bKV Roundtable: „Gesundheit wird zur Chefsache“

bKV mehr als nur ein Steuervorteil

Anders als bei der betrieblichen Alterversorgung ist die Förderung der bKV noch ein Zankapfel. Der Bundesfinanzhof sieht die bKV als steuerfreien Sachlohn, die Finanzverwaltung verlangt von den Arbeitgebern darauf Steuern und Sozialabgaben. Wann ist hierzu mit einem Machtwort aus der Politik zu rechnen, um Planungssicherheit zu gewährleisten?

Nobis: Was man aus Berlin hört, läuft dort die Arbeit. Um aber ganz ehrlich zu sein: Ich halte es für einen Fehler, die bKV zu sehr auf einen Steuervorteil zu reduzieren. Ich fürchte, dass dann viele Vermittler die bKV als Steuervorteil verkaufen würden. Das geht an der Sache vorbei. Die bKV hat viel mehr zu bieten.

Ebenkamp: Ich sehe das genauso. Die bKV ist kein Steuersparmodell, sondern bietet den Unternehmen unabhängig von der Steuer große Mehrwerte.

Simons: Wichtig wäre, dass überhaupt mal eine politische Entscheidung mit langfristiger Wirksamkeit getroffen wird. Ich beurteile ähnlich wie Herr Nobis und Herr Ebenkamp: Fehlanreize im Vertrieb und bei den Kunden sollte man vermeiden. Die bKV bietet deutlich mehr Vorteile auf anderen Ebenen als aus steuerlicher Sicht.

Gladis: Ich persönlich hoffe, dass die Politik erkennt, welchen gesamtgesellschaftlichen Nutzen die bKV mit sich bringt. Denn die Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter wird unmittelbar verbessert, was die Sozialsysteme entlastet. Ich glaube, dass wir einen eigenen Durchführungsweg für die bKV benötigen, ähnlich wie es in der betrieblichen Altersversorgung der Fall ist.

Nobis: Absolut richtig, volkswirtschaftlich gesehen kann die bKV noch ganz großes Gewicht bekommen. Momentan geht es der gesetzlichen Krankenversicherung ja noch relativ gut, aber wir kennen alle den Paragrafen 12 des Sozialgesetzbuchs. Der enthält das Wirtschaftlichkeitsgebot, also dass die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein ­müssen. In Konsequenz wird sich das dann auf das Nötigste beschränken. Kommt der demografische Wandel in der GKV voll zum Tragen, könnten die Zusatzleistungen durch die bKV noch eine wirklich große Rolle spielen.

Ebenkamp: Schon heute besteht die höchste Nachfrage in den Leistungsbereichen, in denen das Kostenrisiko für die Mitarbeiter im Falle einer Erkrankung am höchsten ist. Darüber hinaus ist ein wesentlicher Mehrwert der betrieblichen Krankenversicherung, dass die Versicherer auf eine Gesundheitsprüfung verzichten. In der Regel sind alle Vorerkrankungen und gegebenenfalls auch laufenden Behandlungen mitversichert. Das können die Anbieter leisten, da sie homogene Kollektive versichern. So ist die Beitragsstabilität in den bKV-Tarifen bei uns sehr hoch.

Simons: Es gibt aber auch einige Marktteilnehmer, die die Beiträge in der Vergangenheit nicht stabil gehalten haben – die Anwesenden gehören ausdrücklich nicht dazu. Aber in puncto Beitragsstabilität lohnt es sich durchaus, näher hinzuschauen, und dies ist unsere Aufgabe als Versicherungsmakler.

Wo gibt es denn noch Entwicklungsbedarf?

van de Bürie: Wir halten die ganzheitliche Beratung für das zentrale Element. So haben wir bei AXA im Bereich Corporate Employee Benefits alle Einheiten rund um Mitarbeiterabsicherung gebündelt. Das heißt: Wir sprechen mit einer Firma nicht nur über bKV, sondern auch über die betriebliche Altersversorgung und die internationale Krankenversicherung. Unser Ziel ist hierbei, unseren Firmenkunden Lösungen zum Thema Mitarbeiterabsicherung aus einer Hand anzubieten.

Nobis: Als eine Baustelle sehe ich noch an, dass die bKV-Produkte sich stark unterscheiden. Eine bKV bei der AXA ist eine ganz andere als bei der Halleschen oder bei der Gothaer. Dort unterliegen völlig unterschiedliche Konzepte. Also braucht man kundige Makler, die diese Unterschiede kennen.

Gladis: Um hier einen entscheidenden Vorstoß zu unternehmen, haben wir unser Feel-free-Konzept entwickelt, das konsequent vom Arbeitgeber her gedacht ist. Jeder Mitarbeiter hat dabei ein jährliches Gesundheitsbudget und entscheidet selbst, welche Leistungen er benötigt – sei es die zahnärztliche Versorgung, die Brille oder die Behandlung durch den Heilpraktiker. Das ist einfach und verständlich und findet in der breiten Masse Anklang. Und es vereinfacht die bKV-Beratung deutlich.

Simons: Wo wir allerdings noch Schwachstellen sehen, ist, dass nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch der Arbeitnehmer das bKV-Produkt richtig versteht und für sich einordnen kann. Für wichtig halten wir es beispielsweise, dass die Produkte mancher Versicherer noch verständlicher werden und keine versteckten Leistungskürzungen oder Ausschlüsse beinhalten.

Teil 1: Ein entscheidener Faktor im War for Talents

Teil 2: Amazon, Google & Co. als Platzhirsche der bKV?

Teil 3: bKV mehr als nur ein Steuervorteil

Teil 4: Die bKV gewinnt immer mehr an Bedeutung