EU-Erbrechts-Novelle betrifft auch Unternehmer

Seit 2015 hat sich für die Erben und das Vererben einiges geändert. Ausschlaggebend dafür ist eine EU-Erbrechtsverordnung, die erstmals in Europa für einheitliche Regelungen bei Erbfällen schafft, die die Grenzen von Ländern überschreiten.

Es kommt nun ausschließlich das Erbrecht jenes Landes zum Tragen, in dem die Person verstorben ist und in dem sie sich für gewöhnlich aufgehalten hat. Die Staatsangehörigkeit der Verstorbenen und der Ort ihres Nachlasses sind nicht mehr relevant.

Für Privatpersonen wie Unternehmer ist der Ort des Ablebens ausschlaggebend

Das nun aktuell gültige EU-Erbrecht ist nicht nur wichtig für Menschen, die ihren ursprünglichen Lebensmittelpunkt verlassen haben, um etwa ihren Ruhestand unter südlicher Sonne auf Mallorca oder in der Toskana zu genießen. Letztlich entscheidend ist es auch für Arbeitnehmer, die für ihre Firma im Ausland tätig sind, sowie für Unternehmen, die inhabergeführt sind. Konkret bedeutet dies: Wer Grundstücke in Berlin und zusätzliche Besitztümer in Österreich sein Eigen nennt, aber größtenteils in Nizza lebt und dort verstirbt, hinterlässt ein Erbe, bei dem französisches Erbrecht gilt.

Das Erbrecht in den Ländern Europas ist unterschiedlich

Deshalb darf man nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass ein Erbe so aufgeteilt wird, wie es zum Beispiel in Deutschland geregelt ist. Die gesetzlichen Erbanteile, ein Recht auf ein Pflichtteil oder auch die Frage, wie eine Ehefrau oder ein Ehemann am Erbe beteiligt ist, sind im europäischen Ausland mitunter anders geregelt.

Das Fortleben des hinterlassenen Unternehmens bewahren

Für Firmen und ihre Eigentümer respektive deren Erben kann es knifflig werden, wenn das Gesellschaftsrecht, wie es in Deutschland existiert, mit dem Erbrecht im Ausland in Einklang gebracht werden muss. In manchen Ländern existiert zum Beispiel ein sogenanntes Noterbrecht, was man in Deutschland nicht kennt. Damit kann derjenige, dem ein Pflichtteil zusteht, sogar Anteile an der Gesellschaft beanspruchen. In Deutschland steht ihnen nur ein finanzieller Anspruch auf Ausgleich zu. Sollte es der Fall sein, dass mögliche Erben zunächst noch ermittelt werden müssen, schaltet man am besten seriöse und qualifizierte Privatermittler ein.

Per Testament klare Vorgaben machen

Zum Schutz und zur Vorsorge vor unbeabsichtigten Folgen für das Unternehmen sollten Firmeninhaber in ihrem Testament festschreiben, nach welchem länderspezifischen Erbrecht vorzugehen ist. Dafür ist die Form als Testament unabdingbar. Nur kann man sichergehen, dass der Nachlass auf die Art und Weise vererbt wird, die man kennt und die keine Nachteile mit sich bringen. Wurde per Testament vorgegeben, dass deutsches Erbrecht gilt, können die Erben durch eine sogenannte Gerichtsstandsvereinbarung dafür sorgen, dass für die Erbsache deutsche Gerichte zuständig sind.

Bestehende Testamente prüfen

Oft zeichnet sich erst im Verlauf des Lebens und der Karriere ab, dass ein Aufenthalt im Ausland dauerhaft wird. Wer bereits seinen letzten Willen aufgesetzt hat, ist gut beraten, das Testament auf eventuelle Fallstricke überprüfen. Wer als Gesellschafter Verantwortung für ein Unternehmen trägt, sollte sein Testament mit den Regelungen zur Nachfolge in Einklang bringen, die der Gesellschaftsvertrag vorsieht.

Vereinfachte Abwicklung von grenzüberschreitenden Nachlässen

Bis auf Irland und Dänemark bieten im Zuge der EU-Erbrechtsverordnung nun alle EU-Länder ein Europäisches Nachlasszeugnis. Es soll bei einem Nachlass, bei dem mehrere Länder betroffen sind, das Prozedere erleichtern und beschleunigen. Allerdings besteht zu diesem Erbnachweis keine Pflicht. Ein in Deutschland ausgestellter Erbschein ist nach wie vor gültig.

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