Titelthema

Teil 2: Deutscher Digitalisierungsgrad

Herausgekommen ist eine Vielzahl neuer Dienstleistungen, die auf digitalen Techniken beruhen. Der Versorger nimmt eine Vorreiterrolle ein. Denn aufs Ganze gesehen haben deutsche Unternehmen ihr Digitalisierungspotenzial erst zu zehn Prozent ausgeschöpft, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey. Als Benchmark dient die IT-Branche in den USA, im Kern das Silicon Valley, das zu 100 Prozent digitalisiert ist. Die USA insgesamt sind nach diesen Berechnungen zu 18 Prozent digitalisiert. Der vergleichsweise geringe Digitalisierungsgrad der deutschen Wirtschaft hängt mit dem Branchenmix zusammen: Deutschland ist führend im Automobil- und Maschinenbau sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie – alles Sektoren, die noch nicht so stark transformiert sind, wie sie es sein könnten.

Regler: Die Transformation ist eine Frage der langfristigen Unternehmensstrategie

Regler: Die Transformation ist eine Frage der langfristigen Unternehmensstrategie (Foto: Getty Images/Olivier Le Moal)

Anders verhält es sich im Handel, bei Banken und Versicherungen, Medien und der IT – also Branchen im Dienstleistungsbereich, die insgesamt deutlich stärker digitalisiert und zudem in den USA oder Großbritannien (17 Prozent Digitalisierungsgrad) besonders stark vertreten sind.

Eine Frage der Unternehmensstruktur

Dass in erfolgreichen Traditionsunternehmen die Transformation nur zögerlich voranschreitet, hat seinen Grund. Sie zwingt Unternehmen nicht nur dazu, vor dem Hintergrund innovativer Technologien über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Mitunter müssen Unternehmen mit der Transformation die komplette innere Unternehmensstruktur verändern. Und die sei hierzulande noch stark geprägt von „hierarchischer Führung bis hin zu einem ausgeprägten Senioritätsprinzip“, sagt Henning Vöpel, Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts. Eine Transformation ist Chefsache und muss von oben initiiert werden. Dem kommt eine hierarchisch geprägte Unternehmensstruktur entgegen. Auf der anderen Seite erfordert die Digitalisierung eine veränderte Mentalität, um mit den neuen Chancen und Risiken umzugehen. Das funktioniert wiederum besser in flachen Hierarchien oder gar in einer Holokratie – also in einer gleichberechtigten, führerlosen Unternehmensstruktur. Die findet sich aktuell noch in den wenigsten Unternehmen wieder.

Bis zu 15 Prozentpunkte höhere Marge

Dass sich die Transformation für Unternehmen lohnt, ergibt sich aus der McKinsey-Studie: „Firmen, die damit begonnen haben, Künstliche Intelligenz konsequent und strategisch einzuführen, ernten schon jetzt erste Früchte und melden Gewinnmargen, die drei bis 15 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der meisten Branchen liegen“, heißt es dort. Das erfordert Investitionen, die etwa die Postbank bereitstellt – ein schwieriges Unterfangen, da bei solchen Projekten keine Maschinen oder Immobilien als Sicherheiten zur Verfügung stehen. „Uns ist wichtig, dass wir das Geschäftsmodell des Kunden als nachhaltig erfolgreich ansehen“, erklärt Ralph Müller, Postbank-Vorstand, die Entscheidungsmatrix. Und Nachhaltigkeit sollte für alle unternehmerischen Vorhaben das Kriterium sein – ganz besonders für den digitalen Wandel.

Es ist abzusehen, dass Technologie eine überragende Rolle im Berufsleben spielen wird. Sie lässt die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit gänzlich verschwimmen, aber braucht Regeln, damit sie den Nerv trifft.



Gesteigerte Produktivität

Deutsche Mittelständler könnten bis 2025 eine zusätzliche Wertschöpfung von 127 Milliarden Euro generieren, wenn sie den Weg in die digitale Welt weitergehen.
Die Studie „Das digitale Wirtschaftswunder“ der Beratung McKinsey vergleicht die Digitalisierung einzelner Länder und Branchen weltweit. Das Potenzial hierzulande entspricht knapp einem Drittel des Bundeshaushalts von 338,5 Milliarden Euro.


 

Teil 1: Alles im Umbruch

Teil 2: Deutscher Digitalisierungsgrad

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