Hamburg, 20.04.2017

Pflichtteilsrechte: Blackbox bei der Unternehmensnachfolge?

Das Pflichtteilsrecht regelt die unentziehbare Mindestteilhabe am Nachlass für nahe Angehörige. So lautet die nüchterne Erklärung des Begriffes aus dem Erbrecht. In der Praxis hingegen wird es oft als „Büchse der Pandora“ gescholten, gerade bei der kurzfristigen Unternehmensnachfolge gilt die Umsetzung der Pflichtteilsrechte als kompliziert. Dass sich bei langfristiger Planung des Nachfolgeprozesses auch vielfältige Regelungsmöglichkeiten erschließen, ist weniger bekannt. Lesen Sie hier wichtige Aspekte für die Planung Ihrer Unternehmensnachfolge. 

Ein Testament allein genügt nicht

Auch wenn per Testament z.B. ein Ehegatte oder ein Kind des Unternehmers für die Nachfolge bestimmt wurde, reicht dies in der Regel nicht aus. Das Testament und die Gesellschaftsverträge der Firma sollten immer miteinander synchronisiert werden. Schließlich geht bei Abweichungen immer der Gesellschaftsvertrag vor, was sich u.U. negativ auf die im Testament gestalteten Pflichtteilsregelungen auswirken kann. Denn Pflichtteilsrechte können auch für weitere Abkömmlinge, etwa Enkel des Unternehmers, bestehen. Entscheidend aber ist: Der Pflichtteil entspricht 50 Prozent der gesetzlichen Erbquote, ist nicht entziehbar und er ist ein Anspruch in Geld, der sofort fällig wird. Und das kann Nachfolgeprozesse beträchtlich belasten.

Liquiditätsverlust ist oft die Folge

Mit einem im Laufe eines Unternehmerlebens gewachsenen (Unternehmer-)vermögen steigen die Summen für die Pflichtrechtanteile kontinuierlich mit. In der Regel ist aber genau dieses Vermögen im Unternehmen gebunden und nicht frei verfügbar. Oftmals müssen dann Kredite aufgenommen werden um die Pflichtteilsansprüche zu bedienen. Entsprechend geht dem Unternehmen wertvolle Substanz verloren. Mit welchen Gestaltungsmöglichkeiten kann dieser Herausforderung begegnet werden?

Generelle Strategie: Pflichtteilsrechte vorrausschauend minimieren

Damit ist nicht gemeint einzelne Pflichtteilsberechtigte zu benachteiligen. Vielmehr geht es darum, sowohl die zukünftige Existenz des Unternehmens als auch die Absicherung der Familie zu gewährleisten. Dabei sollte eine friedliche Lösungsfindung bei der Bewältigung der Aufgaben möglichst Vorrang haben. In der Praxis haben sich folgende Maßnahmen bewährt.

  • Schließen von Erb- und Pflichtteilsverzichtsverträgen
    Bei dieser Variante verpflichtet sich der Pflichtteilberechtigte, z.B. gegen Zahlung einer Abfindung, zum Verzicht auf seinen Pflichtteil. In ähnlicher Weise ist dies mit dem

  • Schließen von Eheverträgen
    zwischen Ehegatten möglich.

  • Reduzierung der Erbmasse
    Durch Übertragung von Vermögenswerten zu Lebzeiten z.B. Schenkungen an Pflichtteilberechtigte im Rahmen einer Ausbildung oder des Eigenheimerwerbs lassen sich ebenso Pflichtteilsrechte minimieren.

  • Übertragung von Vermögen auf eine Familienstiftung oder -gesellschaft
    Beide Maßnahmen führen dazu, dass das Vermögen nicht mehr unmittelbar zum Eigentum des Erblassers gehört und damit zum Ausschluss von Pflichtteilsrechten daran. Auch über eine andere Organisationsform kann das Familienvermögen zusammengehalten werden, so z.B. durch eine Familienstiftung. Vermögende Privatpersonen und Unternehmer schätzen vor allem die steuerlichen Vorteile und die Flexibilität, die sich durch maßgeschneiderte Vermögensnachfolgekonzepte wie die Familienstiftung erzielen lassen, Stichwort Asset Protection. Wichtig: Sie ist nicht mit einer gemeinnützigen Stiftung zu verwechseln, in die Vermögenswerte gemeinnützig übertragen werden.

  • Nutzung internationaler Rechtsnormen
    Bei dieser Variante findet durch Rechtswahl im Testament oder auch durch Wechsel des gewöhnlichen Aufenthaltsortes in ein anderes Land ausländisches Recht Anwendung, welches keine oder nur geringe Pflichtteilsrechte kennt.

Allen hier skizzierten Maßnahmen, ob einzeln oder miteinander kombiniert, ist jedoch eines gemein: Sie bedürfen vorab einer umfassenden Analyse Ihrer individuellen Situation. Je vorausschauender der Nachfolgeprozess geplant werden kann, desto größer sind die Chancen die individuell gesteckten Ziele zu erreichen.



Weitere Artikel, News, Studien und Praxisbeispiele finden Sie auf unserer >> Themen-Seite Familienunternehmen


 

 

Das interessiert andere Leser

  • Hört die Signale
    Das zweite Maschinenzeitalter

    Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen – zehn Tipps für die Transformation.

  • Führt Digitalisierung zum Generationenkonflikt in der Nachfolge?
    Selbstbewusste Nachfolger

    Eine neue Studie zeigt, wie die Chefs von morgen ticken: Die Nachfolger sind selbstbewusst und scheuen keinen Konflikt.

  • Schlagartig kreativ - Drums als Energiequelle für Mitarbeiter
    Trommeln für’s Gehirn

    Früher jubelten Rainer Schumann und seiner Band „Fury In The Slaughterhouse“ die Massen zu. Heute weckt der Schlagzeuger die Kreativität von Unternehmern.

  • Digitale Fitness - Möglichkeiten und Stolpersteine der Krankenkasse 4.0
    Krankenkassen in der Zwickmühle

    Kunden fordern digitale Angebote. Zugleich müssen ihre Daten geschützt werden. Wie die Techniker Krankenkasse die Herausforderung annimmt.

  • Aus zwei Welten
    Fintechs versus Banken

    In der Welt der Finanzdienstleister ist der Wettbewerb durch die Digitalisierung härter geworden. Was die Geldhäuser von den Startups lernen können.

  • Comeback versus Ruhestand - Fondsmanager: Schmecken die Rezepte der Altstars noch?
    Die (Ex-)Stars der Finanzbranche

    Sie bewegten Milliarden, waren jahrelang die Stars der Branche. Doch dann stürzten einige Fondsmanager. Gelingt ihnen nun ein Comeback?

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank
    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen
    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen
    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

Gastbeitrag

Kerstin Bardua ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten im Raum Bremen, Oldenburg sowie Weser-Ems und begleitet Familienunternehmen beim Generationswechsel.
Weitere Informationen im Profil

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.