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Unternehmermangel gefährdet zukünftigen Wohlstand

Deutschlands regionale Wirtschaftsförderer stehen in den kommenden Jahren vor einer riesigen Herausforderung. Denn viele von Familienunternehmen geprägte Regionen stehen in den kommenden Jahren vor einem flächendeckenden Generationswechsel. Vielen Regionen droht neben einem Fachkräftemangel zusätzlich ein Unternehmermangel.

Dies lässt sich zumindest aus den Ergebnissen mehrerer, zumeist von Industrie- und Handelskammern in Auftrag gegebenen Studien herauslesen.

Hier ein Auszug wesentlicher Ergebnisse:

  • Knapp 50% aller Firmeninhaber haben sich noch nicht mit Ihrer Nachfolge beschäftigt (IHKs in Nordrhein-Westfalen, Oktober 2016)
  • 69% aller befragten Unternehmer haben noch keine Vorsorge getroffen.  (IHK Regensburg, September 2016)
  • 1.600 Unternehmen im Saarland stehen bis 2021 vor der Nachfolgefrage (Saarland Offensive, Juni 2016)
  • 3.000 Unternehmen suchen in den nächsten fünf Jahren einen neuen Chef (IHK Oberfranken, April 2016)

Angenehm anders scheint die Situation im Kammerbezirk Ostwestfalen zu sein. Hier haben sich laut Studie 2/3 der von der in Bielefeld ansässigen IHK befragten über 55-jährigen Unternehmer bereits intensiv mit der eigenen Nachfolge auseinandergesetzt. Nur ein Viertel aller Firmeninhaber soll sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben.

Anzahl von Unternehmensnachfolgen steigt

Deutschlandweit lassen sich aus der Vielzahl der Ergebnisse drei generelle Trends erkennen:

1. Familienexterne Lösungen nehmen zu: Nur ein Teil aller Familienunternehmen wird innerhalb der Familie weitergeführt. Studien zufolge sank der Anteil der in der Familie weitergebenen Unternehmen in nur zehn Jahren um mehr als 30% auf etwa 34%. Nur etwa 17 % aller Familienunternehmen schaffen den Sprung in die dritte Generation.

2. Frühzeitige Vorbereitung der Nachfolge lohnt sich: Viele Unternehmer beschäftigen sich zu spät oder gar nicht mit dem Thema ihrer eigenen Nachfolge. Die Beantwortung der wichtigsten strategischen Frage für den langfristigen Firmenerhalt wird oftmals in die Zukunft verschoben.

Und die Lage dürfte sich weiter zuspitzen: Die meisten Unternehmer führen ihr Unternehmen bis weit ins Rentenalter. In nur zehn Jahren verdoppelte sich der Anteil der über 60jährigen Unternehmer in Deutschland. Und die demografische Entwicklung spricht dafür, dass dieser Trend anhält.

Im Falle eines Unternehmensverkaufs dürfte ein zu langes Abwarten dazu führen, dass weniger investiert wird. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Ertragskraft und damit den Wert eines Unternehmens.

Parallel dazu wird in den kommenden Jahren eine zunehmende Zahl von Unternehmern eine familienexterne Lösung suchen. Das daraus resultierende höhere Angebot dürfte zu einem Käufermarkt führen: Kaufinteressenten werden ihren Blick auf die am besten vorbereiteten und ertragsstärksten Unternehmen legen.

3. Erfolgreich organisierte Generationswechsel stärken die regionale Wirtschaft: Der Generationswechsel im Mittelstand ist eine der größten zukünftigen Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Regionen.

Wirtschaftsförderer, Kammern und Banken sind alarmiert und gezwungen, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Denn späte Unternehmensnachfolgen verringern die Innovationskraft und verzögern dringend notwendige Investitionen. Die daraus resultierende geringere Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet letztendlich Arbeitsplätze und unseren Wohlstand.

Was können Unternehmer tun?

Es ist so einfach wie komplex: Der Schlüssel für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge liegt in einer guten und frühzeitigen Vorbereitung des Generationswechsels. Denn die Planung einer Firmennachfolge und die strukturierte Suche nach einem Nachfolger sowie ein geordneter Übergabeprozess ist keine Frage von Wochen oder Monaten sondern von Jahren.

Egal ob der Generationswechsel innerhalb oder außerhalb der Familie stattfinden soll: Die Begleitung dieses Prozesses von einem transaktionserfahrenen Spezialisten zahlt sich für einen Unternehmer meist aus. Diese Experten bereiten die Firma gemeinsam mit dem Inhaber auf die Unternehmensnachfolge vor, erkennen typische Stolperfallen und moderieren den Prozess (zeit-)effizient und zielorientiert.

Doch letztendlich können Wirtschaftspolitiker, Banker und Berater nur auf dieses Thema aufmerksam machen. Den ersten Schritt muss ein betroffener Unternehmer selbst tun. Zur Gewährleistung eines geordneten Übergangs empfiehlt sich eine erstmalige Auseinandersetzung mit dem Thema etwa ab dem 54. Lebensjahr. Dies wäre strategisch ein guter Zeitpunkt.

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Zum Autor

Ingo Claus ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten in Osnabrück und Spezialist für Unternehmensverkauf oder Unternehmenskauf im Mittelstand.
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