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Unternehmen suchen verstärkt Chefs außerhalb ihrer Grenzen

Mehr Durchlässigkeit: Statt auf interne Kandidaten zu setzen, engagieren Firmen vermehrt Bewerber von außen für ihre Spitzenposten.

Früher war die Nachfolge klar bestimmt. Noch in den 80er-Jahren war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der älteste Sohn die Firma des Vaters übernimmt und den Familienbetrieb fortführt. Das klappte gewiss nicht immer reibungslos, manchmal warf der Sohn auch hin, oder der Vater setzte ihn vor die (Firmen-)Tür. Aber, im Gegensatz zu heute, gab es einen internen Stabwechsel innerhalb der Familie. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel geändert, dieses klassische Modell funktioniert nicht mehr. Gewiss, dank der Gleichberechtigung reklamieren auch Töchter ihren Anspruch auf die Nachfolge. Doch immer öfter findet sich in der Familie niemand, der in die Fußstapfen des Vaters treten will.

Denn viele der Generation Y stellen den Familienbetrieb infrage, wollen sich selber verwirklichen, ohne gedanklich eingegrenzt zu werden. Anweisungen sind ihnen ein Übel. Das ist nicht verwunderlich: So wurden sie schließlich auch erzogen. Immer mehr Familienunternehmer, die keinen Nachfolger in ihren Reihen finden, schauen sich deshalb extern um. Häufig befragen sie ihr Netzwerk, fragen mehr oder weniger professionell im Bekanntenkreis herum.

Aber trotzdem sind es jedes Jahr rund 80.000 Unternehmen, die keinen Nachfolger finden. Das hängt auch damit zusammen, dass den familienfremden Kandidaten oft das nötige Eigenkapital fehlt, da die Finanzierung bei Banken oder Kapitalgebern schwieriger geworden ist. Summa summarum finden derzeit nur rund 60 Prozent der Unternehmen den passenden Kandidaten, wenn sich der Senior-Chef aus Altersgründen zur Ruhe setzt, unerwartet durch Krankheit ausfällt oder stirbt. Tendenz weiter fallend.

In der Professionalität hinken die Familienunternehmer den börsennotierten Unternehmen noch hinterher. Bezogen auf die 2500 größten Unternehmen wurden im deutschsprachigen Raum 2015 immerhin 33 Prozent Bewerber von außen auf die Posten berufen. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company).

Ob Familienunternehmen oder börsennotiert mit breitem Investorenkreis: Besonders dringend werden externe Kandidaten in Industrien benötigt, deren Geschäftsmodelle durch eine stark wachsende Innovation infrage gestellt oder sogar zerschlagen werden. Zu besichtigen ist dies nach Aussage von Peter Gassmann, Sprecher der Geschäftsführung der Unternehmensberatung, speziell in Telekommunikations- und Gesundheitsunternehmen sowie Energieversorgern. In den Jahren 2012 bis 2015 waren 38 Prozent aller neuen CEOs in den Telekommunikationsunternehmen externe Kandidaten, bei den Versorgungsunternehmen waren es 32 Prozent, im Gesundheitswesen 29 Prozent und bei den Finanzunternehmen 26 Prozent.

Wie eine andere Studie zeigt, setzen börsennotierte Firmen eher auf Kandidaten, die in diesem Segment Erfahrung aufweisen. Das gleiche gilt für Unternehmen im Privatbesitz. Lediglich fünf der heutigen Dax-Chefs haben zuvor schon einmal bei einem nicht notierten Unternehmen im Privatbesitz gearbeitet. Umgekehrt waren von den 30 größten nicht an der Börse gelisteten Unternehmen in Familienhand nur sieben Geschäftsführer früher für einen Konzern tätig. Das sind Ergebnisse einer Studie der Personalberatung Korn Ferry.

Die Personalberatung erklärt die Ergebnisse damit, dass Manager sich meist unterbewusst schon sehr früh festlegen, in welcher Unternehmensform sie Karriere machen wollen. "Häufig wird dies schon mit der ersten beruflichen Station entschieden", sagt Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland.

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