, was im Osten gescheitert ist“. Dabei ist das Unsinn. Die vollverstaatlichte Planwirtschaft hat nicht funktioniert, das weiß heute jeder. Deshalb sollte man das nicht noch einmal versuchen. Ich möchte klarmachen, dass es dennoch eine bessere Wirtschaftsordnung als die aktuelle geben kann. Dafür werbe ich in meinem Buch. Und ich versuche, damit irgendwann Mehrheitsverhältnisse herzustellen.

 

1. Teil: Mehr Geld für Gründer

2. Teil: "Digitalisierung erzeugt starken Druck zum Monopol"

3. Teil: "Manche Bereiche eignen sich nicht für renditeorientiertes Wirtschaften"

4. Teil: "Wohlstand sollte nicht davon abhängen, ob man in eine arme oder reiche Familie geboren wurde"

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