Das Internet der Dinge

Vernetztes Fahren, Wohnen, Kaufen – US-Firmen mischen alle Branchen auf.

Vernetzen und teilen – so lautet die Devise des „Internets der Dinge“. Die Anwendungen sind breit: die Temperatur der Wohnung über das Smartphone aus der Ferne steuern. Über die Onlinedienste Airbnb oder Wimdu das Apartment an Feriengäste vermieten. Das Auto per Kamera, Sensor und Software allein fahren lassen – oder es mit den App-Fahrdiensten Uber oder Blacklane in ein Taxi verwandeln.

Das Internet der Dinge dringt in alle Lebensbereiche vor, verändert unseren Alltag und krempelt alle Branchen um. Laut Marktforschungsfirma Gartner gibt es derzeit drei Milliarden vernetzte Geräte, davon eine Milliarde Smartphones.

Die Prognose: Die Anzahl der über ein Netzwerk verbundenen Dinge wird in sieben Jahren auf 25 Milliarden hochschnellen. Den Wandel führt wohl der Taxi-Dienst Uber am plakativsten vor Augen: Per App können die Nutzer eine private Limousine bestellen. Freie Kapazitäten in Fahrzeugen werden so besser ausgenutzt. Doch was auf dem Papier nach einer genial simplen Idee klingt, hat weitreichende Folgen – vor allem für das Taxi-Gewerbe.

Uber ist ein Paradebeispiel dafür, was deutschen Unternehmen blüht, wenn sie das „Internet der Dinge“ oder die „Share Economy“ unterschätzen. Immer noch denken viele Firmen in Deutschland bei diesen Themen vorrangig an Technik – die beherrschen die Firmen gut. Sie tun sich nicht schwer, digitale Errungenschaften in Produkte zu integrieren. Als der Internetriese Google etwa den Thermostat-Spezialisten Nest kaufte, konnte Bosch mit Recht darauf verweisen, dass man die Technologie der vernetzten Heizung längst im eigenen Portfolio hat.

Die Herausforderung besteht allerdings darin, mit Hilfe dieser Technologien nicht nur bestehende Geschäftsmodelle zu sichern, sondern vielmehr neue zu entwickeln. Dabei sind branchenfremde Unternehmen oft viel besser, weil sie mit den neuen Ideen nicht die eigenen und etablierten Geschäftsmodelle angreifen.

Da ist zum Beispiel Tesla: Das Start-up von Elon Musk verkauft mit Erfolg global Elektroautos – was traditionelle Autobauer seit Jahren nicht schafften. Das nächste Thema wird Software, Computerleistung und Vernetzung der Autos sein. Tesla stellte vor wenigen Wochen selbstfahrende Funktionen vor. Im nächsten Jahr soll sich das Model S zu 90 Prozent selbst steuern.

Laut Analyst Adam Jonas ist Tesla den Deutschen bei Themen wie Selbstparken um ein Jahr voraus: „Tesla verbessert sein Produkt über den Äther, während Konkurrenten Jahre dazu brauchen.“ Doch die europäischen Unternehmen sind nicht untätig: Audi und Mercedes testen selbstfahrende und vernetzte Autos in Kalifornien. Der Bundesstaat ist nicht nur die Heimat von Tesla, sondern erlaubt auch vom Gesetz her zu Testzwecken führerlose Autos im Straßenverkehr.

Der niederländische Elektronikkonzern Philips stellte auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin eine ganze Reihe von vernetzen Produkten vor, etwa einen Espressoautomaten, der über das iPad gesteuert werden kann. Was auf den ersten Blick überflüssig klingen mag, könnte durchaus Schlagkraft entwickeln. So können etwa Tablet-Rechner Tipps von erfahrenen „Barista“ für das Brühen des Kaffees auf den Espressoautomaten übertragen – ein Komfortgewinn für den Nutzer. Auch an einer Zahnbürste, die während des Putzens Körperdaten erfasst und analysiert, soll der Konzern arbeiten.

Doch die Zeit drängt: Denn nicht nur in den USA, sondern auch in Asien rüsten sich die Firmen für das Internet der Dinge. Der koreanische Elektronikkonzern Samsung etwa hat gerade erst das amerikanische Unternehmen „Smart Things“ gekauft. Das erklärte Ziel: Samsung will den Bereich für vernetzte Produkte im Heim, den Smart-Home-Markt, massiv stärken.

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