Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Wie Firmen idealtypisch ver- und gekauft werden sollten

Es fehlt in Deutschland vielfach an professionellen Prozessen, wenn kleine und mittlere Firmen verkauft werden. Der Bundesverband M&A hat es sich gemeinsam mit DUB.de zur Aufgabe gemacht, Standards zu entwickeln.

Ein Unternehmen, das ist eigentlich eine Binsenweisheit, ist nicht mal eben so zu verkaufen. Das weiß allerdings längst nicht jeder der geschätzt 30.000 bis 40.000 Firmeninhaber, die ein Nachfolgeproblem haben – und verkaufen wollen oder müssen. Und besonders dieser Prozess sollte professionell angegangen werden.

Ein Großteil der Unternehmen, die zum Verkauf stehen, ist für strategische Käufer oder Finanzinvestoren nicht gerade verlockend. Das liegt vor allem an der fehlenden Größe. Damit steht auf der Käuferseite häufig auch eine Partei, die prozessual unerfahren ist. Das sind Ergebnisse eines Arbeitskreises des Bundesverbands für M & A, der Standards für M&A-Transaktionen von Unternehmen unter zehn Millionen Euro Umsatz entwickelt hat. Einer der Teilnehmer war auch dub.de-Geschäftsführer Nicolas Rädecke.

Kleine Transaktion:

Ein Firmenverkauf mit einem Wert von 0,5 bis 5 Millionen Euro ist immer auch eine Gradwanderung. Einerseits dürfen angesichts des vergleichsweise niedrigen Firmenwerts keine zu hohen Transaktionskosten für die Beratung entstehen, andererseits sichert eine gute Beratung den Verkaufserfolg. Häufig sind Transaktionsprozesse zu beobachten, die inklusive Due Diligence und daraus resultierenden Prüfaufwänden und Transaktionskosten die Nachfolgelösung komplizieren und den Kaufpreis erhöhen.

Informationsasymmetrie:

In der Praxis stellt sich häufig das Problem, wie das Wissen des Unternehmers auf seinen Nachfolger übertragen werden kann, damit dieser fundierte Entscheidungen treffen kann. Gerade bei diesen Firmengrößen sind die Personalkapazitäten und notwendigen Daten für eine Due Diligence meist nicht gegeben, weder bei Verkäufer noch bei Käufer

Kaufprozess ist Kaufprozess:

Ob 20 oder 20.000 Mitarbeiter: Die Grundlogik einer Transaktion ist dieselbe. Die ist in dieser Grafik veranschaulicht:

Prozessvereinfachung:

Der Prozess ist kein unverrückbares Gebilde, ganz im Gegenteil: Der Bundesverband M&A entwickelt Hilfsmittel wie z.B. Muster und Checklisten, mit deren Hilfe Verfahrensschritte verschlankt werden können. Voraussetzung ist, dass Käufer wie Verkäufer den vereinfachten Prozess nachvollziehen können, dann ist die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Umsetzung hoch. Insbesondere wenn beide Seiten sich gut auf den Prozess vorbereiten, kann der gemeinsame Aufwand deutlich reduziert werden.

Vertrauen aufbauen:

Entscheidend ist, dass zwischen dem Mandanten und den Beratern sowie zwischen den Parteien ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Das vereinfacht den Wissenstransfer und führt zu einem geschmeidigeren Verkaufsprozess. Sämtliche Schritte auf Käuferseite können nicht sensibel genug angegangen werden, Familienunternehmer hängen an ihrem Lebenswerk, wollen wertgeschätzt, und nicht infrage gestellt werden. Klarheit und Transparenz sind deshalb wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Vertragsabschluss. Im Erstgespräch sollte deshalb auch das gesamte Vorgehensmodell klar vermittelt werden. Mögliche Hindernisse im Verkaufsprozess wie Eigenansprüche oder komplexe Erbstrukturen sollten früh angesprochen werden.

Chancen- & Risikoanalyse:

Auf die sogenannte Due Diligence kann nicht verzichtet werden, sie ist ein zentrales Element im Verkaufsprozess. Wenn Käufer und Verkäufer die vorherigen Themen abgearbeitet haben, kann die Due Diligence kürzer ausfallen. Ratsam ist auch ein mehrstufiger Prozess, in dem weitere Kosten immer erst ausgelöst werden, wenn bestimmte Annahmen weiter eingehalten werden.

Bewertung:

Viele Übernahmen scheitern, das ist die schlichte Erkenntnis, an den Preisverhandlungen. Umso mehr muss die Bewertung für kleine und mittlere Unternehmen absolut nachvollziehbar und pragmatisch gestaltet sein. Nur so finden Käufer und Verkäufer zueinander. Oftmals hohe Kaufpreisforderungen sind weder durch Institute noch durch den Cash-Flow des Unternehmens selbst finanzierbar. Auf der anderen Seite ist früh zu prüfen, ob der Interessent über ausreichend Eigenmittel verfügt. In jedem Fall ist es sinnvoll, einen professionellen Berater zu engagieren. Wer noch nicht fündig geworden ist, dem ist dub.de/beraterboerse zu empfehlen.

Transaktionen von Kleinunternehmen können, so die Erkenntnis des Workshops, schlanker abgewickelt werden, sind aber anspruchsvoller, da von beiden Seiten mehr Einsatz verlangt wird. Hilfreich für einen effizienteren Prozess sind Checklisten, Kriterienkataloge, Mustervereinbarungen und Best-Practice-Beispiele, die Orientierung bieten.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Frauen auf der Jagd
    Waidfrausheil

    Jagen: ein elitäres Hobby für ältere Herren? Das war einmal. Wie Frauen die Männerdomäne erobern.

  • Augmented-Reality-Effekt
    Death by Powerpoint

    Zwei Rezepte gegen sterbenslangweilige Präsentationen.

  • Mut zur Nische

    Investorin Anastasia Borghardt will Popcorn ganz groß rausbringen. Was sie über Start-ups und der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen“ zu sagen hat.

  • Online-Tischler Pickawood liefert Erfolgszahlen

    Was ist eigentlich aus Pickawood geworden, dem Startup, das vor zwei Jahren ein Crowdinvesting auf DUB erfolgreich durchgeführt hat?

  • Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

    Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist, lesen Sie hier.

  • Das haben wir doch schon immer so gemacht

    Die Bundesbürger mögen Beständigkeit, keine Innovationen. Das könnte zum Problem für die Unternehmen werden.

  • Spektakuläre Deals

    Bei Übernahmen werden oft völlig überzogene Prämien bezahlt. Warum eigentlich? Und sind Familienunternehmen auch betroffen?

  • Auf den Punkt flüssig
    Säumige Großkunden

    Alltag in deutschen Firmen: Kunden lassen viel Zeit mit den Zahlungen, die Außenstände gehen in die Millionen. Factoring kann Abhilfe schaffen.

  • Was Chefs nicht können

    Bei der Suche nach einem Nachfolger mangelt es den meisten Chefs an einer entscheidenden Fähigkeit.

  • "Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

    Letztes Jahr lockerte das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) einige Regeln für Existenzgründer. 2017 könnte das BEG II noch einen draufsetzen. Ein Expertengespräch über die wichtigsten Neuerungen.

  • Stellen Sie sich vor
    Stellen Sie sich vor

    Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt in der Ausgabe 2-2017 potenzielle Firmenkäufer vor. Zeigen Sie, wer Sie sind, und erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad – gratis.

  • Franchise wächst in Deutschland

    Zunehmend fehlen jedoch Partner und Nachfolger für bestehende Standorte. Die Branche hofft auf gründungswillige Migranten.

  • Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht
    Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit: Das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

  • Redakteur Eike Benn für das D unterwegs
    Baukastenprinzip

    Der Digitale Wandel offenbart Chancen. Beispiel: Neuerungen im Hard- und Software-Bereich versprechen, Effiienz und Umsatz zu erhöhen. Doch wie vermeidet man Fallstricke?

  • Franchise Marketing
    Franchisegeber und -nehmer: Arbeitsteilung beim Marketing

    Franchisenehmer haben einen starken Partner im Rücken. Ob Marke, Corporate Identity oder Raumgestaltung: Für viele Fragen halten sie professionelle Antworten parat.

  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!
    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • David gegen Goliath

    Sich gegen einen Platzhirsch zu behaupten, ist schwer. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Paydirekt.

  • GANG ZUR BANK
    Gang zur Bank

    Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

  • Was Unternehmensberater kosten

    Beim Thema Unternehmensnachfolge kommen meist Berater zum Zuge. Mit diesen Kosten sollten Sie planen.

  • Die neue Erbschaftssteuer im Überblick

    Ein Experte erklärt die vier wichtigsten Regeln der neuen Erbschaftssteuer.

  • Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab
    Zeit fürs Wesentliche

    Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen.

  • Der große Franchise-Report
    Der große Franchise-Report – das sind die neusten Trends

    Wie finanzieren sich Franchise-Betriebe? Wie finden die Systeme neue Partner? Wie stark wachsen die Unternehmen? Eine Studie gibt Antworten.

  • Invest-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums
    So profitieren Gründer noch besser von Wagniskapital

    Deutschland ist kein Gründerland. Damit sich das ändert, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Invest-Programm aufgepäppelt.

  • Hürzeler Bicycles
    Aufgesattelt

    Es gibt schönere Orte als das Fitnessstudio, um die Arbeit hinter sich zu lassen und den Akku aufzuladen. Unternehmer und Manager finden dazu gute Gelegenheit beim Radsport auf Mallorca.

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 1: Wie gestalte ich die Nachfolge?

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 23. November 2016, 17 Uhr: Ein erster Überblick über Möglichkeiten der Nachfolgeplanung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie gehe ich es an?

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 2: Unternehmenskauf - Einzelne Verfahrensschritte

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 15. Dezember 2016, 17 Uhr: Von der Suche nach einem Käufer/Verkäufer bis zur faktischen Übergabe und Integration des Unternehmens.

  • BRL Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 3: Kernthemen des Unternehmenskaufvertrages

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 18. Januar 2017, 17 Uhr: Worauf Sie bei den Vertragsverhandlungen und der Gestaltung des Kaufvertrages besonders achten sollten.

  • Marketing-Tipps für Startups mit kleinem Budget

    Insbesondere Startups benötigen in der Anfangszeit viele Kunden, doch für ein effektives Marketing fehlt oftmals das Geld. Mit folgenden Tipps gelingt dies auch mit kleinem Budget.

  • Gründer gesucht
    Gründer gesucht

    Um die Gründerkultur in Deutschland ist es nicht gut gestellt. Eine Studie gibt Aufschluss und ein Unternehmer erzählt aus der Praxis.

  • Beratungsfalle Nachfolge

    Bei der Unternehmensnachfolge helfen Firmeninhabern spezialisierte Berater. Woran Sie einen seriösen Berater erkennen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick