Dem digitalen Druck standhalten

Wie lässt sich die digitale Gesellschaft gesund gestalten? Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten das auf dem Zukunftskongress der Techniker Krankenkasse (TK).

Das Panel „Gesundheitsmanagement in der digitalen Welt“ konzentrierte sich dabei auf digitale Gesundheitstrends in Schule, Ausbildung und Beruf. Die wichtigsten Erkenntnisse.

Die digitalen Möglichkeiten von heute zaubern vielen Hobbysportlern ein Lächeln aufs Gesicht. So zum Beispiel die sogenannten Wearables: Die schmucken High-Tech-Geräte, zu denen etwa die neue Apple Watch zählt, zeigen mehr als nur die Uhrzeit und das Datum an. Sie können unter anderem den Puls, die Körpertemperatur oder die täglich zurückgelegten Schritte ihres Trägers messen – und ihr Funktionsumfang wird immer größer. Die Technologie liefert ihren Nutzern mehr Daten über ihre Gesundheit denn je und kann so zu einem bewussteren Lebensstil verhelfen.

Foto: Techniker Krankenkasse

Dazu passend begrüßte Dr. Sabine Voermans, Leiterin Gesundheitsmanagement der TK, in ihrer einleitenden Ansprache die voranschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen. Auch ihre Branche berate dank Apps und Online-Angeboten flexibler als je zuvor. Doch die digitalen Möglichkeiten seien auch eine Gefahr: „Wir haben in Befragungen festgestellt, dass viele zunehmend Probleme damit haben, abzuschalten. Digitale Medien geben uns also nicht nur die Freiheit, den Arbeitsalltag flexibler zu gestalten, sondern lassen auch die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit zunehmend verschwimmen.“ Zudem führe der Medienkonsum in vielen Fällen zu Bewegungsmangel und Konzentrationsschwierigkeiten. Es sei daher unerlässlich, einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu pflegen. Politik und Wirtschaft müssten helfen, das dafür notwendige Bewusstsein zu entwickeln.

Kommt die Anti-Stress-Verordnung?

Tatsächlich sorgen die permanente Verfügbarkeit und allgegenwärtige mediale Berieselung bei vielen Menschen für Stress. Nicht umsonst diskutieren politische Parteien, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände aktuell über eine Anti-Stress-Verordnung. „Es ist ein geradezu ideologischer Streit“, sagt Andreas Horst, Referatsleiter für Grundsatzfragen des Arbeitsschutzes im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Die einen sehen in der Anti-Stress-Verordnung eine zwingende Notwendigkeit zur Lösung gesundheitlicher Probleme am Arbeitsplatz. Für die anderen ist sie Teufelszeug.“

Derzeit führe die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ein großes Forschungsprojekt durch, um die Auswirkungen von Arbeitsbelastungen besser zu verstehen und messbar zu machen. Auf dieser Grundlage sei es dann möglich, klare Handlungsanweisungen zu formulieren. Bis dahin sei es jedoch noch ein weiter Weg. Auf die Frage von Moderator Jens de Buhr, Geschäftsführer von JDB MEDIA und Herausgeber des DUB UNTERNEHMER-Magazins, ob Horst für oder gegen die Anti-Stress-Verordnung sei, antwortete dieser: „Erst wenn durch das Forschungsprojekt ausreichend konkretes Wissen zu Arbeitsbelastungen und Grenzwerten vorhanden ist – vorher nicht.“

Wie lässt sich das Ausbrennen verhindern?

Menschen, die sich über lange Zeiträume Stress aussetzen, erkranken unter Umständen an Burnout. Helen Heinemann zufolge, Leiterin des Hamburger Instituts für Burnout-Prävention, treffe der andauernde Zustand totaler körperlicher und emotionaler Erschöpfung häufig gerade jene, die ihre Arbeit lieben: „Das Hobby zum Beruf zu machen, ist deshalb nicht die beste Idee“, so Heinemann. Obwohl sich zu den Präventionskursen ihres Instituts mehr Frauen als Männer einfinden, sei das starke Geschlecht keineswegs vor Burnout gefeit – Männer meldeten sich lediglich seltener an, häufig übernehme es sogar die besorgte Ehefrau für sie.

Statt den starken Mann oder die unerschütterliche Frau zu mimen, sei es sinnvoller, für Ausgleichsmöglichkeiten vom Arbeitsstress zu sorgen. „Man benötigt ein Ying und ein Yang: Arbeit und Freizeit, beide mit individuellen Zielen“, erklärt Heinemann. Aber auch hier komme es auf das rechte Maß an: „Häufig sind es aber auch zu viele Ziele und Anforderungen an sich selbst, die Stress verursachen“, warnt Frank Kohl-Boas, Personalchef von Google Deutschland. Viele hätten die Neigung, immer und überall die Besten sein zu wollen – sowohl beruflich als auch in der Freizeit. Auf die Dauer kann das krank machen, da das Relaxen zu kurz komme.

Generell trage es zur Gesundheit bei, das Leben bewusst zu gestalten, statt sich von seinen Verpflichtungen treiben zu lassen. „Selbstreflexion und Selbststeuerung sind unheimlich wichtig, um gesund zu sein und zu bleiben“, sagt Jan Rickmann, Gesundheitsmanager bei Continental. Nur wer Steuerfähigkeit besitze, könne sich selbst überprüfen und zum Beispiel sein Digitalverhalten kontrollieren und lenken.

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