lnterim Management – flexible Lösung beim Generationswechsel

Nicht selten kommt es vor, dass in einem Familienunternehmen die Stabübergabe vorgezogen werden muss. Der potenzielle Nachfolger ist dann aber womöglich noch nicht übernahmebereit. Eine gute Alternative ist es, für einen definierten Zeitraum einen Interimsmanager einzusetzen.

Es war für alle Beteiligten einer der bewegendsten Augenblicke der Jubiläumsfeier: Der Senior-Chef wandte sich in seinem Rückblick auf die Geschichte des Unternehmens auch ausdrücklich an den gerade verabschiedeten Interimsgeschäftsführer und dankte ihm für seine Arbeit. Dieser habe einen enormen Beitrag geleistet, um die Nachfolge im Familienunternehmen erfolgreich abzuschließen, betonte der Senior. Er erinnerte daran, dass die Übergabe des Betriebs an den Sohn hatte vorgezogen werden müssen, weil er, der Senior, durch eine unerwartete Krankheit gezwungen gewesen war, seine Ämter vorzeitig niederzulegen. Der Sohn sei damals noch nicht abschließend auf die Übernahme vorbereitet gewesen. So übernahm der Interimsmanager die Geschäfte bis zu dessen Antritt, gab dem Unternehmen die nötige Kontinuität, begleitete den Sohn bei seinem Einstieg, ließ diesem so auch die Vorbereitungs- und Einarbeitungszeit, die er brauchte, um das Unternehmen schließlich erfolgreich allein weiterzuführen.

Die skizzierte Situation ist typisch – sozusagen ein Nachfolge-Klassiker: Denn die Übergabe eines Unternehmens von einer Generation auf die nächste lässt sich zeitlich nicht immer so perfekt planen, wie es wünschenswert und auch nötig wäre. Der Senior möchte oder muss aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen früher übergeben, der potenzielle Nachfolger ist aber noch zu jung, noch nicht übernahmebereit, nicht abschließend ausgebildet oder unsicher. Das kann zu Turbulenzen in der Führung, im schlimmsten Fall zu einem Führungsvakuum führen. Eine professionelle Führung ist neben der Eigentums- und Vermögensübertragung jedoch ein entscheidender Erfolgsfaktor eines jeden Generationswechsels. Mögliche Risiken durch unvorhergesehene Ereignisse, die die Führungskontinuität beeinträchtigen könnten, sollten daher rechtzeitig erkannt und aufgefangen werden. In solchen Situationen liegt es nahe, die Führung zeitlich befristet an einen erfahrenen Interimsgeschäftsführer, zu übertragen.

Neben dem Erhalt der Führungskontinuität gibt es aber noch weitere Motive, beim Generationswechsel einen Interimsgeschäftsführer einzusetzen: Ein Interimsmanager kann zum einen Ressourcen und Kompetenzen einbringen, die weder im Unternehmen vorhanden sind, noch durch den designierten Nachfolger dargestellt werden, aber zum Übergabezeitpunkt nötig sind. Zum anderen kann der Interimsmanager in der Funktion eines Co-Geschäftsführers auch als Coach für beide Generationen beziehungsweise als Mentor für den Nachfolger fungieren.

Eines kann ich als Family Consultant aus meiner 15-jährigen Erfahrung mit dem Generationswechsel in Familienunternehmen zusammenfassend sagen: Zwar lassen sich bei Nachfolgeszenarien typische Muster ausmachen, eine Patentlösung gibt es jedoch nicht. Denn nahezu keine Übergabe läuft in der Praxis so, wie sie geplant war. Immer wieder kommt es zu unvorhergesehenen Ereignissen und Herausforderungen in der Familie, in der Firma, auf dem Markt. Jedes Unternehmen und jede Familie braucht daher einen individuellen, maßgeschneiderten Fahrplan, der einerseits eine stringente Umsetzung der Übergabe verfolgt, andererseits aber flexibel genug ist, sprich genügend Alternativszenarien vorsieht, um auf unterschiedlichste Ereignisse und Abweichungen reagieren zu können.

Interimsmanagement wird in diesem Zusammenhang immer häufiger als flexible Lösung eingesetzt. Kai Reddig, Senior Consultant der Management Angels GmbH, einem erfahrenen Interim Management Provider aus Hamburg, kann dies nur bestätigen: „Die zeitlich befristete Einbindung einer professionellen Führungspersönlichkeit als Interimsmanager spielt nicht nur bei klassischen Vakanzüberbrückungen eine wichtige Rolle, sondern gewinnt nach unserer Erfahrung als Lösung für Generationenthemen immer mehr an Bedeutung“.

Im eingangs angeführten Beispiel dankte übrigens auch der Junior dem Interimsmanager: „ Ihre Erfahrung war für mich eine unschätzbare Ressource. Was ich von Ihnen in der tagtäglichen Zusammenarbeit gelernt habe, hätte ich nirgendwo anders besser lernen können.“



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Zum Autor

Toni C. Plonner
Geschäftsführer
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