Selbstständig werden: Tipps und Wissenswertes für angehende Existenzgründer

Es kann viele Gründe geben, sich selbstständig zu machen. Nur was muss man beim Aufbau einer beruflichen Existenz beachten?



Selbstständigkeit

Was ist Selbstständigkeit?

Wer sich beruflich selbständig macht, gründet eine eigene wirtschaftliche Existenz. Selbstständige können im Gegensatz zu manchem Angestellten ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort relativ frei bestimmen. Folgerichtig zählt es etwa zu ihren Aufgaben, ihr Büro einzurichten. Die Einnahmen aus ihrer Tätigkeit fließen direkt auf ihr eigenes Konto. Statt Lohnsteuer zahlen Selbstständige Umsatzsteuer und Einkommenssteuer. Sie tragen zugleich das unternehmerische Risiko persönlich.

Wer an Selbstständigkeit denkt, dem kommen berühmte Vorbilder in den Sinn. In Deutschland denkt man vielleicht an die Aldi-Brüder oder an die SAP-Gründer. Wer die internationale Perspektive einnimmt, fallen Apple-Entrepreneur Steve Jobs oder Microsoft-Mogul Bill Gates ein. Diese Unternehmer haben sich nicht von jetzt auf gleich verwirklicht, sondern langsam und nach Plan ihre Geschäftsidee realisiert. Für manchen frischen Selbstständigen sind diese Vorbilder Treiber es ihnen nach zu tun. Ein häufiges Motiv sich selbständig zu machen ist auch, dass der ehemalige Angestellte in seiner alten Firma nicht ausreichend gestalten und nur wenig Verantwortung übernehmen konnte, eingezwängt von vielen Traditionen und Zwängen. Eine eigene berufliche Existenz zu gründen, heißt auch als eigener Chef unmittelbar den Wert seiner eigenen Leistung wieder gespiegelt zu bekommen.


Was sind die Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit?

Die Vorteile der Selbstständigkeit

Selbstständige können weitgehend selbstbestimmt arbeiten. Natürlich ist hier zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Kunden des Selbstständigen, die die Ware oder Dienstleistung bezahlen, Einfluss nehmen, wann die Leistung erbracht sein soll. Dies schränkt bisweilen ein, wann der Selbständige seine Arbeit verrichtet. Trotzdem ist der Selbständige relativ frei darin, seine Zeit einzuteilen. Zu den Vorteilen zählt auch, dass man seine Fähigkeiten besser und zielgerichteter entwickeln kann. Als Angestellter muss man, mitunter langwierig, dafür werben, bestimmte Weiterbildungsangebote nutzen zu dürfen. Auch kann es ein Vorteil sein, sich ganz einer Herausforderung zu stellen, und nicht nur zeitlich befristet allein an einem Projekt zu arbeiten.

Die Nachteile der Selbstständigkeit

Gerade in den Anfängen einer beruflichen Existenz sind lange Arbeitstage nicht ungewöhnlich. Ein gesunder Selbstschutz sorgt hier einer drohenden Erkrankung vor. Natürliches Merkmal einer Selbständigkeit ist, gerade in den Anfängen, eine Unsicherheit bei der Auftragslage. Im Gegensatz zu einem Angestellten fließt hier kein regelmäßiges Gehalt. Höhen und Tiefen beim Zahlungseingang sind praktisch selbstverständlich. Unabhängig davon, wie clever die Geschäftsidee ist: Bis ein echter Gewinn erwirtschaftet wird, vergehen manchmal Monate oder sogar Jahre. Diese finanzielle Durststrecke sollte also gut einkalkuliert sein. Auch sollte man sich vergegenwärtigen: Nicht jeder schafft den Durchbruch, so mancher scheitert. Lästig werden kann auch der Papierkram: Steuerformalitäten, Rechnungen, eventuell Anträge für einen Gründerzuschuss. All das ist eine große Beanspruchung, bei weniger starken Menschen kann das zu starker psychischer Belastung führen.


Selbstständig werden: Voraussetzungen

Was sind die Voraussetzungen, um selbstständig zu werden?

Persönliche Eigenschaften

Zu den wichtigsten persönlichen Faktoren zählen Durchhaltevermögen, Disziplin, Ehrgeiz und Selbstvertrauen. Wer morgens häufig einen Chef braucht, der einen antreibt, dürfte in der Selbstständigkeit Probleme bekommen. Wer sich eine eigene berufliche Existenz aufbaut, der hat mindestens am Anfang selten Antreiber an der Seite, eine starke Selbstmotivation ist deshalb zwingend vonnöten. Ein starker Wille, sein Projekt, wirklich schaffen zu wollen, ist außerdem wichtig. Der Schritt in die Selbständigkeit sollte deshalb keine Notlösung sein, sondern wirklich gewollt sein. Als Selbstständiger sollte man zudem in langfristigen Zyklen denken. Wer einen kurzfristigen Profit einfordert, der dürfte nicht Erfolg haben. Zu den essentiellen Charaktereigenschaften gehört es auch, sich Unterstützung suchen zu können, nicht alles allein schaffen zu wollen.

Fachwissen

Unbedingt erforderlich ist ein ausreichendes Maß an Fachwissen. Wer sich etwa als langjähriger Buchhalter in der Dachdecker-Branche ohne Vorwissen selbstständig machen will, muss unweigerlich scheitern. In der Tendenz gilt der Grundsatz: Je mehr Berufserfahrung vorhanden ist, desto erfolgswahrscheinlicher ist der Gang in die Selbstständigkeit. Wer vor lauter Fachwissen aber den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, der kann auch Probleme bekommen. Zum Fachwissen gehört es auch, sich zuvor ein solides Wissen in den Bereichen Buchhaltung und Marketing anzueignen.

Rechtliche Grundlagen

Ob Freiberufler oder Unternehmer: Wer sich selbstständig machtmachen will, der muss entweder ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit bei den Behörden anmelden. Das bedeutet sich ein juristisches Grundlagenwissen anzueignen. Die Vorschriften betreffen je nach Art der Selbständigkeit das Bürgerliche Recht, das Handelsrecht, das Arbeitsrecht und das Versicherungsrecht. Im Bereich des öffentlichen Rechts kommen Steuerrecht und Gewerberecht hinzu. Je nach Gewerbe, sind noch weitere Regelungen in der Gewerbeordnung zu beachten.

Startkapital

Mit null Euro Eigenkapital sich eine berufliche Existenz aufzubauen, senkt die Chancen, Erfolg zu haben. Ohne ein ausreichend vorhandenes Startkapital können Monate kaum durchgestanden werden, in denen noch kein Zahlungsgang zu verzeichnen ist. Deshalb sollte jeder angehende Selbstständige sich einen Überblick über Fördermöglichkeiten und Kredite mit Sonderkonditionen verschaffen.


Welche Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen, gibt es?


Ist die Selbstständigkeit ohne Eigenkapital möglich?

Im Zweifel ist der Gang in die Selbstständigkeit mit einem gewissen Eigenkapital anzuraten. Allerdings ist auch der Aufbau einer beruflichen Existenz ohne einen Cent möglich. Je nach beruflicher Ausrichtung ist für manche Gründer die Arbeit aus dem Homeoffice möglich, eine zusätzliche Miete wird so eingespart.

Auch im Bereich Franchising ist Selbstständigkeit ohne Eigenkapital möglich. Viele Franchisesysteme haben den Zugang zu ihrem Unternehmen geändert, und geben den persönlichen Fähigkeiten den Vorrang vor der finanziellen Ausstattung des potentiellen Franchisenehmers.

Stark im Kommen ist überdies Crowdfunding. Auch Schwarmfinanzierung genannt wird das Projekt durch eine Menge an Personen finanziert. Zu Anfang wird ein Finanzierungsziel festgelegt, dass mit Hilfe der Crowd erreicht werden soll. Im Gegenzug erhalten die Förderer eine Aufmerksamkeit, bei einem Buch kann das etwa der Rabatt auf den Kaufpreis sein. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Crowdfunding-Portalen. Die Anmeldung und Kampagnenerstellung ist kostenlos. Eine Plattformgebühr wird fällig, wenn das Finanzierungsziel erreicht wird.


Förderung der Selbstständigkeit

Welche Fördermittel gibt es für die Selbstständigkeit?

Es gibt eine Fülle an finanziellen Fördermöglichkeiten für Selbstständige. Neben dem schon erwähnten Crowdfunding bieten Finanzinstitute wie die KfW oder die Bürgschaftsbanken Startgelder und Bürgschaften. Eine der am häufigsten genutzten Starthilfen ist der sogenannte ERP Gründerkredit. Bei einem Kapitalbedarf von bis zu 100.000 Euro ist dieser Kredit möglich, als Voraussetzung ausschlaggebend ist die fachliche und speziell kaufmännische Qualifikation des Bewerbers. Der Kredit hat eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren, mit einem oder zwei tilgungsfreien Jahren und einem festgeschriebenen Zinssatz. Für größere Summen von bis zu zehn Millionen Euro bietet die KfW-Bank weitere Produkte wie das ERP-Kapital oder den ERP-Gründerkredit Universell an.

Eine zweite Anlaufadresse für die Förderung der Selbstständigkeit sind Bürgschaftsbanken und Förderbanken. In jedem Bundesland Deutschlands gibt es eigenständige Bürgschaftsbanken, die sich in ihren Förderaktivitäten kaum unterscheiden. Die Bürgschaften sind vollwertige Sicherheiten für alle Kreditinstitute. Eine Bürgschaftsbank kann im Prozess der Existenzgründung die Funktion der Risikoübernahme bei Kreditgeschäften übernehmen. Konkret würde das Institut einspringen, wenn der Gründer seine Kredite nicht mehr bedienen kann und andere Sicherheiten bereits verwendet wurden.

Unbedingt sollten sich angehende Selbstständige auch über die Fördermöglichkeiten auf der sogenannten Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums erkundigen. Dort gibt es einen umfassenden und aktuellen Überblick über die Programme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

Nicht zuletzt sollten potentielle Gründer wissen, dass Beratungskosten durch einen Gründercoach durch einen Zuschuss teilweise übernommen werden können. In praktisch jedem Bundesland gibt es derartige Programme. Aber auch nach der Gründung werden Beratungskosten teilweise durch das bundesweite Programm KfW Gründercoaching übernommen.