Unternehmensübernahme der besonderen Art:

Immer ´ne Handbreit Wasser unterm Kiel

Auch der Betrieb von Traditionsschiffen kennt Nachfolgeprobleme. Manchmal klappt es aber auch: Stefan Hausladen hat seinen Traum wahr gemacht und ist aufs Wasser gezogen.

Unternehmensübernahme der besonderen Art: Haikutter Alexa
Unternehmensübernahme der besonderen Art: Haikutter Alexa hat nach langer Suche einen neuen Kapitän gefunden.

Verbände weisen immer wieder auf den Mangel an Nachfolgern in der deutschen Unternehmenslandschaft hin. Schon jetzt müssen viele Firmen schließen, da sie keinen neuen Inhaber finden. Der Missstand zieht sich durch viele Branchen – sogar hin bis zum Betrieb von Traditionsschiffen. Auch hier gibt es zu wenig willige und geeignete Nachfolger, zumal das große Geld mit solchen Schiffen kaum zu verdienen ist.

Die Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer driften oft weit auseinander. Es gibt weder nachvollziehbare Marktpreise für solche Schiffe, noch lässt sich so einfach ein Unternehmenswert berechnen. Vor allem dann nicht, wenn dem Kaufinteressenten ein völlig neues Konzept für den Schiffsbetrieb vorschwebt.

Fünfjährige Suche nach dem passenden Unternehmensnachfolger

Laut dem Dachverband der deutschen Traditionsschiffe in Fahrt (GSHW) verfügen rund 110 historische Schiffe über das nötige Sicherheitszeugnis. Eins davon ist Alexa. Auch der 1938 in Skagen gebaute Haikutter hatte ein Nachfolgeproblem. Besitzer Udo Plat musste fünf Jahre suchen, bis er endlich einen Käufer fand, mit dem er sich nicht nur auf den Preis einigen konnte, sondern auch der Rest stimmte.

Er wollte niemanden, der einfach nur Geld auf den Tisch legt und mit dem Schiff verschwindet. Denn schließlich hatte er die alte Dame in den 1990ern vor der Verschrottung gerettet und umgebaut, so dass sich der ehemalige Fischkutter als Segelschiff für Gästetörns und Veranstaltungen an Bord eignet.

Verkäufer bleibt mit Nachfolger noch zwei Jahre an Bord

Damit Hausladen als Neuling in der Branche nicht komplett ins kalte Wasser springen musste, hat er mit seinem Vorgänger Udo Plat eine Übergangszeit von zwei Jahren vereinbart, in der Plat ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Dies erleichterte nicht nur Hausladen den Einstieg, sondern auch Plat den Abschied.

Für Hausladen steht jetzt die zweite Sommer-Saison an. Highlight ist das Tall Ships Race, eine Regatta für Jugendliche. In drei Etappen segelt die Alexa von Ende Juni bis in den August hinein in Skandinavien. Davor geht’s aber unter anderem erst einmal noch zur Rum-Regatta in Flensburg und zur Kieler Woche.

Haikutter Alexa in voller Fahrt
„Die Entscheidung für ein Schiff basiert nicht auf reinen Zahlen oder dessen Zustand. Es ist auch eine Bauchentscheidung. Bei vielen Schiffsbesichtigungen waren einige potentielle Kandidaten dabei, aber nur bei ALEXA hat das Bauchgefühl auch gestimmt, “ erzählt Stafan Hausladen.

„Mir sagte mal Jemand, das nicht wir uns die Schiffe aussuchen, sondern die Schiffe uns. Natürlich läuft nicht immer alles glatt und es gibt auch mal Überraschungen der ungewollten Art, aber die Entscheidung für ALEXA halte ich immer noch für die Richtige.“

Mehr als ein nur Schiff – Ein Unternehmensverkauf schweren Herzens

Auch Udo Plat erinnert sich an den langen Prozess bis zum Verkauf: „Nachdem meine Frau und ich uns entschlossen hatten, unsere ALEXA zu verkaufen, begann eine schwere Zeit. Es kamen die unterschiedlichsten Leute zu mir die Interesse an dem Schiff bekundeten! Doch leider war kein geeigneter Kandidat dabei.“

„Dann lernten wir Stefan kennen und es vergingen noch fast 2 Jahre bis zum Vertragsabschluss. Die Übergabe an erfolgte ohne Probleme. Die eigentliche Herausforderung für mich war die Abgabe der Verantwortung für meine ALEXA. Aber ich muss sagen, Stefan hat es gut gemacht, er hat mich immer mit eingebunden. Ich hänge immer noch sehr am Schiff und das wird wohl auch so noch eine Zeit bleiben.“

Geschäftsübernahme: Die Leidenschaft zum Beruf machen

Für einen fünfstelligen Betrag übernahm Stefan Hausladen die Alexa. Der 51-Jährige war zunächst Besitzer eines Motorboots, das er später in ein Segelschiff tauschte. Auf der „Sail Amsterdam“ hatte er seine erste Begegnung mit Traditionsschiffen, buchte kurz darauf einen Segeltörn auf einem solchen Schiff und war fortan verliebt in die alten Kähne. Im Herbst 2017 gab er seinen Versicherungsjob in Frankfurt auf und begann ein neues Leben mit Alexa im nordischen Laboe.

Das Grundkonzept hat er von seinem Vorgänger übernommen. Hausladen bietet Fahrten für ein paar Stunden oder Tagestörns an, ebenso wie mehrtägige Abenteuer. Potenzielle Kunden sind Privatleute und Firmen, die Touren auf der Alexa für Teambuilding-Maßnahmen oder als Incentives nutzen wollen. Für die Finanzierung des Betriebs und des Erhalts des Schiffes hat Hausladen den Verein SegelVision gegründet. Zahlende Mitglieder haben preisliche Vergünstigungen bei den Segeltörns.

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