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Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

Eine Firma steht zum Verkauf – nur was ist der richtige Wert? Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage.



Unternehmensbewertung

Was ist eine Unternehmensbewertung?

Eine Firma steht zum Verkauf, ein Gesellschafter tritt aus der Firma aus, eine Sanierung steht an: dies sind nur einige Beispiele für eine Unternehmensbewertung. Im Fall eines Verkaufs eines Industrieunternehmens sind der Wert von Maschinen und Anlagen zu ermitteln - aber auch die immaterielle Werte wie die Erfahrung der Mitarbeiter, die Stellung im Markt, der Ruf in der Branche.

Häufig betrachtet der Inhaber den Wert seiner Unternehmung anders als ein Kaufinteressent. Der Verkäufer hat zumeist viel Herzblut in den Aufbau und die Weiterentwicklung der Firma investiert und möchte die im Verkaufspreis wiedergespiegelt haben. Ein Kaufinteressant kalkuliert nüchtern, er möchte selbstverständlich einen möglichst niedrigen Preis zahlen. In dieser Lage braucht es professionelle Experten, die realistisch, fair und fundiert den Unternehmenswert ermitteln – so dass es nicht zu Frustrationen auf der einen oder anderen Seite kommt. Im Kern ermitteln die Fachleute – so sagt es schon der Begriff – alle Werte des zum Verkauf stehenden Unternehmens.

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Wie kann der Unternehmenswert ermittelt werden?

Ob Wohnung, Auto oder Lebensmittel: Bei jeder Ware ergibt sich der Preis durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt. Das ist im Fall von Unternehmen nicht anders. Anders aber als bei manchem der genannten Waren fließen in die Preisermittlungen eines Betriebs neben den objektiven Kriterien auch die subjektiven Wertvorstellungen der beiden Parteien mit ein. Dazu gehört etwa die Risikoaffinität des möglichen Erwerbers, aber auch die finanzielle Polsterung beider Vertragsparteien.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sind viele Methoden für die Unternehmenswertermittlung entstanden. Die Vielfalt hängt einerseits mit jeweiligen Ziel und Zweck der Unternehmensbewertung zusammen, andererseits aber welcher Aufwand erbracht werden muss.

Methoden für die Unternehmensbewertung im Überblick

Die Ertragswertmethode

Am häufigsten angewendet wird die Ertragswertmethode – vor allem beim Unternehmenskauf oder Unternehmensverkauf. Sie wird auch von den Gerichten als das am sinnvollste Verfahren angesehen. Im Kern werden bei dieser Methode die zukünftigen erwarteten Erträge des Unternehmens auf den heutigen Tag abgezinst und summiert. Daraus erhält man den sogenannten Barwert der Firma, der dann den Kaufpreis des Unternehmens darstellt. Die Methode wirbt also damit, dass sich der Unternehmenswert hauptsächlich aus dem Potenzial, zukünftig Gewinne zu erwirtschaften, ergibt.

Dieses Verfahren hat nicht zuletzt für Banken, die häufig einen Unternehmenskauf finanzieren, einen Vorteil. Eine Verzinsung des Kaufpreises in Form erwarteter Unternehmensgewinne sorgt für die Sicherheit, dass der Nachfolger das aufgenommene Darlehen inklusive Zinsen auch zurückzahlen kann. Die entscheidende Frage stellt sich damit wie folgt: Welche Höhe darf der Kaufpreis erreichen, damit der erwirtschaftete Gewinn eine adäquate Verzinsung darstellt? Der Käufer des Unternehmens kann somit nicht nur die nötigen Investitionen, sondern auch seine Zins- und Tilgungszahlungen aus dem Kauf des Betriebs finanzieren.

Erfahrene Experten wissen, dass dieser Ertragswert eine fundierte Basis für Vertragsverhandlungen bietet, trotzdem ist dieser nur als Orientierung für die möglichen Vertragsparteien zu sehen. Letztendlich müssen Käufer und Verkäufer ihre individuelle Preisgrenze bestimmen und dann einen Kompromiss versuchen zu finden.

Die Discounted-Cash-Flow-Methode

Eine Variante der Ertragswertmethode ist die sogenannte Discounted-Cash-Flow-Methode (DCF), die im Zuge von grenzüberschreitenden Firmenfusionen und der Internationalisierung der Kapitalmärkte auch in Deutschland Einzug gehalten hat. Ursprünglich stammt sie aus dem anglo-amerikanischen Raum. Hierzulande ist das DCF-Verfahren gleichberechtigt neben dem Ertragswertverfahren durch Wirtschaftsprüfer anerkannt. Der entscheidende Unterschied im Vergleich zum eigentlichen Ertragswertverfahren: Bei der DCF-Methode wird der zukünftige abgezinste Cash-Flow zu Grunde gelegt. Die Kennziffer verdeutlicht, wie viel erwirtschaftetes Geld für Investitionen, Steuern und zum Beispiel Kredittilgung bereitsteht. Üblicherweise wird das Verfahren bei größeren Unternehmen angewandt.

Das Multiplikator- oder Vergleichswertverfahren

Häufig zur Anwendung kommt bei einer Unternehmensbewertung auch das Multiplikator- oder Vergleichswertverfahren. Diese Methode wird vor allem in Branchen angewendet, in den Firmenverkäufe öfter von statten gehen als in anderen Sektoren, wie etwa in der Gastronomie oder im Reinigungsgewerbe. Für die Verhandlungsgrundlage dienen dabei Preistabellen vorheriger Transaktionen. Sinnvollerweise werden dabei Verkäufe von branchengleichen Firmen geprüft, die ähnliche Umsatz- und Gewinnzahlen zeigen. Diese Daten können etwa über Verbände, Kammern und Unternehmensberater bezogen werden.

In diesem Zusammenhang veröffentlicht DUB KMU-Multiples, die für Firmen unter 20 Millionen Euro Umsatz infrage kommen. Diese basieren auf realisierten Transaktionen von kleinen Unternehmen. In den meisten veröffentlichten Tabellen beziehen sich die EBIT-Faktoren auf größere bis hin zu börsennotierten Unternehmen. Diese haben allerdings mit dem Segment der KMUs häufig nichts zu tun.

Die AWH-Methode

Speziell für die Unternehmenswertermittlung von kleineren und mittleren Handwerksfirmen ist die AWH-Methode entwickelt worden. Grundlage ist das Ertragswertverfahren, sie berücksichtigt aber auch besonders die Ertragslage durch die Persönlichkeit des Inhabers. Dahinter steht die Erkenntnis, dass inhabergeführte Firmen zumeist sehr stark auf dessen Persönlichkeit zugeschnitten sind. Zudem berücksichtigt es die finanziellen Gestaltungsoptionen durch Haftungsverflechtung von Privat- und Betriebsvermögen, die mangelnden betriebswirtschaftlichen Planungsmethoden, das begrenzte Budget für den Bewertungsaufwand.

Das Substanzwertverfahren

An Bedeutung verloren hat das Substanzwertverfahren. Bei dieser Methode der Unternehmensbewertung wird das materiell Bewertbare erfasst und davon die Schulden des Unternehmens abgezogen. Ziel des Verfahren ist es, den Wert zu erhalten, der benötigt würde, um etwa das Unternehmen in seiner derzeitigen Ausstattung neu aufzuziehen oder die Liquidation zu betreiben. Der Verkaufswert, der nach dieser Methode ermittelt wird, kann nur als Wertuntergrenze angesehen werden, da alle immateriellen Werte nicht erfasst werden.

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Wer führt in der Regel eine Unternehmensbewertung durch und was kann sie kosten?

Infrage kommen dafür M&A-Berater, Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Wichtig bei der Auswahl ist sowohl die Erfahrung in Bewertungen, als auch die Expertise über die Marktsituation von Unternehmen in der speziellen Branche und auch der Grund, warum eine Unternehmensbewertung vorgenommen wird.

In den häufigsten Fällen erfolgt eine Unternehmenswertung im Fall eines Verkaufs. Es gibt darüber hinaus aber noch vielfältige Gründe für diese Maßnahme. Zu nennen ist das Ausscheiden eines oder mehrerer Gesellschafter aus einer Personengesellschaft, Unternehmensfusionen, Unternehmenssanierungen, der Börsengang, eine Verpachtung, die Liquidation, Ehescheidungen und nicht zuletzt Kreditwürdigkeitsprüfungen.

Ein schriftliches Bewertungsgutachten wird in der Regel innerhalb von fünf bis acht Arbeitstagen erstellt. Die zeitliche Dauer hängt dabei entscheidend von der Komplexität der Firmenstruktur, der betriebswirtschaftlichen Transparenz der Geschäftszahlen und Aussagekraft der Geschäftsdokumente aus. Bei einer Arbeitszeit bis zu acht Tagen wird eine GmbH, Einzelfirma oder GmbH & Co. KG ohne verbundene Unternehmen berücksichtigt. Erfahrene Experten nehmen dem Bund deutscher Unternehmensberater zufolge etwa 150 bis 250 Euro pro Arbeitsstunde bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Als Richtwert gelten Gesamtkosten zwischen 3.500 Euro bis 5.000 Euro exklusive Mehrwertsteuer. Bei größeren Unternehmen nehmen die Fachleute 250 Euro bis 350 Euro je Arbeitsstunde. Kalkuliert werden sollte hier mit Gesamtkosten zwischen 6.000 und 8.000 Euro. Je nach Aufwand können die Kosten aber auch deutlich darüber liegen.

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