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Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen – welche Position bekommt das Lebenswerk?

Prof. Dr. Georg Müller-Christ / Merle Katrin Tegeler – Universität Bremen

Die Generationsnachfolge in Familienunternehmen stellt einen der elementarsten Abschnitte innerhalb des Unternehmens dar, es sichert sein Fortbestehen. Neben dem wirtschaftlichen Anteil beinhaltet der Prozess intensive emotionale und systemische Anteile seitens des Übergebenden und des Nachfolgers. Unabhängig davon, ob Familien interne oder externe Nachfolger wählen, bestehen in beiden Fällen die Aufgaben des Übergebenden darin, sein Unternehmen abzugeben und damit auch sein Lebenswerk, welches in vielen Fällen untrennbar mit der eigenen Identität verbunden ist. Die emotionale Trennung von Identität und Lebenswerk will sich der Übergebende häufig durch einen zu hohen Preis für das Unternehmen ausgleichen lassen. Tatsächlich geht es aber um die Frage, wo das Lebenswerk des Unternehmers oder der Unternehmerin einen guten Platz im Nachfolgesystem bekommt.

Um diese Frage für die Beteiligten sichtbar zu machen wurde auf dem BWS NachfolgerForum in Rust im November 2017 unter Anleitung von Prof. Dr. Georg Müller-Christ und Merle K. Tegeler, beide Universität Bremen, ein Systembild erarbeitet.

Abbildung 1: Systembild Nachfolge in Familienunternehmen

In Abb. 1 ist die grafische Darstellung des Systembildes zu sehen. Die Darstellung zeigt alle möglichen Elemente, die Einfluss auf die Unternehmensnachfolge nehmen. Der blau gekennzeichnete Raum stellt den Nachfolgeraum da, während der grün gekennzeichnete Raum den zukünftigen Raum des Übergebenden nach seinem Ausscheiden visualisiert. Der Übergebende kommt in dem Bild zweimal vor: einmal als Eigentümer (Funktion) und einmal als Person. In dem Privatraum ist klar das private Vermögen des Übergebenden verortet, das in einer festen Verbindung mit dem Unternehmenswert steht, welcher wiederum im Nachfolgeraum verortet ist. Der Unternehmenswert spielt nicht nur für den Unternehmer eine wichtige Rolle, sondern ist entscheidend für den Nachfolger. Der Unternehmenswert verkörpert ein zukunftsfähiges Unternehmen und darüber hinaus ermöglicht er dem Nachfolger Entwicklungsmöglichkeiten. Das Zusammenspiel zwischen dem Unternehmer in seiner Funktion, dem Nachfolger und dem Unternehmenswert wird im Nachfolgeraum von dem Lebenswerk begleitet.

Innerhalb des systemischen Bildes wird deutlich, dass das Lebenswerk das Element darstellt, welches die höchste Dynamik in das Bild bringt und für alle weiteren Elemente eine Bezugsgröße ist. Der Unternehmer in seiner Funktion wünscht eine enge Verbindung zu seinem Lebenswerk und fühlt sich in seiner Position instabil wenn das Lebenswerk nicht in Reichweite steht. Innerhalb des Nachfolgeraums wirkt das Lebenswerk auf den Nachfolger deutlich lähmend und erdrückend. Die Position des Lebenswerks kann das System sowohl neue Dynamik verleihen, als auch blockierend wirken. Aus dem systemischen Bild ergibt sich somit die Frage, wo für alle Beteiligten ein guter Platz für das Lebenswerk ist. Es besteht auch die Möglichkeit das Lebenswerk nochmal parzelliert aufzustellen. Wichtig ist, dass sich mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt wird, passiert dies nicht, kann die mächtige Wirkung des Lebenswerks das System blockieren und ein Scheitern verursachen.

Dieses Beispiel verdeutlicht eindringlich wie entscheidend es ist, sich eingehend mit dem eigenen Nachfolgesystem auseinanderzusetzten. Besonders die Methode des Systembildes und erweiternd die systemische Organisationsaufstellung bieten ein hervorragendes Methodenpotpourri, um diese Fragestellungen ganzheitlich und systemisch erfassen zu können.

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