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Viele Mittelständler patzen bei der Nachfolgeplanung

Eine Studie von PwC legt den Finger in die Wunde: Nur jedes vierte Familienunternehmen plant die Nachfolge konkret und gibt sie intern auch bekannt. Angesichts des demografischen Wandels ein verheerender Wert.

Aller guten Dinge sind drei. Das geflügelte Wort hat auch in der strategischen Planung von Unternehmen seine Bedeutung. Schließlich unterscheidet man in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Planung. Nur wenn alle drei zeitlichen Ebenen gleichermaßen verfolgt werden, können Unternehmen erfolgreich sein. Leider sieht die Wirklichkeit in vielen deutschen Familienunternehmen anders aus.

In der Kurzfristplanung und in der langfristigen Planung sind die deutschen Mittelständler gut, dieses Zeugnis stellt ihnen die Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatung PwC aus. Allerdings mangelt es vielen Firmen, so die Einschränkung, an der mittelfristigen Sichtweise. Dieses Manko wird vor allem problematisch beim Thema Nachfolge.

Gerade mal 25 Prozent der deutschen Familienbetriebe haben bei der Nachfolgeplanung ein konkretes Konzept entwickelt und intern kommuniziert. Der Anteil verharrt, resümieren die Autoren, auf niedrigem Niveau. Zuletzt ist der Wert sogar zurückgegangen, 2014 betrug er noch 28 Prozent. Das geht aus dem „Global Family Business Survey 2016“ hervor, für den PwC mehr als 2800 Unternehmen in 50 Ländern befragt hat.

Zwar liegen die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich immer noch vorne – in den USA etwa kann nur jeder fünfte Familienbetrieb eine konkrete Nachfolgeplanung vorweisen. Allerdings weist PwC-Experte Peter Bartels darauf hin, dass in Deutschland besonders viele große Unternehmen an der Umfrage teilgenommen haben, deshalb sei das Ergebnis alles andere als beruhigend.

Die schwache Mittelfristplanung passt laut PwC nicht zu einem anderen Ziel, nämlich den Fortbestand des Familienunternehmens zu sichern. Neun von zehn Befragten halten dies für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. PwC-Fachmann Bartels sagt: „Die Geschäftsführung sollte die Lücke deshalb schließen und ihre langfristige Perspektive mit einer entsprechenden mittelfristigen strategischen und umsetzungsorientierten Planung untermauern.“

Das Nachfolge-Thema ist eigentlich mittlerweile in großen Teilen der Öffentlichkeit bekannt. Es gibt ein massives Ungleichgewicht von zum Verkauf stehenden Firmen und Übernahmegründern. Bis zum Jahr 2019 stehen etwa 15 Prozent aller Mittelständler zum Verkauf oder planen den Nachfolgeübergang. Das bedeutet nichts anderes, als dass bis zu 600.000 Firmen einen Nachfolger suchen. Auch bei der Digitalisierung machen die deutschen Unternehmen nicht den besten Eindruck. Im Vergleich der Top-Herausforderungen der nächsten fünf Jahre sehen die Befragten die „Digitalisierung und neue Technologien“ nur auf Platz Vier - hinter dem Fachkräftemangel, der Innovationskraft und dem Wettbewerb. Für mangelndes Risikobewusstsein spricht zudem, dass zwei Drittel der Befragten glauben, ihr Unternehmen sei vor Cyberangriffen sicher.

Für die Wirtschaftsprüfer belegen die Zahlen, dass „viele Verantwortliche die disruptive Wirkung der Digitalisierung unterschätzen“. „Hier könnte die nächste Generation, deren Mitglieder meist wesentlich vertrauter mit digitalen Themen sind, eine entscheidende Rolle spielen. Unternehmer sollten ihnen deshalb zuhören und sie zu Treibern der digitalen Transformation machen“, sagt Dominik von Au, PwC-Partner und Geschäftsführer der INTES-Akademie für Familienunternehmen. Voraussetzung dafür ist aber eine fortwährende Zusammenarbeit nicht nur innerhalb der Familie sondern auch zwischen allen Hierarchien.

Immerhin: Die Studie fördert auch Fortschritte bei den Familienunternehmen zu Tage. So zeigen sich mehr und mehr Familienunternehmen offen gegenüber Spitzenpersonal von außen. Der Anteil der familienfremden Geschäftsführer liegt inzwischen bei 68 Prozent. 2012 waren es erst 60 Prozent. Zudem würden auch mehr und mehr Unternehmerfamilien Familienverfassungen oder Notfallpläne implementieren.

Erfreulich ist überdies, dass die deutschen Familienunternehmen gute Geschäfte machen: 66 Prozent konnten ihren Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten steigern. Viele blicken zudem zuversichtlich in die Zukunft. Mehr als drei Viertel der 102 befragten deutschen Familienunternehmen erwarten in den nächsten fünf Jahren ein konstantes, weitere sieben Prozent sogar ein „aggressives“ Wachstum.

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