Due Diligence im digitalen Datenraum

Hans-Ulrich Wilsing, Anwalt bei der internationalen Kanzlei Linklaters, erinnert sich noch gut, wie vor dreißig Jahren die Experten in Räumen voller Aktenordner saßen und mit Diktiergeräten wichtige Informationen festhielten. Mittlerweile geschieht das Ganze nicht nur meistens virtuell, sondern auch nach einem vorstrukturierten Prozess. „Der Datenraum wird nach und nach gefüllt, je nachdem wie stark Interessent und Käufer sich nähergekommen sind“, sagt der Düsseldorfer Anwalt. „Für einen bestimmten Zeitraum bekommen dann bestimmte Personen ein Zugriffsrecht“

Im sogenannten grünen Datenraum, in der ersten Phase, werden nur öffentlich zugängliche Dokumente wie Registerauszüge, Grundbuchauszüge oder Organisationscharts bereitgestellt. Im Weiteren befüllt der Verkäufer den Datenraum mit den Anstellungsverträgen der wesentlichen Manager, Verträgen der wichtigsten Kunden und den jährlichen Stellungnahmen der Wirtschaftsprüfer. „Wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Abschluss des Kaufvertrags gegeben ist, stellt der Verkäufer die wirklich sensiblen Dokumente ein, wie etwa den Anstellungsvertrag mit den Geschäftsführern oder Vorstand oder Dokumente, aus denen sich die Marge des Unternehmens ablesen lässt“, so Wilsing.

Im Fall der erwähnten Arztpraxis würden Due-Diligence-Experten die Maschinen bezüglich ihres Alters und ihrer Funktionen prüfen, den Mietvertrag checken und Steuerbescheide analysieren. „Letztendlich ist das Ziel jeder Due Diligence, Risiken zu erkennen und die Risikoabschätzung im Kaufvertrag abzubilden“, so Wilsing. Bei kleineren und mittleren Unternehmen wird die Due Diligence vor den eigentlichen Verkaufsverhandlungen abgeschlossen.

Grundsätzlich gilt: Je komplexer das Unternehmen, desto länger und tiefgehender auch die Due Diligence. Ein Produktionsbetrieb, der einst etwa Lacke hergestellt hat, wird angesichts verschärfter Umweltvorschriften sehr genau geprüft. „Eine Sanierung von Böden kann völlig unberechenbar sein“, so Wilsing. Das könne den Deal zunichte machen.

Financial Due Diligence und Legal Due Diligence

Die eigentliche Due Diligence unterteilt sich dann noch in Untergruppen. Bei der Financial Due Diligence wird geprüft, wie solide die Buchhaltung und die Abschlüsse des Unternehmens sind, ob ein ordentliches Controlling besteht oder wie hoch die Betriebsmittel des Unternehmens sind. Bei der steuerrechtlichen Prüfung wird analysiert, ob es Risiken im Unternehmen gibt, die das Finanzamt nicht erkannt hat und ob es etwa Steuernachforderungen gibt. „Heute würde man sicherlich nur zögerlich ein Finanzinstitut kaufen, das Cum-Cum-Geschäfte gemacht hat.“ In der Legal Due Diligence wird die Stellung der Eigentümer geprüft, etwa ob es Poolverträge oder Vorverträge bei den Inhabern gibt und wie Mitarbeiterverträge aussehen.

Mehr auf dem informellen Weg als auf dem formellen Prozess versuchen die Käufer und ihre Berater zudem zu eruieren, ob die für die Firma maßgeblichen Manager dem Unternehmen die Treue halten und somit ein wichtiges Asset bilden.

Häufig ergeben sich aus den einzelnen Prüfungsschritten Nachfragen. Um die größtmögliche Zufriedenheit des möglichen Käufers herzustellen, werden zur Beantwortung ein Frage- und Antwortprozess initiiert. Der Käufer kann aus seiner Sicht drängende Fragen betreffend des Zielunternehmens stellen, die von diesem beantwortet werden. Dieser Prozess wird durch die Erstellung entsprechender Fragen- und Antwortlisten dokumentiert. Diese Listen liegen zu Beweiszwecken im Datenraum.

Alles was als Risiko festgestellt wurde oder was unklar bleibt wird am Ende in den Kaufvertrag einfließen. Der Käufer versucht, so viele Risiken und Unbekannten wie möglich beim Verkäufer zu belassen oder sich abzusichern. Je mehr im Vorfelde also Vertrauen aufgebaut werden kann und der komplexe Prozess des Wissenstransfers vom Verkäufer zum Käufer vereinfacht wird, umso kleiner kann die Liste der strittigen Punkte in dem Kaufvertrag werden.

Teil 1: So läuft eine Due Diligence ab

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