Private Equity

Beteiligungsgesellschaften als alternatives Kreditmittel für Mittelständler

Versiegt der Kreditfluss der Banken, bedienen sich Mittelständler an alternativer Kreditmittel, wie zum Beispiel Beteiligungskapital. Eine Symbiose aus Kapital und Know-how kann Unternehmensstrategien realisieren. Für das Finanzierungsklima für deutsche Unternehmen stellt der Kreditzugang für mittelständische Unternehmen kaum eine Hürde dar. Natürlich ist das abhängig davon, wie hoch die Bonität und wie ambitioniert das Finanzierungsvorhaben ist. Dazu tragen das aktuell noch niedrige Zinsniveau und der Bankenwettbewerb bei.

Manch ein Experte meint gar, dass das Kreditangebot derzeit die Nachfrage übersteige, denn trotz Wirtschaftskrise sei es vielen deutschen Mittelständlern in den vergangenen Jahren gelungen, ihre Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Dennoch ist das freundliche Klima lediglich eine Momentaufnahme.

Private Equity als alternative Finanzierungsquelle

Unternehmen sind gut beraten, sich heute aus einer starken Position heraus mit Kapital zu versorgen und gleichzeitig ihre Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Neben Anleihen oder Genussscheinen spielt Beteiligungskapital, sprich Private Equity (PE), eine wichtige Rolle.

Der Mittelstand als attraktives Investitionsziel für Investoren

„Nicht immer lassen sich Unternehmensstrategien allein mit eigenen Reserven oder Kreditmitteln realisieren. So kann Beteiligungskapital aufgenommen werden, wenn Banken keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen wollen. Zudem verbessert Eigenkapital wiederum die Kapitalbasis des Unternehmens, damit dessen Rating, und erweitert so den Finanzierungsspielraum. Weiteres Fremdkapital kann aufgenommen, beziehungsweise zu günstigeren Konditionen eingeworben werden“,erläutert Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Auch aus Sicht der Private-Equity-Häuser spricht einiges für ein Engagement.

„Mittelständische Unternehmen sind attraktive Investitionsziele. Viele sind Hidden Champions in ihren Bereichen und damit deutsche oder internationale Marktführer“, sagt Hinrichs. Diese ziehen das Interesse der Investoren auf sich, wie Wolfgang Taudte, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, aus einer aktuellen Analyse des Private-Equity-Markts weiß.

Mit Rödl & Partner hat im Frühjahr eine weitere Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Beteiligungsgesellschaften befragt und ist zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

„Aufgrund fehlender Mega-Deals konzentriert sich die Beteiligungsbranche erfolgreich auf den deutschen Mittelstand. Die Kassen der Private Equity-Häuser sind gut gefüllt“, berichtet der geschäftsführende Partner Wolfgang Kraus. Der überwiegende Teil der Investitionen für neue Unternehmensbeteiligungen erfolge unterhalb der Grenze von 50 Millionen Euro.

In der EY-Analyse spiegelt sich jedoch auch die Aversion vieler Mittelständler gegen einen Einstieg der vermeintlichen Heuschrecken. Die Sorge: Beteiligungsgesellschaften kaufen sich in Unternehmen ein, um sie zu zerschlagen und die verschiedenen Teile mit Gewinn weiterzuverkaufen. Ein weiterer Hinderungsgrund für ein PE-Engagement liegt in der Persönlichkeit vieler mittelständischer Chefs, die es gewohnt sind, allein zu entscheiden. EY sieht die aktuell größte Herausforderung für Finanzinvestoren daher in der Identifizierung von verkaufsbereiten Eigentümern. Dabei habe es in den vergangenen Jahren viele Beispiele für sehr erfolgreiche Transaktionen gegeben.

„In den meisten Fällen war der Einstieg von Private Equity für alle Beteiligten – das Unternehmen, den Investor und die Belegschaft – eine Win-win-Situation“, so Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die kooperative Art der Unternehmensbeteiligung

Hinrichs kennt das Dilemma zwischen Finanzbedarf auf der einen und Angst vor Fremdbestimmung auf der anderen Seite. Ihre Lösung lautet partnerschaftliches Miteinander.

„Beteiligungsgesellschaften werden mit ihrem Investment Gesellschafter der Unternehmen – mit entsprechenden Rechten und Pflichten. Dies spiegelt sich auch im Beteiligungsvertrag wider, der sehr umfassend die Beziehungen zwischen den Parteien regelt. Wichtig ist aber vor allem, dass Beteiligungsgesellschaft und Unternehmer von Beginn an offen und vertrauensvoll miteinander umgehen. Eine Beteiligung ist der Beginn einer langjährigen Partnerschaft, und nur gemeinsam können Beteiligungsgesellschaft und Unternehmer ein Unternehmen erfolgreich voranbringen.“

Eine Möglichkeit, dem Mittelständler entgegenzukommen oder Vorbehalten entgegenzuwirken, seien Minderheitsbeteiligungen. Hinzukommen viele Beteiligungsgesellschaften, die keine direkten Beteiligungen eingehen, sondern stille Beteiligungen bevorzugen. Bei diesen seien die Einfluss- und Mitsprachemöglichkeiten der Beteiligungsgesellschaften begrenzt. Der Mittelstandsfokus der Beteiligungsgesellschaften spiegelt sich laut Rödl & Partner bereits in einer steigenden Haltedauer wider. Laut Befragung laufen die Investments durchschnittlich über sechs bis sieben Jahre. Zugleich versprechen Private-Equity-Investoren nachhaltiges Wirtschaften und langfristige Wertschöpfung.

Private-Equity Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen –  doch nun findet ein Umdenken statt.

Viele Jahre reagierte die Masse deutscher Familienunternehmen auf Avancen internationaler Private-Equity-Investoren allergisch. Die Finanzinvestoren in ihr Unternehmen zu lassen, kam für viele deutsche Patriarchen nicht infrage. Nun scheint die Trendwende da zu sein. Ein Beleg dafür liefert eine aktuelle Umfrage des Wirtschaftsprüfers PwC unter mehr als 300 inhabergeführten deutschen Firmen. Demnach können sich 83 Prozent der Befragten eine Beteiligung der Investoren an ihrer Firma vorstellen. Bei einer ähnlichen PwC-Umfrage vor sechs Jahren lag der Wert bei gerade einmal 18 Prozent.

Aus den Ergebnissen der Umfrage ergibt sich zudem, dass Familienunternehmen eine bessere Meinung von Private-Equity-Investoren als früher haben. So sind 72 Prozent der Ansicht, dass Finanzinvestoren die von ihnen übernommen Betriebe „operativ verbessern“. 61 Prozent der Befragten finden, dass Beteiligungsgesellschaften „den nachhaltigen Unternehmenserfolg zum Ziel haben“. Hinzu kommt: Lediglich 37 Prozent glauben, dass die Fonds heute in der Öffentlichkeit noch einen schlechten Ruf haben.

Die Annäherung der früheren Antipoden hat allerdings auch schlichte volkswirtschaftliche Gründe. Vielen Inhabern von Familienfirmen fehlt es heutzutage in ihrer Verwandtschaft an möglichen Nachfolgern für die Unternehmensspitze. Das liegt wiederum daran, dass viele Vertreter der Generation „Y“ sich nicht der Tradition der Familienfirma verpflichtet fühlen. Der eigentlich ungeliebte Verkauf ist also gerade für viele kleine mittelständische Unternehmen manchmal die einzige Option.

Auf der anderen Seite steigt der Druck für Private-Equity-Investoren angesichts der bereits lang andauernden Niedrigzinsphase. Auch große institutionelle Investoren transferieren heute zu den Private-Equity-Häusern viel Geld, nicht zuletzt wegen des schwachen Zinsumfelds. Weil die Zahl potentieller Übernahmeziele nur leicht steigt, wird der Kampf um die Firmen schärfer und die Preise steigen. Nicht verwunderlich angesichts dieser Lage: Auch kleine mittelständische Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 20 Millionen Euro werden zu einem attraktiven Übernahmeobjekt von Private-Equity-Investoren.

Ganz frei von Kritik ist die Beurteilung der Fonds durch Familienunternehmen aber nicht. 41 Prozent der Befragten bemängeln, dass die Private Equity-Branche intransparent ist. Dies war bereits in der Vergangenheit ein bekannter Kritikpunkt. Zudem sind 50 Prozent der Meinung, Private-Equity-Fonds seien immer noch zu kurzfristig orientiert und dächten in erster Linie an den eigenen Erfolg. Bei einem konkreten Einstieg durch eine Beteiligungsgesellschaft befürchten zudem 36 Prozent negative Folgen für das soziale Klima im Unternehmen.

Für den Wirtschaftsprüfer PwC überwiegen aber trotzdem die Vorteile. Das Unternehmen weist daraufhin, dass sich 61 Prozent der Familienunternehmen von einer Partnerschaft mit Private Equity einen verbesserten Zugang zu Kapital versprechen, 47 Prozent lockt die Aussicht auf ein breiteres Netzwerk, und 45 Prozent versprechen sich von möglichen Kooperationen eine Professionalisierung der Geschäftsführung.

Know-how und Kreditmittel als wertvolle Kombination

„Beteiligungsgesellschaften sind heute ein tragender Pfeiler der Mittelstandsfinanzierung. Sie bringen neben Kapital auch wichtiges Know-how ein und begleiten die strategische Neuausrichtung der Unternehmen“, bringt der Leiter Corporate Finance von Rödl & Partner, Björn Stübiger, einen neuen qualitativen Aspekt aus Sicht des Mittelstands ein. Allerdings lässt die Aussicht auf zweistellige Renditen die Konkurrenz unter den Beteiligungsunternehmen wachsen: „Die Private Equity-Häuser buhlen mit Family-Offices und strategischen Investoren aus dem In- und Ausland um attraktive Zielunternehmen. Das treibt die Preise nach oben. Die Chancen auf erfolgreiche Beteiligungen sind rar gesät“, so Stübiger. Der zunehmende Wettbewerb habe so bereits Spuren hinterlassen. Eine Zahl des BVK spiegelt die Größe der Interessentenschar: Derzeit zählt sich ein breites Spektrum von fast 100 der 180 im Verband organisierten Beteiligungsgesellschaften zu den Mittelstandsfinanzierern. Diese Vielfalt an Finanzierungsquellen sollte dafür sorgen, dass der benötigte Mittelzufluss nicht so schnell versiegt.

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