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Hamburg, 12.06.2017

So unterschiedlich treu sind Gesellschafter von Familienfirmen

82 Prozent der Familienunternehmer schätzen den Zusammenhalt untereinander als hoch ein. Unterschiede gibt es allerdings zwischen Großfamilien und in verschiedenen Stämmen organisierten Gesellschaftern.

Der Gesellschafterkreis von vielen Familienfirmen in Deutschland wird mit der Zeit größer und größer. Die eigentliche Großfamilie nimmt dabei in der Bedeutung sukzessive ab, dafür organisieren sich die Gesellschafter zunehmend in Stämmen. Sie bündeln also ihre Anteile und können damit gemeinschaftliche Entscheidungen auf der Gesellschafterversammlung treffen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat nun zusammen mit der Zeppelin Universität und dem Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen einen Extrakt aus der Studie „Firma, Familie, Führung: Leadership im Spannungsfeld von Gefühl und Geschäft“ gezogen. Grundlage für die Studie waren 14 Interviews mit Familienunternehmen sowie im zweiten Schritt die schriftliche Befragung von 85 Familienfirmen. Die Personen, die teilgenommen haben, waren größtenteils männlich, zwischen 45 und 85 Jahre alt und in Unternehmen als geschäftsführende Gesellschafter tätig.

Ein Ergebnis der Studie: Der Zusammenhalt in bestehenden Großfamilien ist deutlich größer ist als in Familien, die sich in Stämmen organisieren. Demzufolge verstehen sich neun von zehn Großfamilien-Mitgliedern als Teil einer starken Gemeinschaft (Stammesorganisation: 77 Prozent). 96 Prozent sehen die Möglichkeit, sich im Unternehmen und in der Familie einzubringen, bei Mitgliedern einer Stammesorganisation sind es 86 Prozent.

Überdies ergab die Studie, dass knapp 82 Prozent der befragten Unternehmer den Zusammenhalt in ihren Familien als hoch einschätzen. Außerdem gaben nahezu alle Befragten (97 Prozent) die Verbundenheit der Familie zum Unternehmen als sehr groß ein. Für die Forscher der Studie bedeutet das, dass Familienbetriebe nicht nur die wirtschaftliche Grundlage einer Familie präsentieren, sondern auch deren emotionale Mitte bilden und Identität stiften.

Grundlage des Zusammenhalts ist Vertrauen, wie schon zuvor diverse Studien ergeben haben. Ähnlich wie in persönlichen Beziehungen zwischen zwei Menschen bedeutet das in Beziehungen von Gesellschaftern, dass scheinbar mickrige Probleme schnell angesprochen werden sollten. So kann dem Risiko eines schier unlösbaren entstehenden Konflikts vorgebaut werden.

Vertrauen ist das eine, das andere ist, gemeinsame Werte zu definieren und zu leben. Eine unverrückbare Wertebasis ist für 94 Prozent der befragten Unternehmerfamilien die Grundlage, um den Zusammenhalt in der Unternehmerfamilie zu intensivieren. 86 Prozent sind der Meinung, dass eine regelmäßige, offene und eine direkte Kommunikation den Zusammenhalt fördert.

Wie funktioniert nun die Verbindung von Familie, Unternehmen und emotionaler Verbundenheit? Dies sei beispielhaft am Thema Verkauf dargestellt: 61 Prozent der Gesellschafter würden ihre Anteile am Unternehmen verkaufen, wenn die Unternehmensziele, -werte und -strategien nicht den eigenen Vorstellungen entsprächen. Hinzu kommt, dass das Interesse des Nachwuchses am Unternehmen sinkt, wenn Kinder, Neffen und Nichten nicht schon früh an das Unternehmen herangeführt werden. Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit des Anteilsverkaufs ab, wenn Gesellschafter zufrieden mit der familiären Situation sind und sich als Teil einer starken Gemeinschaft begreifen.

Nahezu alle Geschäftsführungskollegien (85 Prozent) empfinden ihre Kommunikation als offen. Vier Fünftel der Geschäftsleitungen (82 Prozent) tauschen sich regelmäßig aus. Aber nur 73 Prozent haben eine klare Aufgabenverteilung und 58 Prozent einen definierten Entscheidungsprozess implementiert.

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