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Wirtschaftsmediation erleichtert die Unternehmensnachfolge

Die entscheidenden Faktoren für das Scheitern eines Generationswechsels liegen nach Erfahrungen von Experten nur in Ausnahmefällen an reinen Sachthemen wie steuerlichen oder rechtlichen Fragestellungen.

Laut einer Studie sind über 80 Prozent der gescheiterten Übergänge in Familienunternehmen von der ersten in die zweite Generation auf ungeklärte emotionale Konflikte zurückzuführen. Viele Menschen sind der Meinung, es sei einfacher ein Unternehmen vom Vater zu übernehmen als mühevoll und mit einem hohen Anfangsrisikos als Existenzgründer ein Unternehmen aufzubauen. Oft wird davon ausgegangen, der Nachfolger setze sich ins gemachte Nest, übernehme einfach ein florierendes Unternehmen. Die Beratungspraxis zeigt jedoch oftmals das Gegenteil.

Sehr deutlich wird dies 2012 als Jörg Fischer mit sofortiger Wirkung seine Tätigkeit als Geschäftsführer des legendären Familienunternehmens niederlegt. Damit steht sein Vater Klaus Fischer nach nur einem Jahr wieder an der Spitze des weltweit bekannten Dübel-Herstellers. Er war es, der ab 1980 das Unternehmen zu einem internationalen Konzern mit rund 600 Mio. Euro Umsatz ausbaute. Vor allem war es sein Verdienst, dass das Unternehmen auch in das Zuliefergeschäft der Automobilindustrie einstieg und damit einen Umsatzanteil von 17 Prozent vom Konzernumsatz erreichte. Allerdings blieben die Gewinne seit Jahren weit hinter den Erwartungen zurück.

Als 2011 Sohn Jörg die Unternehmensnachfolge antritt, will er sich möglichst bald von dem defizitären Automobilgeschäft trennen und außerdem wie der Konkurrent Würth stärker im Direktvertrieb verkaufen. Der Vater wehrt sich sehr dagegen den Automobilbereich als "Teil seines Lebenswerkes" aufzugeben. Da die neue Vertriebsstrategie nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, kommt es zu einem offenen Streit. Infolge dieses Konflikts eskaliert die Situation und Sohn Jörg verlässt das Unternehmen.

Wer sich als Existenzgründer selbstständig macht, der kann als Pionier sein Unternehmen gestalten. Das Unternehmen ist sein Werk und ist zwangsläufig auf ihn als Gründer zugeschnitten. Als Nachfolger stellt sich die Situation völlig anders dar. Das Unternehmen hat sich unabhängig vom Nachfolger entwickelt und ist in besonderem Maße auf den Senior zugeschnitten. Das bedeutet, der Nachfolger steht nicht nur vor der Herausforderung unmittelbar nach der Übernahme von den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten als Führungspersönlichkeit akzeptiert zu werden, sondern er sieht sich einer Firmenkultur gegenüber, die er nicht selbst mitgestaltet hat. In diesem Spannungsfeld entstehen häufig massive Konflikte während der Unternehmensnachfolge. Genau diese emotionalen Konflikte sind es, die wie eingangs genannt einen erfolgreichen Generationswechsel gefährden können. Damit es erst gar nicht soweit kommt, ist die Wirtschaftsmediation eine erfolgreiche und anerkannte Methode zur konstruktiven Konfliktlösung.

Bei der Mediation handelt es sich um ein strukturiertes Konfliktbearbeitungs- und Vermittlungsverfahren. Im Unterschied zu Gerichtsverfahren geht es nicht darum herauszufinden wer "Recht" hat, sondern Mediation verfolgt das Ziel eine einvernehmliche und tragfähige Lösung zu erarbeiten, bei der beide Konfliktparteien etwas hinzu gewinnen. Das Mediationsverfahren ermöglicht es den Konfliktbeteiligten, unter methodischer Anleitung eines neutralen Dritten, eigenverantwortlich eine interessengerechte Lösung zu entwickeln.

Bis heute haben ca. 6.000 der größten U.S. Unternehmen Mediationsklauseln in ihre Standardverträge übernommen. In Deutschland gilt das Mediationsgesetz seit 2012.

Auch zahlreiche deutsche Unternehmen haben die Wirtschaftsmediation zur Konfliktlösung anerkannt und etabliert. Aus der anfänglichen Überzeugung durch Wirtschaftsmediation die interne Unternehmenskultur zu stärken und Konfliktkosten massiv zu senken, ist laut KPMG inzwischen eine gesicherte Erkenntnis geworden. E.ON, SAP und die Deutsche Bahn stehen beispielhaft für Unternehmen, die ein Mediatorenpool zur Lösung innerbetrieblicher Konflikte erfolgreich nutzen.

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Zum Autor

Ralf Harrie ist Partner von K.E.R.N –
Die Nachfolgespezialisten in Weimar, Experte für Unternehmensnachfolge und Wirtschaftsmediator.
Weitere Informationen erhalten Sie im Profil

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