Hamburg, 21.03.2017

Der Geist in der Maschine

2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz. Weitere Themen sind Virtual und Augmented Reality, das Internet der Dinge, die Multi-Cloud sowie Cybersecurity. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin erklärt, was die neuen CeBIT-Technologien leisten.

Smarte Maschinen: Künstliche Intelligenz und Roboter wie der „Roboy“ sind ein Megatrend

„Digitalisiere oder stirb“, so lautet ein bekannter Leitspruch aus dem Silicon Valley. Auch wenn dies vielleicht etwas überspitzt klingen mag – der technologische Wandel bricht sich in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft mit atemberaubender Geschwindigkeit Bahn. Unternehmer müssen sich also längst nicht mehr fragen, ob sie ihren Betrieb digitalisieren wollen, die Frage ist nur noch, auf welchem Weg. Die Antworten darauf sind auf der CeBIT 2017 in Hannover zu finden. Auch in diesem Jahr werden auf der größten IT-Messe der Welt die wichtigsten Trends der Branche ausgelotet.

„Alexa, warum ist der Himmel blau?“

Einer der Schwerpunkte der CeBIT 2017 ist das Thema künstliche Intelligenz (KI). Dabei handelt es sich um Software, die versucht, menschliche Intelligenz nachzuahmen. Zumindest graduell sind solche Systeme bereits heute in der Lage, eigenständig Bedeutung zu verstehen, zu lernen und auf ihre Umwelt zu reagieren. Maschinen, die über KI verfügen, bezeichnet man gemeinhin als Roboter. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Forschungsprojekte auf diesem Gebiet gestartet worden, wie etwa der an ein Kleinkind erinnernde „Roboy“ der Universität Zürich. Vor allem für die Wirtschaft sehen Experten ein enormes Potenzial in der künstlichen Intelligenz. Die Studie „Top 10 Strategic Technology Trends for 2017“ des Technologie-Forschungsunternehmens Gartner etwa besagt, dass in den nächsten zehn Jahren keine Software mehr daran vorbeikommen wird. So wird das autonome Fahren und dessen Vorstufe, das Assisted Driving, überhaupt erst durch Programme mit KI ermöglicht. Softwarekonzerne wie Microsoft, Salesforce und Oracle verwenden Programme auf Basis von KI bereits, um Kundendaten zu analysieren.

Ein weiteres vielversprechendes Anwendungs gebiet der KI sind die Chatbots. Dabei handelt es sich zunächst um textbasierte Dialogsysteme, mit denen ein User mittels Texteingabe kommunizieren kann. Solche Systeme können beispielsweise im Kundenservice zum Einsatz kommen. Facebook arbeitet derzeit an einer entsprechenden Lösung für seinen Messenger. Die Weiterentwicklung dieser Technologie führt zu sogenannten virtuellen persönlichen Assistenten (VPAs). Das sind intelligente Kommunikationssysteme, die gesprochene Sprache sowohl erkennen als auch ausgeben können. Prominente Beispiele sind Apples Siri, Microsofts Cortana oder Amazons Alexa. Letztere kann bereits zahlreiche Fragen beantworten wie zum Beispiel: „Alexa, warum ist der Himmel blau?“

Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG, des Veranstalters der CeBIT, erklärt: „Gerade im Businessumfeld gibt es vielseitige Einsatzfelder künstlicher Intelligenz, etwa in der noch umfassenderen Auswertung vorliegender Daten, in ihrer innovativen Verknüpfung oder durch Einsatz von Bot-Systemen in der Kommunikation zum Kunden.“

Auch bei den CeBIT Global Conferences wird KI eine wichtige Rolle spielen. Einer der Keynote-Sprecher ist der international renommierte Experte für Robotik, Hiroshi Ishiguro. Der Wissenschaftler aus Japan wird zusammen mit seinem maschinellen Doppelgänger „Geminoid“ auftreten, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht.

Die Welt als Netzwerk

Das Internet of Things (IoT), zu Deutsch: Internet der Dinge, beschreibt den Prozess der weltweiten digitalen Vernetzung. So werden immer mehr Geräte und Maschinen ans Internet angeschlossen; Einzelpersonen, Gemeinschaften und Organisationen vernetzen sich. Ähnlich wie KI birgt das Internet der Dinge ein beträchtliches wirtschaftliches Potenzial. Laut der 2015 erschienenen McKinsey-Studie „The Internet of things: Mapping the value beyond the hype“ wird sich der Umsatz, der in Deutschland durch das IoT generiert wird, bereits 2020 auf 23 Milliarden Euro belaufen.

Wichtigste Anwendungsfelder sind die Digitalisierung der Fertigung (Industrie 4.0) mit knapp neun Milliarden Euro sowie vernetzte Fahrzeuge mit rund vier Milliarden Euro Umsatzpotenzial. Den größten Markt bietet langfristig aber nicht allein die IoT-Hardware oder die Vernetzung von Geräten, sondern die Software rund um das Internet der Dinge. „In Sachen Softwarekompetenz hat Deutschland allerdings noch Nachholbedarf“, sagt Dominik Wee, McKinsey-Partner und Autor der Studie.

75 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025

Das Prinzip des Cloud-Computings ist in Deutschland inzwischen bekannt. Großes Thema auf der CeBIT 2017 aber ist die Weiterentwicklung der Technologie zur sogenannten Multi-Cloud. Darunter versteht man eine Kombination aus mehreren Cloud-Diensten, die sich aus Anwendersicht wie ein einziger Service verhalten. Vorteil der Technologie ist unter anderem ihre große Flexibilität. Mit der Multi-Cloud kann ein Unternehmen genau den Service auswählen, der am besten für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet ist, ohne dabei auf andere Cloud-Anwendungen zu verzichten.

Weiteres großes Thema auf der CeBIT 2017: Virtual Reality. Der Begriff bezeichnet die computergenerierte Simulation einer virtuellen Wirklichkeit, also etwa 3-D-Raumsimulationen mit der Möglichkeit zu interagieren. Zukunftsträchtiges Anwendungsfeld sind etwa Online-Shops, in denen man Kleidung virtuell anprobieren kann. Weniger bekannt, aber nicht minder vielversprechend ist die Technologie der Augmented Reality (AR), der computergestützten Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Datenbrillen, die zusätzliche Informationen über reale Objekte anzeigen, kommen etwa in der Lagerverwaltung zum Einsatz. So hat der Paketdienst DHL solche Smart Glasses im Rahmen eines Versuchs bereits erfolgreich getestet. Die Zukunftsprognosen für beide Technologien könnten kaum positiver sein. Die Investmentbank Goldman Sachs etwa prognostiziert dem Sektor für das Jahr 2025 einen Umsatz von 75 Milliarden Euro.

Achtung, Kostenfalle!

So vielversprechend die neuen Technologien auch erscheinen, ihre Kehrseite ist das Sicherheitsrisiko, das sie mit sich bringen. Wenn Geräte, Maschinen und Prozesse zunehmend über das Internet vernetzt werden, öffnet dies potenziellen Angreifern aus dem Netz Tür und Tor. Auch das Thema Cybersecurity steht deshalb auf der diesjährigen CeBIT ganz oben auf der Agenda.

So ist die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU (EU-DSGVo) Tagesordnungspunkt, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Mit dieser Regelung wird das Datenschutzrecht europaweit vereinheitlicht und verschärft. In Zukunft müssen Unternehmen zum Beispiel viel früher und umfassender Personen informieren, wenn sie deren Daten verarbeiten. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu einer Höhe von vier Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes, mindestens aber 50.000 Euro. Ein Mitarbeiter etwa, der Zugang zu Daten hat, die er für seine Tätigkeit nicht benötigt, kann somit schnell zur Kostenfalle werden. Auf der CeBIT zeigen Aussteller und Redner, was auf die Firmen zukommt und was es zu beachten gilt.

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