Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 26.01.2017

Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit und das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

Die Nachfolge in Familienunternehmen ist häufig alles andere als trivial. Das liegt an vielen unterschiedlichen Ausgangssituationen. Soll die Firma komplett verkauft werden, ja oder nein? Wenn die Firma in der Familie verbleiben soll, gibt es kompetente und allseits respektierte Nachfolger intern – oder muss auf dem Markt gesucht werden? Wollen einige Anteilseigner ausgezahlt werden? Oder gibt es einen Überhang an stillen Gesellschaftern?

Die KPMG-Studie „Vom Thronfolger zum Perfect Match – (neue) Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen“ hat nun ein bisschen Licht ins Dickicht gebracht. Ein erschreckendes Ergebnis: 50 Prozent der Unternehmen definieren die Nachfolge unmittelbar aus der Situation heraus, die zum Übergabezeitpunkt besteht. Andere Nachfolgeexperten sehen diesen Wert in ihrer täglichen Praxis bestätigt. „In unserem täglichen Beratungsgeschäft sehen wir deutlich die Notwendigkeit einer langfristigen und strukturierten Planung und Umsetzung der Unternehmensnachfolge“, sagt Jean-Claude Baumer, Geschäftsführer von Omegaconsulting diplomatisch.

Immerhin: Kompetenz ist, so ein weiteres Ergebnis der Studie, demnach heute das entscheidende Kriterium bei der Besetzung einer Position, rund drei Viertel der Befragten sehen das so. Zu dieser professionellen Ansicht passt, dass ebenfalls drei Viertel der Befragten das Erfüllen eines klaren Anforderungsprofils als wichtig erachten.

Ein weiteres Ergebnis der KPMG-Studie: Nur fünf Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass ausschließlich Familienmitglieder Geschäftsführer werden können. Noch vor zehn Jahren war dieser Wert deutlich höher. Und nur 12 Prozent der Befragten würden eine extra Position für Familienmitglieder schaffen.

Nachfolgeexperte Baumer sagt aus seiner Erfahrung: „Die Entscheidung für den richtigen Nachfolger muss im Kontext des Gesamtsystems von Unternehmen, Unternehmer und Unternehmerfamilie getroffen werden. Wir wenden den methodischen Personalberatungsansatz an, der erfolgreich bei der Besetzung von kritischen Führungspositionen genutzt wird.“ Konkret gesprochen legen Baumers Fachleute gemeinsam mit dem Unternehmer frühzeitig die individuell gültigen Anforderungen an den Nachfolger fest: fachlich, persönlich und unternehmerisch. „Die Identifizierung und Beurteilung von potenziellen Interessenten erfolgt dann systematisch auf Grundlage dieses erweiterten Kompetenzmodells“, so Baumer.

Weiteres Ergebnis der KPMG-Studie. 64 Prozent der Befragten halten eine eindeutige Aufgabenverteilung in der Führungsnachfolge für wichtig. Dagegen dürfen für 14 Prozent der Teilnehmer die Aufgaben einander übergehen. Eine harmonische Zusammenarbeit ist für 55 Prozent der Teilnehmer von Bedeutung. 38 Prozent der Befragten glauben, dass die richtige Balance zwischen Harmonie und Gegensatz sei die richtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftsführung.

Dass der Nachfolgeprozess nicht immer harmonisch abläuft, weiß auch Christian Drewes von GFEP I STAFFELSTAB. Er moderiert immer wieder Workshops, in denen sich die Eigentümerfamilien zusammenfinden und über die Nachfolge beraten. „Nichts ist wichtiger, als dass alle betroffenen Familienmitglieder eingebunden werden, um die Komplexität der Entscheidung zu verstehen. Nichts ist schlimmer, als wenn man nicht eingebunden wird, dann gehen viele früher oder später auf die Barrikaden.“

Umgekehrt ist die Resonanz sehr positiv, weiß Drewes aus seiner Erfahrung. „Den teilnehmenden Familienmitgliedern öffnet das die Augen, sie verstehen plötzlich, dass der Vater, der zudem den Rollen des Inhabers und des Geschäftsführers gerecht werden muss, häufig nicht alle glücklich machen kann, und es sich mit mindestens einem verscherzt.“ Gerade diese offene Atmosphäre, so Drewes, biete aber die Chance, dass die Familie aufeinander zu geht – und konstruktive, nachhaltig erfolgreiche Nachfolgeentscheidungen gefällt werden.

Drewes beobachtet überdies, dass die heutige Erbengeneration tendenziell weniger interessiert ist, in die operativen Fußstapfen der Eltern zu treten. „Die Generation der heute über 18-Jährigen ist sehr freiheitlich und selbstbewusst aufgewachsen, sie möchten sich viel stärker selber verwirklichen als ihre Eltern“, sagt Drewes. Dies schließt die Übernahme der Verantwortung als Eigentümer nicht aus. Aber, so hat der Nachfolgeexperte zudem festgestellt, auch die heutige Inhaber-Generation, ab fünfzig Jahre aufwärts, wünscht sich im Gegensatz zu den früheren Generationen nicht zwangsläufig ein Familienmitglied an der Spitze der Firma – sondern den besten vom Markt.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Kopenhagens Must-Sees
    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben
    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen
    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft
    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug
    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016
    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

  • Chinas Konzerne kaufen am liebsten in Deutschland ein
    Chinas Hunger auf deutsche Unternehmen

    Chinesische Investmentbanker suchen in Deutschland nach Fusions- und Kaufkandidaten. Dabei hat es ihnen eine Branche besonders angetan

  • Bei Übernahmen schwinden die Kräfte
    Bei Übernahmen schwinden die Kräfte

    Verpatzter Auftakt: Das neue Jahr beginnt mit einem Fehlstart bei Fusionen und Übernahmen. Im Januar schreckten die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und eines schwierigen ...

  • Starthilfe für Start-ups

    Bund und Länder fördern Start-ups durch eine Vielzahl von Wettbewerben und Preisgeldern. Eine Untersuchung der knauserigsten und spendierfreudigsten Regionen.

  • Am Ziel vorbei
    Am Tag nach dem Klettergarten

    Teamveranstaltungen sollen Spaß machen und die Mitarbeiter motivieren. Doch der Effekt ist selten auf Dauer. Über gelingende soziale Systeme am Arbeitsplatz.

  • Objekte der Begierde

    Immobilien zählen zu den beliebtesten Investments. Statt direkt zu investieren können Anleger über Fonds, Aktien und Zertifikate mit geringerem Kapitaleinsatz Risiken streuen.

  • Schlaue Schokolade
    Schlaue Schokolade

    MARS-Schokoriegel schmecken nicht nur gut – Unternehmer können von dem Familienunternehmen viel lernen. Einblick in eine außergewöhnliche Firmenkultur.

  • Systemische Betrachtungen bei der Nachfolge in familiengeführten Unternehmungen

    Manchmal gelingt eine Nachfolge nicht, weil systemische Wirkungsgesetze nicht beachtet werden. Acht Grundregeln, die es zu beachten gilt.

  • Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist
    Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist

    Organisierte Banden versuchen mit neuen Maschen, Mittelständler um viel Geld zu bringen.

  • Gefährliches Expertenwissen

    Wenn der Chef plötzlich ausfällt, kann das fatale Folgen für das Unternehmen haben. So sorgen Sie vor.

  • Was Verkäufer von Amazon lernen
    Was Verkäufer von Amazon lernen

    Macht das Online-Shopping Verkäufer überflüssig? Das DUB UNTERNEHMER-Magazin hat mit drei Experten diskutiert.

  • Getrieben von Finanzinvestoren muss sich der schwäbische Mittelständler Schleich zu einer globalen Marke entwickeln
    Der Schleich-Report

    Der schwäbische Mittelständler Schleich ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt wollen Finanzinvestoren den Spielwarenhersteller zu einer globalen Marke formen.

  • Karrierestau? Mit Franchise und Lizenzen sofort von ausgeklügelten Systemen profitieren.

    Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft steinig. Mit Franchise- und Lizenz-Modellen erhalten die Startups einen schnellen Marktzugang und das notwendige Know-how.

  • Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost.
    Gesund genießen

    Ob Gourmetessen oder Fast Food, immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost. Zu den Wunschzutaten zählen unter anderem Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung

  • Mit Markenkraft des starken Partners gelingt Einstieg in die Selbstständigkeit

    Wer den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen möchte, braucht einen starken Franchisepartner. Wie aber lässt sich dieser finden?

  • Uber fürs Übersetzen

    Der Sprachdienstleister lingoking mit 4.800 Dolmetschern und Übersetzern in mehr als 835 Städten agiert seit Oktober als interaktiver Online-Marktplatz. 3 Fragen an Gründer Nils Mahler.

  • Chefs müssen umdenken
    Chefs müssen umdenken

    Nur Anweisungen zu verteilen reicht nicht mehr. In der Dienstleistungsgesellschaft muss die Selbstorganisation der Mitarbeiter gefördert werden.

  • Käufer gesucht
    Ihr Porträt

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Unternehmensnachfolge als MBI
    Starke Marke

    US-Franchises nehmen den europäischen Markt verstärkt ins Visier. Zwei Fachanwälte geben Tipps, worauf Interessenten bei den internationalen Verträgen achten sollten.

  • Goldene Gründerzeit

    Der erste deutsche Beitrag zum „Juncker Plan“ steht. Bis zu 20.000 Gründer und junge Unternehmen können hierzulande Unterstützung aus EU-Mitteln erhalten. So geht’s.

  • Versicherungen als Qualitätsmerkmal

    Viele kleine und mittlere Unternehmen handhaben den Versicherungsschutz lax, wie eine Studie zeigt. Zudem fehlen oft Maßnahmen wie Feuer- oder Einbruchschutz. Gute Vorsorge steht für Professionalität.

  • Konstruktiv unzufrieden

    UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari über den Wandel des Paketdienstes zu einem „Technologiekonzern mit ein paar Trucks“ – und warum er nie zufrieden ist.

  • Modernes Bauen – so ist’s recht
    Neue Vorschriften

    Das Klimaschutzabkommen von Paris im Dezember gilt als Durchbruch bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Das sind die Folgen für Bauherren.

  • Wo der Kunde König ist
    Wo der Kunde König ist

    Diese 15 Unternehmen haben den Kunden-Innovationspreis abgeräumt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick