Gibt es Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmensbewertung?

Die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf die Wirtschaft sorgten im Frühjahr 2020 für düstere Prognosen hinsichtlich der Unternehmenswerte. Die aktuellen Multiples zeigen allerdings, dass die Sorge - zumindest vorerst - unbegründet war. Die Werte kleiner und mittlerer Unternehmen haben sich als krisensicher erwiesen. Doch bleibt das auch so?
 Gibt es Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmensbewertung?
Außnahmezustand: Unternehmenstransaktionen von der Pandemie bisher verschont

Die große Sorge trieb den M&A-Markt im Frühjahr 2020 um. Zu Beginn der Pandemie befürchteten viele fallende Unternehmenswerte und einen damit verbundenen Rückgang der Transaktionen. Sogar einen kompletten Zusammenbruch der Unternehmensverkäufe hielten manchen für nicht ausgeschlossen. Von Einzelbranchen abgesehen entwickelte sich die Lage anders und der große Knall blieb aus – bisher.

„Wir konnten nach einem Innehalten im März/April 2020 keinen signifikanten Rückgang bei Unternehmenstransaktionen feststellen und sehen, dass geplante Firmenverkäufe auch weiterhin ohne negative Auswirkungen auf den Preis stattfinden“, erläutert Nicolas Rädecke, Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Unternehmerbörse DUB.de.

Belegen lässt sich das anhand der EBIT-Multiples, die bei der Ermittlung des Unternehmenswerts helfen. Die Preise von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben sich seit dem Frühjahr 2020 kaum verändert und bewegen sich weiterhin auf einem konstant hohen Niveau.

Unternehmenswert berechnen:
Bereinigtes EBIT x Multiple = Firmenwert

Speziell für KMU veröffentlichen wir auf DUB.de regelmäßig EBIT-Multiples. Diese beziehen sich auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 20 Millionen Euro und basieren auf zuletzt realisierten Transaktionen.

Ein Multiple ist das Ergebnis der Division des Unternehmenswerts durch das bereinigte EBIT (Earnings Before Interest and Tax; Gewinn vor Zinsen und Steuern, aber nach Abschreibungen).

Berücksichtigt werden der reine Kaufpreis sowie mit übernommene zinstragende Verbindlichkeiten und andere kaufpreisersetzende Leistungen. Außerdem inkludiert das bereinigte EBIT die Nachhaltigkeit der Betriebsergebnisse und Sonderbelastungen, etwa Kosten eines aktuellen Rechtsstreits.

Die Konsequenzen der Krise:
Bisher kaum Auswirkungen auf den M&A -Markt

„Begonnene Transaktionen werden in der Regel gemäß Planung umgesetzt. In seltenen Fällen wird ein Projekt on hold genommen; der Abbruch ist die Ausnahme und beschränkt sich vor allem auf die unmittelbar von der Coronakrise betroffenen Branchen“, so Gunter Klippel von con|cess, einer auf Unternehmensvermittlung spezialisierten Beratung.

„Nur die besonders betroffenen Branchen realisieren aktuell praktisch keine Transaktionen, weil aus Käufersicht kaum Nachfrage besteht und Verkäufer gegebenenfalls in der Not befindliche Unternehmen nicht unter Preis anbieten und veräußern möchten. Hierbei ist Not als Einbruch des operativen Geschäftes zu verstehen. Durch die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen ist die Liquiditätslage vieler Unternehmen auch in den Krisenbranchen aktuell im Mittel noch sehr zufriedenstellend und die teilweise vorzufindende Erwartung, Unternehmen als Schnäppchen aus einer Insolvenz erwerben zu können, konnte bisher nicht erfüllt werden.“

Welche Entwicklungen sind 2021 zu erwarten?

„Wie das Frühjahr 2020 gezeigt hat, sind die Entwicklungen und die Konsequenzen für den M&A-Markt äußerst schwer einzuschätzen und der Markt wird auch weiterhin mit der Ausnahmesituation auskommen müssen“, so Rädecke. Die jüngsten Entwicklungen könnte sich, angesichts einer zunehmenden Zurückhaltung beim Start geplanter Verkaufsvorhaben, auf die Anzahl der Unternehmenstransaktionen auswirken. Eine Reduktion der Firmenverkäufe und eine damit einhergehende Angebotsverkleinerung könnte trotz Pandemie sogar einen Anstieg der aktuellen Preise bedeuten.

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