Außer Kontrolle?

„Schon jetzt sind manche KIs die besseren Naturwissenschaftler und Analysten"

Frank Schätzing über die ­Folgen der Künstlichen Intelligenz für Mensch und Gesellschaft. Der Romanautor tritt für ein neues menschliches Selbstbild ein.

Frank Schätzing glaub an die Gefahren der Künstlichen Intelligenz

Frank Schätzing:ist Autor von zehn Romanen. Sein bisher erfolgreichstes Werk schrieb er 2004 mit „Der Schwarm“. (Foto: PR)

Erschreckende Realität oder blanke Fiktion? Schätzings neuestes Opus „Die Tyrannei des Schmetterlings“ beschäftigt sich mit den Facetten der Künstlichen Intelligenz (KI). Wie in seinem Bestsellerroman „Der Schwarm“ bedient er dabei wieder eine filmreife Dramaturgie und führt den Leser von der kalifornischen Sierra Nevada ins Silicon Valley und 
an die Grenzen des Vorstellbaren.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: „Man muss schreiben, was man will, nicht, was man soll“, haben Sie einmal gesagt. In der „Die Tyrannei des Schmetterlings“ schreiben Sie vom Internet der Dinge, von Nanobots, genmanipulierten Insekten, Biowaffenschmuggel und Sex-Robotern. Woher rührt Ihr Interesse daran?

Frank Schätzing: Von meiner unstillbaren Neugierde. Was alles möglich ist. Ich liebe es, unbekannte Räume zu erkunden. Wir erweitern unsere Horizonte immer dann, wenn wir dem Unvorstellbaren Raum geben. Schon als Teenager habe ich die allergrößte Befriedigung aus Science-Fiction gezogen.

Sind die Berührungen mit KI im wahren Leben auch die Grundlage für ihre Romane?

Schätzing: Auslöser war vor vielen Jahren Isaac Asimov. Er hat ja früh die Vision einer Gesellschaft entwickelt, in der Mensch und Roboter auf Augenhöhe leben. Und sich die Frage gestellt: Wie grenzt man intelligente Maschinen in ihrem Verhalten so ein, dass sie sich nicht gegen ihre Schöpfer wenden? Es ist spannender denn je. Vieles spricht dafür, dass es uns gelingen wird, einen synthetischen Helfer zu erschaffen, der auf sämtliche Daten des beobachtbaren Universums Zugriff hat und die Welt und ihre Zusammenhänge irgendwann besser verstehen wird als jeder Mensch. Würde sich dieser überlegene Maschinengeist auf alle Zeit als Sklave in unseren Dienst stellen? Zu welchen Schlussfolgerungen werden seine Algorithmen gelangen? Von dort aus gelangt man automatisch zu den vielen schon angewandten KI-Ausprägungen wie autonomem Fahren, medizinischen Diagnosesystemen, Therapieprogrammen oder synthetischen Forschungsassistenten. Schon jetzt sind manche KIs die besseren Naturwissenschaftler und Analysten.

Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?

Schätzing: Vor wenigen Jahren enträtselte eine KI innerhalb von 42 Stunden das Geheimnis der Unzerstörbarkeit des Plattwurms, der sich bei Verletzungen selbst regeneriert. Daran war die Wissenschaft über Generationen verzweifelt. Natürlich besteht ein riesiges Interesse, dieses Regenerationswunder auf den Menschen anwendbar zu machen. Die Kenntnis der zellulären Prozesse des Wurms kann helfen, Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, verspricht Fortschritte bei Parkinson und Krebs. Das Potenzial von KI, unsere Gesellschaft voranzubringen, ist unerschöpflich. Das Risiko-Potenzial allerdings auch.


Teil 1: „Schon jetzt sind manche KIs die besseren Naturwissenschaftler und Analysten“

Teil 2: „Zuckerberg geht es um Daten, Macht, Geld und Kontrolle“

Teil 3: „Eine Super-KI kann enormen Wohlstand schaffen, von dem die gesamte Menschheit profitiert“

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