Externe Unterstützung willkommen – das Eigenkapital der Familienunternehmen wird knapp

Warum müssen sich Familienunternehmen trotz augenscheinlich genug vorhandenem Eigenkapital Investoren von außen öffnen? In einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, wurden die Bilanzen von 700 Unternehmen analysiert und nach Erklärungen für die Notwendigkeit externer Geldquellen gesucht.

Der deutsche Mittelstand galt früher nicht unbedingt als der Traumkunde der Banken. Das hat sich jetzt aber geändert, denn mit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise vor gut zehn Jahren stiegen die Eigenkapitalquoten. Grund dafür waren auch die Zinsen, die sich noch immer an einem historischen Tiefpunkt befinden.

In der vor Kurzem veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und des Kreditversicherers Euler Hermes, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wurden die Bilanzen von 700 Unternehmen untersucht. Aus diesen folgt die Erkenntnis, dass die Eigenkapitalquote bei familiengeführten Firmen durchschnittlich um sieben Prozentpunkte höher ist als bei anderen Firmen. Des Weiteren haben Familienunternehmen seltener Schulden und weniger Bankverbindlichkeiten, sollte das Management des Unternehmens noch familienkontrolliert sein. Aus der Studie ergibt sich außerdem, dass sie eher bereit sind höhere Kreditzinsen zu bezahlen, als sich nach außen hin transparenter zu geben.

Digitalisierung frisst Eigenkapital – Familienunternehmen vor großen Herausforderungen

Neben den mittels Umfrage erhobenen Ergebnissen haben die Unternehmensberater zusätzlich rund 70 Interviews mit mittelständischen Familienunternehmern geführt. Dabei kam heraus, dass die Eigenkapitalquote des größten Teils der familiengeführten Unternehmen gut aber nicht ausreichend ist, um die notwendigen Schritte einer Unternehmens-Digitalisierung erfolgreich umsetzen zu können. Die digitale Struktur ist nämlich anders als prognostiziert deutlich teurer und produziert natürlich auch laufende Kosten, um auf dem neuesten Stand gehalten zu werden.

Um diese sowie andere Kosten decken zu können, müssen sich die Unternehmen also auch um andere Geldgeber bemühen und greifen hierbei immer öfter auf außerbörsliches Eigenkapital bzw. privates Beteiligungskapital zurück. Neben familiy offices sind ansonsten die ehemals noch als negativ wahrgenommenen private equities für mittelständische Familienunternehmen in solchen Fällen interessant.

Familienunternehmen – Das Problem mit der Nachfolge

Weitere Kosten können entstehen, wenn es in der eigenen Familie oder Firma keinen bzw. keinen geeigneten Nachfolger gibt und somit ein Fremdmanager von außen ins Boot geholt werden muss. Laut der Studie geben externe Manager mehr Geld aus als Familienmitglieder und es entstehen für das Unternehmen womöglich bereits schon vor der Einstellung Kosten, da sie von Konzernen abgeworben werden müssen.

Hinzu kommt der Bedarf an Digitalexperten, der aufgrund des zu geringen Angebotes im Vergleich zu einer hohen und stetig wachsenden Nachfrage nur teuer gedeckt werden kann. Der Fachkräftemangel und ein globaler Arbeitsmarkt mit gut aufgestellten Konkurrenten verstärken diesen Effekt. Das hat dazu geführt, dass ein Großteil der Interviewten angab sich bereits mit Investoren im Gespräch zu befinden.

Nichts desto trotz bleiben Verhandlungen mit family offices bei den familiengeführten Firmen am beliebtesten. Das überrascht nicht besonders, denn Private-Equity-Häuser streben meist eine Mehrheitsbeteiligung an und das passt mit der Logik eines Familienunternehmens nicht wirklich zusammen. Abschließend lässt sich folgender Trend aus der Studie erkennen: Seit nunmehr acht Quartalen steigt die Kreditvergabe stetig. Auch eine weitere Beschleunigung des Kreditneugeschäfts mit Unternehmen für das vierte Quartal 2018 wird erwartet sowie eine Steigerung von 8,3 auf bis zu zehn Prozent prognostiziert.

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