Was Käufer für kleine und mittlere Firmen zahlen

Erfreulich für Investoren: Die Auswahl an verkaufswilligen Unternehmen wird immer größer. Eine Untersuchung zeigt, was Übernahmegründer zahlen und wer sie sind.

Wenn Unternehmen in Deutschland übergeben werden, dann geschieht das in der Mehrheit der Fälle (67 Prozent) ohne die Zahlung eines Kaufpreises. Es sind also Wechsel innerhalb der Familie, die Übergabe hat ganz offenbar als Schenkung im Rahmen des Erbrechts stattgefunden. Umgekehrt gesprochen: In 33 Prozent der Fälle ist Geld geflossen. Nach einer Untersuchung des KfW-Gründungsmonitors lag in sechs Prozent der Übernahmen der Kaufpreis über 50.000 Euro. In zehn Prozent der Fälle bezahlte der Käufer eine Summe zwischen 10.000 und 50.000 Euro, in 17 Prozent der Fälle lag der Kaufpreis unter 10.000 Euro. Die Studie basiert auf Zahlen von 2014 und 2015.

Was die Kaufpreiszahlenden eint: Sie sind Übernahmegründer. Charakteristisch für Übernahmegründer ist, dass sie eher im Vollerwerb gründen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit scheinen Vollerwerbs-
gründer eher zu Übernahmen bereit zu sei. So war der Anteil von Übernahmegründern im Vollerwerb in den Jahren nach Platzen der New Economy Blase (2001 bis–2004) und im Zuge der Finanzkrise (2009 bis 2012) überdurchschnittlich hoch.

Untersucht haben die Autoren auch, wie sich die Übernahmegründer von Neugründern unterscheiden. Kurzgefasst: nur wenig. Einige Abweichungen gibt es allerdings. So treten Frauen in den letzten Jahren verstärkt als Übernahmegründer auf, offenbar haben sie dies als Chance zur Selbstständigkeit für sich entdeckt. Ihr Anteil an den Übernahme-
gründern ist vom Tiefpunkt in 2012 (20 Prozent) stetig auf über die Hälfte (52 Prozent) im Jahr 2015 gestiegen. Dies kann, so schränken die Autoren ein, aber auch damit zusammenhängen, dass patriarchalische Familien-
unternehmen nun vermehrt Töchter berücksichtigen.

In welchen Branchen investieren Neugründer und Übernahmegründer? Die Schnittmenge ist sehr groß. Nur bei zwei Sektoren weichen sie stärker voneinander ab: Übernahmegründer stecken ihr Geld seltener in Dienst-
leistungsunternehmen, dafür stärker in Handelsfirmen.

Erfreulich aus Sicht der Übernahmegründer: Das Angebot an übernahme-
willigen Firmen wächst stetig. So ist der Anteil mittelständischer Unternehmen mit kurzfristig anstehender Nachfolge in den vergangenen drei Jahren stetig von 14 auf 17 Prozent gestiegen, ihre Anzahl von 530.000 auf 620.000. Der Anstieg hat vor allem mit der demografischen Entwicklung zusammen: Zwischen 2002 und 2014 ist der Anteil der über 55-jährigen Inhaber von kleineren oder mittleren Unternehmen von 20 auf 35 Prozent gestiegen.

Wie die Untersuchung von KfW Research und Creditreform ergeben hat, hinken zahlreiche KMU dem Ideal eines Nachfolgeprozesses hinterher. Erst bei 42 Prozent der KMU, deren Übergabe in den nächsten drei Jahren stattfinden soll, ist der Nachfolgeprozess im Gange. 22 Prozent berichten, dass sie konkret die Nachfolge planen. Die Problemgruppe umfasst 36 Prozent der Unternehmen, davon haben sich 25 Prozent bisher nur informiert, elf Prozent der Inhaber haben sich noch gar nicht gedanklich mit dem Thema beschäftigt.

Viele KMU übersehen in diesem Zusammenhang, dass ein Nachfolge-
prozess langfristig und sorgfältig vorbereitet werden sollte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) empfiehlt spätestens drei Jahre vor der Übergabe mit der konkreten Planung und Nachfolgersuche zu beginnen.

Dies gilt sowohl für die Übergabe an ein Familienmitglied oder im Fall eines Verkaufs. 58 Prozent der KMU haben sich auf eine Übergabe-
variante festgelegt: 29 Prozent wollen auf jeden Fall die Firma an ein Familienmitglied übergeben, 18 Prozent dagegen wollen an einen Externen verkaufen, 12 Prozent wollen ausschließlich an Mitarbeiter oder Miteigentümer übergeben. Im Gegensatz dazu wollen sich 43 Prozent der mittelständischen Unternehmer noch nicht festlegen, sie halten sich alle Optionen offen.

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