Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Kompetenz vor Geburtsrecht

Wieso Söhne und Töchter sich zuerst beweisen müssen.

Auch wenn es nicht den Anschein hat: Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Anna von Hinüber heute auf dem Chefsessel sitzt. Von Hinüber ist eine von drei geschäftsführenden Gesellschaftern des Nürnberger Aufzugunternehmens Schmitt +Sohn. Gemeinsam mit ihrem Mann Roland und ihrem Bruder Maximilian Schmitt hat sie zu Beginn des Jahres die Geschäftsführung um ihren Vater Johannes Schmitt abgelöst. Damit führt die Familie auch in der sechsten Generation das Unternehmen. Von Geburt an klar war das aber eben nicht, wie von Hinüber sagt. "Wenn schon immer festgestanden hätte, dass ich diesen Posten einmal bekleiden würde, wäre ich ein armes Kind gewesen", sagt sie. "Und für das Unternehmen wäre es auch nicht gut gewesen."

Von Hinüber stieg erst vor acht Jahren in den Betrieb ein. Da hatte sie nach ihrem Jurastudium bereits eine eigene Rechtsanwaltskanzlei aufgebaut, die sie immer noch führt. Im Unternehmen war sie zunächst mit dem Aufbau der Rechtsabteilung betraut. Sie hatte Erfolg und bekam mit der Zeit mehr Verantwortung. "Irgendwann entsprach das, was auf meinem Büroschild stand, nur noch einem Bruchteil dessen, was ich gemacht habe", sagt sie. So ist Anna von Hinüber in ihre Führungsrolle hineingewachsen.

"Für Nachfolger kann es extrem hilfreich sein, sich zunächst extern zu bewähren" sagt Nina Heinemann, auf Familiennachfolge spezialisierte Beraterin in Bochum. Durch aufrichtiges Feedback und eigene Erfolge könnten sie die für eine zukünftige Führungsposition nötige Erfahrung, Selbstsicherheit und auch Unabhängigkeit gewinnen. Zusätzlich profitierten die Familienunternehmen so davon, nicht im eigenen Saft zu schmoren, bemerkt Heinemann.

Bei Schmitt +Sohn steht der Fokus auf Kompetenzen und Leistung in den Führungsgrundsätzen. So musste sich Anna von Hinüber im vergangenen Herbst bei der Gesellschafterversammlung erst bewerben. Wie bei einem externen Kandidaten bekam das Gremium - obwohl mit Familienmitgliedern besetzt - ihre Vita und Eckpunkte zu ihren Leistungen an die Hand, erst dann fiel die Entscheidung. "Es soll der genommen werden, der uns besser macht - nicht der, der die richtige familiäre Abstammung hat", sagt von Hinüber. Eine für Heinemann empfehlenswerte Herangehensweise. "Professionelle Strukturen werden möglich, wenn familiäre Emotionen in der Familie gelebt werden und sich nicht im Unternehmen Raum schaffen."

Damit das auch nach der Übergabe so bleibt, sei es wichtig, die Rolle des Seniors als Bestandteil des Nachfolgeprozesses zu gestalten. "Ganz viele Unternehmer haben ihr ganzes Leben dem Betrieb gewidmet, sie können nicht einfach aufhören", sagt Heinemann. Außerdem sei die Erfahrung der Vorgänger eine wichtige Ressource für die Zukunft des Unternehmens. So ist die Übergabe bei Schmitt +Sohn auch eine fließende. Von Hinübers Vater Johannes Schmitt ist weiterhin geschäftsführender Gesellschafter mit reduziertem Aufgabenbereich.  "Wir brauchen keinen gewollten symbolischen Umbruch", erklärt von Hinüber. "Wir wollen das Beste aus der Vergangenheit mitnehmen."

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Neue Quellen erschließen

    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement

    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“

    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe

    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster

    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt

    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone

    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Niederlagen nutzen

    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten

    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas

    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten

    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)

    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler

    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • Last minute für Feinschmecker

    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.

    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben

    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung

    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Friedman schlägt Schumpeter

    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

  • Kopenhagens Must-Sees

    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben

    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen

    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft

    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug

    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016

    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

Autor




Copyright © 2013-16 Handelsblatt

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick