Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 27.02.2017

M&A-Chefs sind vielfach ahnungslos bei disruptiven Technologien

Was müssen Unternehmen bei Zukäufen in digitalen Märkten beachten? Eine Studie von Bain & Company zeigt, dass die Unsicherheit in den Branchen sehr groß ist.

Es gibt Modewörter, die nur eine Zeitlang im Sprachgebrauch bleiben und es gibt Wörter, die plötzlich da sind – und fest verankert bleiben. „Disruptiv“ ist ein Beispiel für Letzteres. Eine disruptive Technologie ist eine Innovation, die ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung fast vollständig aus dem Markt verdrängt. So hat WhatsApp das SMS-Geschäft der klassischen Telekommunikationsfirmen fast vollständig zerstört.

Was bedeuten die disprutiven Technologien im Digitalen für das M&A-Geschäft der Unternehmen? Das hat die Unternehmensberatung Bain & Company in einer Studie untersucht. Wie die Befragung von hochrangigen M&A-Verantwortlichen in Europa ergeben hat, haben die umwälzenden Veränderungen im Markt für drei Viertel der Befragten einen großen Einfluss auf ihr Geschäft oder bedeuten sogar eine komplette Überarbeitung ihrer M&A-Strategie. Ein ungenannter Topmanager bringt die Unsicherheit auf den Punkt: „Wir wissen nicht, was wir nicht wissen“. Das passt zu einem weiteren Ergebnis, wonach nur 11 Prozent der Befragten auf der Höhe der Zeit bei den digitalen disruptiven Technologien ist.

Wie sollten die Unternehmen auf die Herausforderungen am besten reagieren? Eine knappe Mehrheit der Befragten sieht es als unerlässlich an, interne oder externe Digital-Experten in ihr Team zu holen, um die Veränderungen des Markts noch besser verstehen zu können.

Was sind die vier entscheidenden Bausteine?

Zum einen ist es die richtige M&A-Strategie. Als Leuchtturmbeispiel nennen die Unternehmensberater die Werbegruppe Publicis, die durch den Milliardenzukauf von Sapient mittlerweile 50 Prozent ihrer Umsätze aus dem Digitalgeschäft bezieht. Zugleich betont Bain & Company, auch auf das Positivbespiel Publicis verweisend, dass es im Digitalgeschäft nicht die einzig richtige M&A-Strategie gibt. Hilfreich sind Bain zufolge, bestimmte Fragen, die sich die Unternehmen stellen sollten. Dazu gehört etwa: Ob die Firma sowohl vorsichtige als auch mutige Übernahmen in Betracht zieht. Und ob das jeweilige Unternehmen wirklich geprüft hat, ob das Digitalgeschäft wirklich zur Firmenstrategie passt.

Der zweite Baustein betrifft das Corporate Finance. Viele Unternehmen glauben Bains Erfahrung nach, dass digitale Zukäufe schlicht zu teuer sind. Das richtige Ziel dagegen wäre ein Signal in den Markt zu senden, dass eben jene digitale Akquisition nicht die einzige bleibt, sondern zu einer Serie von Zukäufen gehört.

Manche Unternehmen, so Bain, argumentieren mit Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Richtig ist, dass Digitalzukäufe nicht günstig sind, und – bei börsennotierten Firmen – schwer durch eine Kapitalerhöhung zu finanzieren sind. Allerdings ist das Portfolio an Finanzierungsinstrumenten deutlich breiter.

Zu einer richtigen M&A-Strategie kann es auch gehören, den erwarteten Profit des Zukaufs nicht als vorrangig zu betrachten, sondern mit dem Zukauf eine marktbeherrschende Stellung zu erhalten. Ein Beispiel für Bain ist hier der 19-Milliarden-Dollar-Kauf von Whatsapp durch Facebook.

Drittes Standbein einer ausgeklügelten M&A-Strategie ist die due diligence, also die Risikoprüfung bei einer Transaktion. Im Digitalmarkt ist diese nicht einfach, da die zukunftsträchtigen Unternehmen häufig zum jetzigen Stand der Betrachtung häufig noch keinen oder nur geringe Gewinne abwerfen. Die Heranziehung externer Fachleute ist hier häufig vonnöten. Auch sollte der Käufer hinterfragen, ob das zugekaufte Unternehmen bei einer kompletten Integration auch zum Team des bestehenden Unternehmens passt. Die kulturellen Herausforderungen, also das Zusammenbringen zweier komplett unterschiedlicher Teams, wird häufig unterschätzt.

Der vierte Baustein einer M&A-Strategie ist die Art und Weise der Integration. Bain bringt in seiner Studie das Beispiel Microsoft/LinkedIn. Der Softwareriese hat im Zuge der Übernahme schnell deutlich gemacht, dass er das Karrierenetzwerk selbstständig arbeiten lässt und die Marke nicht antastet. Allein Microsofts Entwickler inspizieren seitdem LinkedIn, ob sie für ihr Geschäft Inspirationen finden. Nach Einschätzung der Bain-Experten sind sogenannte „scope deals“ am besten, also Übernahmen, bei denen der Käufer die Menge an Kunden und Märkten steigert. Im Gegensatz dazu sind „scale deals“ Übernahmen, bei denen der Käufer an ähnlichen Produkten oder Kundengruppen gewinnt.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Ohne Moos nichts los

    Wie bekomme ich einen Gründerkredit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Cash per Klick

    Cash per Klick

    Fintechs sind auf dem Vormarsch. Die Online-Vermittler bringen Kredite flexibler und oft günstiger an die Kunden als Banken. Die Finanzwelt steht vor einem großen digitalen Wandel.

  • Freund oder Feind?

    Seit 129 Jahren steht Daimler für Mobilität. Geht es nach Apple und Google, hat die Ära der Automobilbauer nun ein Ende. Ein Gespräch mit Vorstandschef Dieter Zetsche.

  • Nichtstun ist das neue Arbeiten

    Entrepreneure kennen keinen Feierabend. Dabei ist Nichtstun viel effizienter, sagen Fachleute. Eine Anleitung zum produktiven Müßiggang.

  • Mythos Cholesterin

    Wann ist Cholesterin gut? Wann ist es schlecht? Was sollte man bei der Ernährung beachten? Eine Fachärztin steht Rede und Antwort.

  • Reisetipp: Basel

    Basel ist die Kulturhauptstadt der Schweiz. Kunst- und Architekturhighlights säumen das Rheinufer. Heute steht Basel für Lebensqualität. Ein kleiner Reiseführer.

  • „Zweifel zermürbten mich“

    Niemand spricht gern über sie: Verunsicherung wird besonders Chefs schnell als Schwäche ausgelegt. Wie Unternehmer mit Zweifeln an sich selbst umgehen und wieder Kraft schöpfen können - ein Erfahrungsbericht.

  • Putten mal anders

    Strikte Kleiderordnung und gediegenes Clubhaus waren gestern. Viele Golfspieler wollen mehr. Sie suchen nach unterhaltsamer Atmosphäre auf dem Platz. Zwei Turnierveranstalter aus dem Norden bieten genau das.

  • Grillen mit Finesse

    Es muss nicht immer die klassische Bratwurst sein: Spitzenköchin Cornelia Poletto verrät exklusiv originelle Grillrezepte und gibt wertvolle Tipps.

  • Urlaubst du noch, oder vermietest du schon?

    Eine Ferienimmobilie zu erwerben, sie mal selbst zu nutzen, mal zu vermieten – dieser Gedanke ist populär wie lange nicht. Zu Recht?

  • „Raus, oder ich schieße!“

    Schwierige Verhandlungen fordern knallharte Strategien. Ein Experte für Geiselnahmen zieht Parallelen zwischen dem Verhandeln mit Geiselnehmern und schwierigen Verhandlungen im Job.

  • Den Absprung im Visier

    Nicht jeder Spitzensportler hat Aussicht auf ein Millionengehalt. Die Praktikantenbörse für Spitzensportler öffnet die erste Tür zu einer zweiten Karriere - jetzt für alle Bundeskaderathleten.

  • Revolutionär!

    Elon Musk krempelt die Raumfahrt und Automobilbranche mit SpaceX und Tesla Motors mächtig um. Er versteht es, die digitale Transformation für seine Zwecke zu nutzen.

  • Transformer gefragt

    Die Digitalisierung verändert Gewohntes mit einer geradezu revolutionären Dynamik. Damit bietet sie Unternehmen viele neue Chancen - und Herausforderungen. Zögern ist keine Option.

  • Achtung, Baustellen!

    Reformen scheut das Bundesarbeitsministerium keine – selbst wenn sie in Wirtschaftskreisen unpopulär sind. Staatssekretär Jörg Asmussen über Reformbedarf und zwei D.

  • Von den Kleinen lernen

    Die Kooperation mit einem Start-up eröffnet Mittelständlern neue Wachstumschancen.

  • Entspannter reisen

    Führungskräfte achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers zunehmend auf die Qualität der Geschäftsreisen. Externe Dienstleister sind eine Option, um Kosten und Komfort bestmöglich zu vereinen.

  • Auf Wolke Produktivität

    Cloud-Tools können weit mehr, als lediglich die Kosten in Unternehmen zu reduzieren. Sie haben vor allem das Potenzial, die Produktivität und Effizienz der Arbeit spürbar zu steigern.

  • "Ich möchte das Leben auskosten"

    Nach seiner Krebserkrankung orientierte sich Robert Kronekker neu und gründete seine eigene Firma. Sollte er nochmals ausfallen, greift ein Notfallplan.

  • Einheitsbräu ade

    „Ein Bier, bitte“ war gestern. Heute geht der Trend zu individuell gebrauten Spezialitäten, zu mehr Geschmacksvielfalt und einer Bierkultur ohne Schickimicki, aber mit viel Genuss.

  • Sicher wie nur was

    Eine der brennendsten und am häufigsten gestellten Fragen an IT-Experten lautet dieser Tage: Ist die Cloud sicher? Die Antwort unserer Autoren: Sicher im Vergleich zu was?

  • Gesunde Motivation

    Mit der betrieblichen Krankenversicherung bringen sich Arbeitgeber im Rennen um Fachkräfte in die Poleposition. Bewerber und Belegschaft wissen das vielseitige Leistungsplus zu schätzen.

  • Ein neues Hochgefühl

    Ein Schweizer Bergdorf erfindet sich neu. Andermatt soll zu einer führenden Adresse in der High-End-Alpintouristik werden. Dafür investiert ein ägyptischer Hotelier 1,8 Milliarden Franken.

  • Erst boxen, dann beraten

    Als mehrfache Boxweltmeisterin weiß Ina Menzer, wie man sich Erfolg erkämpft. Jetzt hat sie sich mit einer Agentur selbstständig gemacht.

  • Energie für Gipfelstürmer

    Große Erwartungen, wenig Entspannung – viele Leistungsträger verspüren enormen Druck. Und doch gelingt es manchem, Spitzenleistungen genau dann zu erzielen, wenn es darauf ankommt.

  • Koalition reicht Start-ups die Hand

    Kleinanlegerschutzgesetz: Parlamentarier weiten Ausnahmen für Schwarmfinanzierungen per Internet aus.

  • Bransons Gebote

    Richard Branson gilt als Exzentriker und Egomane, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kaum jemand hat in so vielen Märkten unternehmerisch Fuß gefasst wie er.

  • Wenn Anleger in(s) Schwärmen kommen

    Crowdinvesting via DUB.de eröffnet aufstrebenden Wachstumsunternehmen eine neue Kapitalquelle. Investoren bietet es attraktive Anlagechancen.

  • "Ich erwarte Dynamik"

    Volkswagen fährt derzeit Rekordzahlen ein. Das ist nicht zuletzt Verdienst des Mannes an der Spitze. Exklusiv gewährt Vorstandschef Professor Dr. Martin Winterkorn einen Einblick.

  • "Wer sich erschrecken lässt, verliert"

    Droht der Zerfall der Eurozone? Wie gefährlich ist der Terrorismus für die Wirtschaft? Verschläft Deutschland die Digitalisierung? Volker Kauder redet Tacheles.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick