Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

Viele Jahre reagierte die Masse deutscher Familienunternehmen auf Avancen internationaler Private-Equity-Investoren allergisch. Die Finanzinvestoren in ihr Unternehmen zu lassen, kam für viele deutsche Patriarchen nicht infrage. Nun scheint die Trendwende da zu sein. Ein Beleg dafür liefert eine aktuelle Umfrage des Wirtschaftsprüfers PwC unter mehr als 300 inhabergeführten deutschen Firmen. Demnach können sich 83 Prozent der Befragten eine Beteiligung der Investoren an ihrer Firma vorstellen. Bei einer ähnlichen PwC-Umfrage vor sechs Jahren lag der Wert bei gerade einmal 18 Prozent.

Aus den Ergebnissen der Umfrage ergibt sich zudem, dass Familienunternehmen eine bessere Meinung von Private-Equity-Investoren als früher haben. So sind 72 Prozent der Ansicht, dass Finanzinvestoren die von ihnen übernommen Betriebe „operativ verbessern“. 61 Prozent der Befragten finden, dass Beteiligungsgesellschaften „den nachhaltigen Unternehmenserfolg zum Ziel haben“. Hinzu kommt: Lediglich 37 Prozent glauben, dass die Fonds heute in der Öffentlichkeit noch einen schlechten Ruf haben.

Die Annäherung der früheren Antipoden hat allerdings auch schlichte volkswirtschaftliche Gründe. Vielen Inhabern von Familienfirmen fehlt es heutzutage in ihrer Verwandtschaft an möglichen Nachfolgern für die Unternehmensspitze. Das liegt wiederum daran, dass viele Vertreter der Generation „Y“ sich nicht der Tradition der Familienfirma verpflichtet fühlen inklusive einer Weiterführung. Der deutliche Geburtenrückgang in den vergangenen Jahrzehnten trägt sein Übriges zu der Malaise bei. Der eigentlich ungeliebte Verkauf ist also gerade für viele kleine mittelständische Unternehmen manchmal die einzige Option.

Auf der anderen Seite steigt der Druck für Private-Equity-Investoren angesichts der bereits lang andauernden Niedrigzinsphase. Auch große institutionelle Investoren transferieren heute zu den Private-Equity-Häusern viel Geld, nicht zuletzt wegen des schwachen Zinsumfelds. Weil die Zahl potentieller Übernahmeziele nur leicht steigt, wird der Kampf um die Firmen schärfer und die Preise steigen. Nicht verwunderlich angesichts dieser Lage: Auch kleine mittelständische Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 20 Millionen Euro werden zu einem attraktiven Übernahmeobjekt von Private-Equity-Investoren.

Zu diesen Erkenntnissen passen weitere Resultate der PwC-Umfrage. So geben heute zwei von drei Befragten an, genau zu wissen, was der Begriff Private Equity bedeutet. 26 Prozent meinen, sie hätte zumindest eine ungefähre Ahnung. Auch dies ist ein auffallender Anstieg im Vergleich zur Umfrage von 2011. Damals konnte nach eigener Aussage nur jedes elfte Familienunternehmen exakt sagen, was Private Equity überhaupt ist.

Ganz frei von Kritik ist die Beurteilung der Fonds durch Familienunternehmen aber nicht. 41 Prozent der Befragten bemängeln, dass die Private Equity-Branche intransparent ist. Dies war bereits in der Vergangenheit ein bekannter Kritikpunkt. Zudem sind 50 Prozent der Meinung, Private-Equity-Fonds seien immer noch zu kurzfristig orientiert und dächten in erster Linie an den eigenen Erfolg. Bei einem konkreten Einstieg durch eine Beteiligungsgesellschaft befürchten zudem 36 Prozent negative Folgen für das soziale Klima im Unternehmen.

Für den Wirtschaftsprüfer PwC überwiegen aber trotzdem die Vorteile. Das Unternehmen weist daraufhin, dass sich 61 Prozent der Familienunternehmen von einer Partnerschaft mit Private Equity einen verbesserten Zugang zu Kapital versprechen, 47 Prozent lockt die Aussicht auf ein breiteres Netzwerk, und 45 Prozent versprechen sich von möglichen Kooperationen eine Professionalisierung der Geschäftsführung.



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