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Systemische Betrachtungen bei der Nachfolge in familiengeführten Unternehmungen

Familienunternehmen sind überdurchschnittlich erfolgreich und bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Eine der großen Herausforderungen, denen sich Familien in der Unternehmensführung stellen müssen, ist ein aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken des klassischen Dreiecks „Familie - Unternehmen – Eigentum“. Eine andere große Herausforderung bezieht sich auf die komplexe Frage der Nachfolge, zu deren Lösung es oftmals echten Expertenwissens bedarf.

Wie eine Mahnung steht der Gedanke des Miele-Geschäftsführers Peter Christian Zinkann im Raum: „Familienunternehmen haben einen ganz großen Vorteil und einen ganz großen Nachteil, und beides ist die Familie. Ein Familienfriede ist das Beste, was es für die Firma geben kann, eine Familie in Unfrieden ist das schlimmste.“

Manchmal gelingt eine Nachfolge auch dann nicht, wenn doch alle Regelungen wie beispielsweise die Abstimmung der Gesellschafts-
verträge, der Geschäftsordnungen, Kontrollorgane und Berichtssysteme oder der Eheverträge und Testamente im rein vermögensmäßig-privaten Bereich berücksichtigt und sorgfältig geprüft worden sind.

Der Grund dafür liegt oft viel tiefer, nämlich in der Nichtbeachtung systemischer Wirkungsgesetze, die beim ersten, oberflächlichen Lesen
so selbstverständlich erscheinen und so banal, dass sie gar nicht beachtet werden wollen. Und doch sind sie von essentieller Bedeutung. Der Physiker und systemische Coach und Mediator Dr. Dieter Bischop hat diese Wirkungen als „Systemgesetze“ zusammengefasst.

Es geht wesentlich um 8 Grundregeln, die es bei der Gestaltung einer Unternehmensnachfolge zu respektieren gilt:

1. Recht auf Zugehörigkeit, kein Ausschluss. Es ist das Grundgesetz der systemischen Betrachtung.
2. Anerkennung, Wertschätzung, Respekt
3. Beachtung des Gleichgewichts vom Geben und Nehmen
4. Die Ordnung in der Systemischen Nachfolge: Früher vor später
5. Die Ordnung in der Systemischen Nachfolge: Mehr Verantwortung vor weniger Verantwortung.
6. Die Ordnung in der Systemischen Nachfolge: Höheres Wissen/ Knowhow vor weniger Wissen/ Knowhow.
7. Neues System geht vor altem System
8. Das Gesamtsystem geht vor dem Einzelsystem.

Es sind diese Gesetzmäßigkeiten, die im unternehmerischen Umfeld nahezu täglich verletzt werden können. Denken Sie beispielsweise an die Neubesetzung einer Stelle: Ein Stellennachfolger wird bereits in dem Augenblick von seinen neuen Mitarbeitern nicht akzeptiert werden, wenn er es versäumt, den Wert und die Leistung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich vernehmbar anzuerkennen. Er könnte die Systemverletzung von vornherein vermeiden, indem er zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausspricht: „Ich weiß, dass Sie schon lange vor mir hier gewesen sind. Ich brauche Ihre Kenntnisse, damit wir alle erfolgreich unsere Abteilung aufstellen können“. Geschieht eine solche Anerkennung nicht, sind die Grundlagen des Mobbings gelegt. Als Reaktion darauf fangen viele Neue an, Umstrukturierungen durchzuführen. In diesem Augenblick sind die Neuen die Ältesten im neuen System. Ähnliche Dynamiken können in familiengeführten Nachfolgeprozessen an den unterschiedlichsten Stellen verortet werden, zum Beispiel bei der Nachfolger- und Erbensuche, bei der Gestaltung der Gesellschafter-
regelungen oder im Rahmen der gewillkürten Erbfolge.

Will man prüfen, ob in einer Nachfolgesituation ein Systemgesetz verletzt worden ist, dann muss diese Prüfung vom Gesetz Nr. 8 zum Gesetz Nr. 1 erfolgen. Bei jeder systemischen Verletzung in einer Nachfolge ist
immer auch das erste Gesetz verletzt. Es hat die stärkste Wirkung
und wirkt existentiell. Folglich ist mit einschneidenden Reaktionen und Entscheidungen zu rechnen, wenn ein „ausgeschlossener“ Nachfolgekandidat handelt.

Die Lösung einer komplexen Nachfolgesituation in einem Unternehmen, insbesondere auch in einem Familienunternehmen, wird dadurch ermöglicht, wenn systemische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt werden. Werden sie eingehalten, ist eine Unternehmung oder eine Familie motiviert, zukunftsorientiert, innovationsfähig und empathisch der eigenen Umwelt gegenüber. Werden diese Systemgesetze bei der Nachfolgefrage nicht berücksichtigt, wirken die systemischen Verletzungen lähmend und demotivierend und können die Existenz des Unternehmens wie auch der Familie gefährden.

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Zum Autor

Christoph Weigmann ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten in Hamburg und M&A-Experte, Coach für Unternehmensnachfolge sowie Mediator.
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