Spezial Female Leadership: „Digital Leader sein heißt Vielfalt fördern“

Innovationen entstehen überall

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Betrachten Sie sich als Digital Leader?

Dr. Jeschke: Ein Technologievorstand hat die Aufgabe, sein Unternehmen unter anderem im Bereich Digitalisierung voranzubringen. Aber nicht allein! Entwicklung und Umsetzung sind eine zusammenhängende Querschnittsverantwortung. Digital Leader sein heißt, interdisziplinäre Lösungen voranzutreiben. Das halte ich für erfolgsentscheidend. Ergebnisse erzielen wir bei der Deutschen Bahn nur gemeinsam.

Wie gelingt das bei er Deutschen Bahn?

Dr. Jeschke: Innovationen entstehen überall. Wir tun viel, um ein krastives und innovatives Umfeld zu fördern und zu fordern, durch Intrapreneurship-Programme, StartUp-Aktivitäten, neue branchenübergreifende Vernetzungen und agile Managementmethoden in unseren Linienstrukturen. In unserer großen, komplexen Organisation gelingt das in manchen Bereichen schneller als in anderen. Auch bei der Methodik gibt es Unterschiede. Klar ist, dass die IT oder der Vertrieb durch die Kundennähe agiler sind und sein können als andere Felder, die starken regulatorischen Auflagen unterliegen. Aber Bewegung ist überall.

Jetzt sind Sie in einem eher klassischen Männer Bereich tätig. Was würden Sie denn Frauen mit Führungsambitionen raten, um sich in klassischen Männerberufen zu behaupten?

Dr. Jeschke: Für mich ist diese Männer-Frauen-Unterscheidung nie wichtig gewesen. Ich persönlich hatte in den vermeintlichen Männerdomänen nie Berührungsängste. Gerade im Technikbereich braucht es unterschiedliche Perspektiven, Durchmischung und somit Frauen, die sich trauen, beherzt und selbstbewusst in diese Felder zu gehen. Deshalb rate ich zu einer stärkeren Ausrichtung etwa auf Ingenieurwissenschaften, Informatik oder auf klassische Naturwissenschaften, wo außerdem der Bedarf groß ist.

Gibt es eine Erkenntnis, die Sie gerne schon zu Anfang der Karriere gehabt hätten?

Dr. Jeschke: Ich wollte immer technologische Neuentwicklungen vorantreiben. Das konnte ich als Professorin und mittlerweile als Vorstand bei der Deutschen Bahn. Heute begreife ich Karriere eher als einen Prozess. Es ist vor allem wichtig, dass man authentisch bleibt und zu seinem persönlichen Antrieb steht. Es gibt diesen schönen Satz von Albert Einstein: „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“ Die Aussage hat mich immer fasziniert und begleitet.

Welche Ihrer Soft Skills hat Ihnen auf Ihrem Karriereweg am meisten geholfen?

Dr. Jeschke: Ich bin in zwei Staaten aufgewachsen, in Schweden und Deutschland. Ich habe mich dann in verschiedenen Fachkulturen bewegt, im In- und Ausland. Da bildet sich die Fähigkeit aus, mit Menschen verschiedener Hintergründe umzugehen. Das schließt auch das Analysieren der Körpersprache ein. Ich bin relativ gut darin, schnell kulturelle Grenzen, Vertrautheiten oder Abgrenzungen aufzudecken.

Haben Sie ein Vorbild?

Dr. Jeschke: Ich habe nicht im engen Sinne Vorbilder. Es gab in meinem Leben vielmehr Menschen, die ganz bestimmte Dinge getan haben und mich unterstützt haben. Die habe ich dafür bewundert. Zum Beispiel Bill Borucki von der NASA, der mich aufgenommen hat, als ich im Vordiplom war. Ich durfte mit seiner Gruppe ein Vierteljahr forschen und wurde als ihr Teammitglied akzeptiert, obwohl ich viel jünger war. Wir haben Lichtkurven von Sternen auf die Existenz möglicher Planeten untersucht. Borucki wurder etwa zehn Jahren einer breiten Öffentlichkeit bekannt, weil er die ersten extraterrestrischen Planeten in anderen Sonnensystemen nachweisen konnte. Solche Menschen – klug, leidenschaftlich, willensstark, offen - haben mich sehr beeindruckt.

Teil 1: Deutsche Bahn goes digital

Teil 2: Innovationen entstehen überall

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