Was einen »Leitwolf« und einen kleinen und mittelständischen Unternehmer verbindet

Diese Unternehmergeneration verkörpert in der Gesellschaft den Mythos eines einsamen und starken Leitwolfes. (Böse Zungen behaupten, dieses Verhalten wäre bei Männern besonders ausgeprägt!) Ein Leitwolf besitzt – genau wie ein Unternehmer – keine Autonomie! Sobald ein Unternehmer Personalverantwortung übernimmt, übernimmt er auch soziale Verantwortung. Sein selbstbestimmtes Leben findet nur noch in der Theorie statt!

Unternehmensnachfolge bei kleinen und mittelständischen Unternehmen 

Kommen wir aber zurück zu unserem Leitwolf.

Ein Leitwolf macht exakt das, was das Rudel von ihm erwartet, nämlich:

  • den höchsten Platz im Revier einnehmen (Chef sein)
  • nach Beute Ausschau halten (Aufträge akquirieren)
  • das Rudel organisieren (Arbeit verteilen)
  • darauf achten, dass jeder von der Beute etwas abbekommt (Mitarbeiter bezahlen)
  • und das Rudel beschützen (Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen)

Irgendwann passiert vielleicht das, wovor jeder Leitwolf Angst hat. Ein anderer kommt und macht ihm seine Position streitig. Ab dann tickt die Uhr und das Ende ist nach allen Seiten offen. Im ungünstigsten Fall kann aus einem Leitwolf dann ein niedergeschlagener (und vielleicht enttäuschter) Leid-Wolf werden. Seine Position ist er los und das Rudel (Mitarbeiter und Gesellschaft) will mit ihm nichts mehr zu tun haben (wer umgibt sich schon gerne mit Verlierern!). Diese Metapher, bezogen auf unsere mittelständischen Unternehmer, zeigt eins: Die Unternehmergeneration, die heute mit dem Problem einer Unternehmensnachfolge konfrontiert wird, ist ein Produkt ihrer Zeit und der Gesellschaft.

Das bedeutet:

  • Unsere Gesellschaft erwartet ein Leitwolf-Verhalten von einem (kleinen mittelständischen) Unternehmer
  • Leistungen aus der Vergangenheit sind wertlos
  • Eine Niederlage wird mit Ablehnung bestraft.

Fazit: Der kleine und mittelständische Unternehmer wird geradezu aufgefordert, den Mythos des »einsamen Leitwolfes« aufrechtzuerhalten.

Wie absurd diese Situation ist, möchte ich Ihnen anhand eines anderen Beispiels verdeutlichen:

Kein Mensch erwartet von einem Chef-Chirurgen, dass er im Normalfall …

  • sich seine Patienten selber mittels Krankenwagen und Blaulicht von der Straße holt,
  • die Narkose eigenhändig einleitet,
  • sich selber bei der Operation assistiert,
  • den Patienten persönlich in den Aufwachraum fährt
  • und dann zu guter Letzt dem Patienten auch noch die »Schüssel unterschiebt«!

Niemand wird so eine Berufsauffassung von einem Chef-Chirurgen erwarten.

Nun kommt die 100.000-Euro-Frage: Was unterscheidet einen Chef-Chirurgen von einem mittelständischen Unternehmer?

Solange es unterschiedliche Denkweisen und Ansprüche gibt, solange wird sich an dem Berufsbild und dem Status des mittelständischen Unternehmers nichts ändern beziehungsweise das Problem der Unternehmensnachfolge bleibt so, wie es ist. Die Politik und die Wirtschaft müssen daher den KMU dieselbe Aufmerksamkeit schenken wie der Großindustrie oder den dreißig Dax-Unternehmen. Denn in der Summe ist viel Klein ein Groß! Diese Tatsache scheint noch nicht bei allen angekommen zu sein! Nach wie vor ist es so: Wenn heute ein Großkonzern andeutet, dass mit erheblichen Entlassungen zu rechnen ist, dann geben sich die Politiker die Klinke in die Hand (Beispiel: Schlecker 2012 oder Air Berlin 2017). Bei einem Kleinunternehmer kommt – wenn überhaupt – nur der Insolvenzverwalter.

Die Gefahr, dass die Wirtschaft im Lauf der Jahre ausblutet, wird einfach ignoriert. So wird aus einem ganz persönlichen Nachfolgeproblem des Einzelnen ein gesamtwirtschaftliches Problem für die Allgemeinheit. Begründung: Mit jedem Unternehmen, das nicht weitergeführt wird, verliert die Wirtschaft ein Stück Kompetenz und damit die viel zitierte Wettbewerbsfähigkeit!

Fazit:

Viele mittelständische Unternehmer/-innen stellen jeden Tag ihre soziale Verantwortung mehrfach unter Beweis. Dafür gebühren ihnen Respekt und Anerkennung! Die finanzielle Situation hingegen ist fast so wie vor dreißig Jahren und das ist die eigentliche Tragik.

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Gastbeitrag

Manfred Schenk
Inhaber von SCHENK & PARTNER Nachfolgeberatung 

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