Schwierige Suche nach Bio-Unternehmern

In der Bio-Branche steht ein Generationswechsel an. Die Anforderungen an einen potenziellen Nachfolger sind groß: Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der erfolgreichen Suche hilft.
Bio-Lebensmittel - Anbau, Erzeugung und Handel

Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden, denn ganz gleich ob Bio-Landwirtschaft, Hersteller von Bio-Lebensmitteln oder Biomarkt um die Ecke, der neue Geschäftsführer muss auch die Werte des scheidenden Inhabers teilen.

Fair Trade, Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Das verlangen Kunden, die Bio-Erzeugern und Biohandel die Treue halten. Sie tragen deren Ideologien mit – von gesunden, regional erzeugten Lebensmitteln über Umweltschutz bis hin zum fairen Handel. Diese Mehrwerte sind es, für die Kunden bereit sind, höhere Preise zu zahlen. So zieht die Nachfrage weiter an. Die Pioniere der Ökobewegung haben aus kleinen Bioläden und ökologischer Landwirtschaft in den 1970er- und 1980er-Jahren ein veritables Segment entwickelt.

Steigende Nachfrage nach Bio-Produkten

Die Branche ist inzwischen rund acht Milliarden Euro Umsatz schwer, mit 3,29 Milliarden Euro deckt der Lebensmittel-Einzelhandel knapp die Hälfte ab, so Zahlen des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). Neben rund 40.000 Filialen des konventionellen Lebensmittel-Einzelhandels behaupten sich etwa 2.500 Bioläden und Biosupermärkte über Jahre erfolgreich – vor allem große Biomärkte wie Denn’s, Alnatura oder Superbiomarkt.

Die Gründer von Marken wie Voelkel, Rapunzel oder Lebensbaum hatten eine klare Vorstellung von Umweltschutz, gesunder Ernährung und fairem Handel, die sie mit ihrem Unternehmen umgesetzt haben. Das schafft Vertrauen: Die Kunden wollen nachvollziehen können, woher ihre Lebensmittel stammen und eine glaubhafte Bestätigung für die ökologische Herstellung. Wenn ein großer konventioneller Lebensmittelkonzern eine Bio-Sparte einführt, wird ihm eher unterstellt, dass er aus Marketinggesichtspunkten handelt und die Qualität hinter der Wirtschaftlichkeit zurücktreten muss. Eine „bemerkenswerte Entwicklung“ beschreibt Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN: „Auf der einen Seite haben viele Discounter ihr Biosortiment ausgebaut. Auf der anderen Seite wurde massiv auf Werbung und Marketing gesetzt, um diese Bio-Anteile im Sortiment verstärkt zu kommunizieren.“ Ihre Einschätzung: „Die Konventionellen können zwar auf den Megatrend Bio aufspringen, aber sie können ihn nicht kapern. Und die Bio-Originale wachsen weiter stabil.“

Den Radius der Suche vergrößern und Beratungsangebote nutzen

Der Branche geht es gut und könnte es auch weiter gut gehen – wenn nicht der Generationenwechsel wäre. Längst muss ein sich Großteil der Erzeuger und Verarbeiter von Bio-Lebensmitteln sowie der Betreiber von Bioläden und Biosupermärkten, die sich auf Messen wie der Biofach in Nürnberg treffen, zwingend mit der Suche nach einem Nachfolger befassen.

Nicht immer findet sich jemand in der Familie, der das Geschäft mit dem notwendigen Idealismus fortsetzen möchte. Dann gibt es die Möglichkeit, das Geschäft an einen Mitarbeiter zu übertragen, der seine Einstellung und seine Befähigung bereits unter Beweis gestellt hat. Die dritte Möglichkeit ist der Verkauf an einen geeigneten fremden Kandidaten. Mitunter zeigen auch größere Unternehmen Interesse an Biomarken. Schwierig, wenn diese selbst keine ökologisch wirtschaftenden Unternehmen sind und es auch nicht werden wollen; die Transparenz sowie das Vertrauen der Kunden stehen auf dem Spiel. Eine weitere Alternative ist die Überführung des Geschäfts in eine Unternehmensträgerstiftung – die dann allerdings ebenfalls geführt werden muss. Zudem bleibt das Geld im Unternehmen.

Auch für Unternehmer konventioneller Branchen ist die Suche nach einem Nachfolger oft nicht einfach. Kein Unternehmer möchte sein Lebenswerk abgeben an jemanden, der die Idee, die das Unternehmen einst großgemacht hat, nur weiterträgt, weil sie sich gut vermarktet, sie aber nicht mit Leben füllt. „In solchen Fällen bietet es sich an, eine Unternehmensbörse zu nutzen, die den scheidenden Unternehmer mit passenden Interessenten zusammenführt“, sagt Nicolas Rädecke, Geschäftsführer von DUB.de. Es kostet wenig Geld und kann den Radius der Suche um ein Vielfaches vergrößern.

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