Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Wenn der Abschied schwerfällt

Viele Unternehmer in Deutschland stecken in der Klemme: Sie suchen händeringend Nachfolger und finden keine. Das gefährdet Arbeitsplätze. Künftig dürfte sich die Lage noch weiter zuspitzen.

Am Ende ihrer Laufbahn stehen viele Familienunternehmer vor dem gleichen Problem: Jahrzehntelang haben sie geackert und viel Herzblut in den Aufbau ihrer Firma gesteckt - doch wer soll das Lebenswerk in die Zukunft führen? Der Nachfolger-Notstand lässt Wirtschaftsverbände Alarm schlagen, und Abhilfe ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Ein schwacher Gründergeist in Deutschland, der demografische Wandel und die Digitalisierung der Wirtschaft dürften die Probleme künftig weiter verschärfen.

Rund 135.000 Familienunternehmen mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten müssen sich nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in diesem und den kommenden vier Jahren nach einem neuen Chef oder einem Käufer umsehen.

In manchen Branchen übersteigt ihre Zahl um ein Vielfaches die der potenziellen Nachfolger, beklagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Am drängendsten sind die Probleme demnach in der Industrie, wo auf fünf Alteigentümer ein potenzieller Übernehmer kommt. Das liegt vor allem am hohen Kapital- und Investitionsbedarf: Wenn der alte Chef abtritt, müssen häufig Maschinenparks modernisiert, Produktsortimente umgestellt und Geschäftsmodelle überarbeitet werden, sagt DIHK-Experte Marc Evers.

Zusätzliche Herausforderungen bringt die Industrie 4.0 mit ihren vernetzten Produktionsprozessen und ganz neuen Kundenbeziehungen. Aber auch Handel, Gastronomie und Verkehrsgewerbe haben zu kämpfen - dort liegt das Verhältnis zwischen Altunternehmern und potenziellen neuen Chefs bei knapp zwei zu eins. Dabei sind die Probleme oft hausgemacht: Vor allem viele ältere Unternehmer können nur schwer loslassen und ihr Lebenswerk einem Jüngeren anvertrauen. Deshalb kümmern sie sich nicht rechtzeitig um Lösungen und wachen erst auf, wenn es schon fast zu spät ist.

Manche Firmenpatriarchen gehen auch mit unrealistischen Preisvorstellungen auf die Käufersuche. Oder es fehlt an qualifizierten Anwärtern auf den Chefposten: Gerade in der Industrie sollten sie nicht nur Erfahrungen in der Unternehmens- und Mitarbeiterführung, sondern auch technisches Know-How mitbringen - das hat beileibe nicht jeder Kandidat vorzuweisen.

Weil der Prozess so komplex ist, sollte er gut geplant werden. Mindestens drei Jahre im Voraus sollten sich ausstiegswillige Unternehmer Rat bei den Kammern suchen und erste Schritte auf den Weg bringen, empfehlen die Experten. Findet sich nämlich niemand, kann das Firmen durchaus in Existenznöte bringen, denn die Banken beobachten den Prozess mit Argusaugen und stufen die Kreditwürdigkeit von Firmen auch danach ein, ob eine zukunftsträchtige Lösung in Sicht ist.

„Andere Unternehmer bekommen das weniger gut hin“, sagt Semir Fersadi, Mittelstandsberater bei der IHK für München und Oberbayern. Ein übergroßes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein stehe vielen Unternehmern bei Übergabe-Entscheidungen im Weg, weiß er aus Erfahrung. Im Beratungsgespräch sei zwar noch mancher zu überzeugen, bald eine Lösung anzugehen. „Aber dann gehen viele raus und sagen: Ich mache trotzdem weiter“, berichtet Fersadi.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.
    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Das neue DUB UNTERNEHMER-Magazin ist da

    Exklusiv am Kiosk, in Handelsblatt und in WirtschaftsWoche: Weltmeister Wladimir Klitschko verrät sein Erfolgsgeheimnis. Dazu: fünf Megatrends, die Sie kennen müssen.

  • Wer ein Unternehmen gründen oder kaufen will, braucht Geld – zu möglichst niedrigen Zinsen.
    Wenn die Hausbank Nein sagt

    Ihre Bank will Ihnen keinen Gründerkredit geben? Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen! So kommen Sie trotzdem an günstiges Startkapital.

  • Wie fit sind die Krankenkassen?

    Der Chef der größten deutschen Krankenkasse spricht über Zukunftsszenarien – nicht alle sind rosig.

  • Colin Berr
    Gefragte Mentoren

    „Jedes Team braucht einen guten Mentor“, weiß der Milliardär und Entrepreneur Richard Branson. Warum das auch für kleine Unternehmen zutrifft.

  • Am Ziel vorbei

    Teamarbeit ist ein Erfolgsfaktor. Doch was tun, wenn das Zusammenwirken hakt? Das gängige Rezept: ein gemeinsamer Ausflug. Aber hilft das?

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

  • Ideen innen und aussen

    Beim Innovationsforum 2015 in Frankfurt am Main sprachen vier Konzernlenker darüber, welche Quellen sie anzapfen, um neue Ideen zu generieren.

  • Aufs große Spielfeld

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sagt, was passieren muss, damit Europa nicht den Anschluss verliert.

  • Was bleibt, was kommt

    Ob Digitalisierung, Mobilität, Demografiewandel – Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich dem globalen Wandel stellen.

  • Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen.
    Weg mit dem Server

    Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Zwei Experten sagen, wie sie am besten eingeführt wird.

  • Über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und das Ende des klassischen Beratungsgeschäfts.
    Roboter statt Banker

    Prof. Dr. Martin Hellmich über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und wie Mittelständler von den neuen Angeboten profitieren.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.
    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Die Entdeckung Europas

    Aus AG wird SE - Immer mehr deutsche Firmen werden ihrer Rechtsform nach europäisch. Die Vorteile: mehr Flexibilität beim Management, aber auch bei Mitbestimmung und Verlagerungen.

  • Mischung mit System

    Geldanlegen wie die Profis - das war lange Zeit nur vermögenden Investoren vorbehalten. Doch jetzt mischen Multi-Asset-Fonds den Markt auf.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Alles im Fluss

    Istanbul steht auf der Liste der beliebtesten Spots für Städtetrips ganz oben. Mit einem privaten Guide kann man die Stadt abseits der Touristenströme entdecken.

  • Welches Preisschild trägt ein Lebenswerk?

    Über Jahre hat Kirsten Schubert im Unternehmen ihres Vaters mitgearbeitet. Bis er unerwartet starb. Statt trauern zu können, musste sie die Firma verkaufen. Ein Erfahrungsbericht.

  • Anstand zahlt sich aus
    Anstand zahlt sich aus

    Der Gründer des Club of Hamburg, Frank Breckwoldt, erklärt, warum sich Wertschätzung und Verbindlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden lohnen.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Deckung oben halten

    Abischerung ist oft nicht das Erste, an das Entrepreneure denken. Doch die Altersvorsorge, die Deckung betrieblicher Risiken zählen.

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

  • Mach dein Ding!

    So manch erfahrener Konzernmanager liebäugelt mit einem Chefsessel im Mittelstand. Und viele Unternehmer suchen dringend einen Nachfolger. So kommen beide zusammen.

  • Digital-Know-how für alle

    Wie externe Beiräte dabei helfen, Unternehmen einen Weg durch die digitale Revolution zu weisen.

  • Print ist nicht tot

    Mindshare-Chef Christof Baron erklärt, warum gedruckte Medien im Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt werden und Inhalte so wichtig sind wie der Kanal.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Werbe lieber ungewöhnlich

    Für einen wirksamen Mix aus klassischen und digitalen Instrumenten gehört vor allem Mut zum Wagnis. Experten und Unternehmer verraten, wie Sie ihrer Firma Gehör verschaffen.

  • Glamour + Camping = Clamping

    Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

  • Sophia Saller
    Sport-Stipendiatin des Jahres 2015

    Und die Gewinnerin ist ... Sophia Saller! Die U23-Weltmeisterin im Triathlon und Mathematikstudentin in Oxford wurde zur „Sport-Stipendiatin des Jahres“ 2015 gekürt.

  • Ohne Moos nichts los

    Wie bekomme ich einen Gründerkredit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick