Investieren in der Krise: Viele Investoren wägen Zukäufe sorgfältiger ab

Die unsichere Lage wirkt sich natürlich auch auf Investitionen aus. Manche Branchen kommen komplett zum Erliegen wohingegen andere einen regelrechten temporären Boom verzeichnen können. Wie sehen Investoren die Krise? Wer ist noch bereit zu investieren und lohnt sich besonders jetzt die Übernahme insolventer Unternehmen?
Stürmische Zeiten: Unternehmen versuchen so unbeschadet wie möglich durch die Krise zu kommen.Stürmische Zeiten: Unternehmen versuchen so unbeschadet wie möglich durch die Krise zu kommen.

Die Meldungen überschlagen sich fast täglich. Weltweit sorgt die grassierende Pandemie für gesellschaftliche Ausnahmezustände und in zahlreichen Ländern gerät die medizinische Versorgung an ihre Belastungsgrenzen oder versucht trotz Überlastung mit der Situation zurecht zu kommen. Wirtschaftliche und ökonomische Fragestellungen weichen hier den existentiellen Problemen doch geht es auch für zahlreiche Unternehmen um die Existenz.

Macht es momentan überhaupt Sinn zu investieren? Welche Investitionen liegen momentan auf Eis und welche Entwicklung ist für die Zeit nach der Krise zu erwarten?

Betriebe stehen still und die Anträge zur Kurzarbeit nehmen rasant zu. Besonders schwer betroffen vom Stillstand sind kleine und Mittelständische Unternehmen, der gesamte Kulturbetrieb und Freiberufler. Aber auch große Unternehmen aus der Reise- und Freizeitbranche wie Lufthansa oder TUI haben mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen.

Verlierer und Gewinner

Manche Branchen profitieren aber auch von der aktuellen Situation. Grund dafür sind aber keine veränderten Unternehmensstrategien, sondern der Umstand, dass ein Großteil der Gesellschaft zu Hause festsitzt. #stayathome und #flattenthecurve trenden daher auf Twitter momentan und die Konsequenzen der eingeschränkten Mobilität haben das Nutzungsverhalten deutlich verändert.

Die oftmals totgesagte Fernsehbranche erlebt ein Wiederaufleben, Streamingdienste wie Netflix vermelden steigende Besucherzahlen, Bestelldienste und Online-Einkäufe haben, genauso wie der Lebensmitteleinzelhandel, Hochkonjunktur.

Wie bewerten Investoren in der aktuellen Lage Unternehmen?

Unternehmenstransaktionen, also der Kauf und Verkauf von Unternehmen ist momentan erheblich erschwert da sich die Geschäftsaussichten nicht zuverlässig einschätzen lassen. Käufer wollen sich deshalb vor allem jetzt noch besser absichern. Wie können Unternehmen bei der sich so rasant ändernden aktuellen Lage überhaupt angemessen bewertet werden?

Valentin Reisgen, Geschäftsführender Gesellschafter, Kai Capital Management sieht für bereits laufende Prozesse keine Einschränkungen, stellt aber auch einen Stillstand bei aktuellen Übernahmen fest.

„Es gibt bereits laufende Transaktionen, die fortgeschritten sind und aus verschiedenen Gründen abgeschlossen werden sollten. Das kommt meiner Einsicht nach aber nur für strategische Investoren in Frage, die sich innerhalb ihrer Branche bewegen und die den Corona-Effekt und die Zeit nach der Krise gut einschätzen können.“

72 Prozent der Beteiligungsmanager rechnen mit einem starken Konjunktureinbruch

Außerdem könne man in diesen Fällen bei der Bewertung den Stand vor der Krise mit einfließen lassen und über einen Risikoabschlag diskutieren, der mittelfristig über eine Earn-Out-Regelung wieder ausgeglichen werden könnte, so Reisgen weiter. Neue Transaktionen sind im aktuellen Übernahmegeschäft nicht zu verzeichnen und stehen im Moment still.

Eine dem Handelsblatt vorliegende Studie der zeigt, dass angesichts der Krise ein Vorzieheffekte zu erwarten ist. Manche Transaktionen werden schneller als erwartet umgesetzt. Beispielsweise dann, wenn die Digitalisierung des jeweiligen Geschäftsmodells vorangetrieben werden muss. Insgesamt werden Verkaufsprozesse flexibler gehandhabt: Rücktrittsklauseln und Besserungsscheine sind in der Krise häufig angewendete Instrumente. Die Umfrage zeigt auch, dass 72 Prozent der Beteiligungsmanager mit einem starken Konjunktureinbruch rechnen.*1 Weiterhin bestimmen also unsichere Prognosen die gedämpfte Stimmung bei den Einschätzungen.

Investitionen in krisenfeste Branchen

Wichtige Investitionen sind momentan fast ausschließlich in Bereichen wie beispielsweise Maschinen oder Betriebsimmobilien, die lange Zeitschienen mit 12 Monate oder mehr erfordern, möglich. Außerdem in Branchen, die in „sicheren“ Industrien wie der Baubranche tätig sind und viel Eigenkapital einsetzen können.

Auch im Bereich Unternehmensnachfolge gibt es weiterhin ein anhaltendes Interesse. Professionelle Käufer wie Family Office und Beteiligungsgesellschaften, die über größere Kapitalreserven verfügen, sind weiterhin interessiert.

Kauf und Verkauf insolventer Unternehmen

Viele Unternehmer sehen in der Krise auch die Chance sich unternehmerisch auf eigene Beine zu stellen. Die Strategie macht in einigen Branchen Sinn, aber der Schritt sollte sorgfältig abgewägt werden.

„Die Krise wird zu einer erhöhten Anzahl von Insolvenzen führen und bestimmte Arten von Investoren haben in der Vergangenheit solche Situationen ausgenutzt. Hier sehen wir die Verantwortung auch bei den Gläubigern und Verwaltern das langfristige Wohl des Unternehmens im gesamtgesellschaftlichen Kontext im Auge zu behalten“, schätzt Harvey Gross, Partner bei der Deutschen Unternehmensnachfolge die aktuelle Lage ein.

Es gibt wie in jeder Krise Verlierer und Gewinner, Unternehmen, die gestärkt aus ihr hervorgehen und andere, die an ihr zerbrechen werden. Investitionen und Unternehmenskäufe könne in sicheren Branchen durchaus Sinn machen doch sollte wie auch bereits vor der Corona-Krise sorgfältig abgewogen werden. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn es um vermeintliche Schnäppchen geht. Achten Sie stets auf seriöse und professionelle Käufer- und Verkäuferangebote.

Eine Auswahl finden Sie in der Unternehmensbörse

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*1 Peter Köhler, Robert Landgraf: Ambivalente Finanzinvestoren, in: Handelsblatt vom 27.03.2020, S. 30

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