Jung, begabt, sucht ... findet und kauft Familienfirma

Schon mal etwas vom Search-Fund-Modell gehört? Nein? Dann wird es Zeit! Es bringt verkaufswillige Unternehmer und junge, talentierte Kaufinteressierte elegant zusammen.

Es kommt aus den USA und macht hierzulande Schule: Das Search-Fund-Modell. Dabei schließen sich ein oder mehrere talentierte Jung-Unternehmer mit einer Gruppe von Investoren und Mentoren zusammen. Im Fokus der Einheit ist der Kauf und die Weiterentwicklung eines mittelständischen Unternehmens. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die junge Garde kann sich komplett auf die Suche des geeigneten Betriebs fokussieren, zudem ohne viel Geld und ohne vorherige Erfahrung als Geschäftsführer Unternehmer werden.

Killian Lamprecht ist so jemand. Er ist 28, verfügt über eine ausgezeichnete Hochschulausbildung, er hat einen Master of Science in Management von der Handelshochschule Leipzig, Schwerpunkt: Unternehmertum. Und hat einen Bachelor of Arts in BWL der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Kooperation mit Bosch Rexroth. „Ein exzellenter Lebenslauf ist grundlegend“, sagt Jürgen Rilling, der mit seiner Firma Mirablau exemplarisch für die Seite der Investoren steht. „Darüber hinaus ist aber auch die Motivation wichtig. Wer nicht dafür brennt, Unternehmer sein und diesen Weg gehen zu wollen, sollte es bleiben lassen“, sagt Rilling.

Lamprecht hat vor einem Jahr einen Search Fund gegründet, schaut sich seitdem in der Dienstleistungsbranche nach einer passenden Firma um. Mittlerweile spricht er parallel mit fünf Inhabern von Firmen im Umsatzbereich von 5 bis 25 Millionen Euro. „Nach meinen Erkenntnissen sind kleinere Firmen meist handwerklich strukturiert und ich kann deshalb den Inhaber oft schwer ersetzen“, sagt Lamprecht. „Mein Ziel ist es, in ein bis zwei Jahren die Suche erfolgreich abgeschlossen zu haben.“ Wichtig ist, dass die Chemie mit dem Inhaber stimmt. „Die angesprochenen Unternehmer möchten unter anderem wissen, warum ich mich für ihre Firma interessiere, sie möchten auch überprüfen, ob ich bereit bin, für ihre Firma vor Ort zu ziehen“, sagt der Unternehmer in spe.

Lamprecht kann verständlicherweise die Namen der Unternehmen nicht nennen. Für die Familienunternehmer ist dieses Modell aber ebenfalls sehr attraktiv. Es ist zumeist ihr Lebenswerk, für das sie sehr hohen Einsatz gebracht haben – und wollen es dann nicht an Rivalen aus der Branche oder mitunter renditehungrige Finanzinvestoren verkaufen.

Investor Rilling stellt Kapital sowohl für die Suchphase als auch beim Firmenerwerb zur Verfügung. Zudem unterstützt er als Mentor bei der Firmensuche, etwa wenn es darum geht, zu beurteilen, welche Unternehmen für eine Übernahme geeignet sind - und welche nicht. Gelegentlich unterstützt er auch vor Ort beim Erst-Besuch bei einem potentiellen Verkäufer oder bei den Verhandlungen mit den Senior-Unternehmern oder Banken. „Nach dem Firmenerwerb geht die Mentorenschaft weiter“, sagt Rilling, „manchmal bin ich als Beirat der Firma dabei.“

Derzeit unterstützt Vollblut-Unternehmer Rilling ein Dutzend junger Unternehmer – nicht nur in Deutschland. Seiner Erkenntnis nach ist das Search-Fund-Modell in Großbritannien und Spanien deutlich fester verankert als hierzulande. „Das ist zum einen historisch bedingt und zum anderen, weil dort an den Top Business School das Modell Teil des Lehrplans ist“, sagt Rilling. „Die Universität IESE in Barcelona betreibt sogar Forschung in dem Bereich und richtet mit der International Search Fund Conference sogar den führenden Branchentreff aus“, sagt der Experte.

Üblicherweise stecken zehn bis 15 Investoren 300.000 und 500.000 in den Fonds – das gilt für die Suchphase. „Die genaue Höhe hängt von verschiedenen Faktoren wie der Größe der Jung-Unternehmer-Gruppe, der geplanten Suchdauer ab“, sagt Fachmann Rilling. Er und die weiteren Investoren haben ein ganz klares Profil vor Augen, was die gesuchte Firma erfüllen muss: Es muss profitabel und wachsend sein, es muss einen eindeutigen USP haben, es muss einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze haben, der Umsatzvolumen muss in der Range von fünf bis 25 Millionen Euro liegen – und die zweite Führungsebene muss etabliert sein.

Ist ein Unternehmen identifiziert, ist es an Lamprecht & Co. den komplexen Prozess des Firmenerwerbs erfolgreich abzuschließen. Dabei sind oft parallel die Transaktion mit dem Verkäufer zu verhandeln, eine Due Diligence (Kaufprüfung) durchzuführen, die Finanzierungsstruktur mit dem bestehenden Investorenkreis und Banken zu verhandeln, und eventuell weitere Finanzierungsquellen zu erschließen sowie einen umfassenden Businessplan inklusive eines Übergangskonzepts zu entwickeln.

Am Ende winkt Leuten wie Lamprecht nicht nur der Job des operativen Chefs, zudem erhalten Unternehmer in dem Search-Fund-Modell mittelfristig bis zu 25 Prozent der Anteile an der Firma.

Das interessiert andere Leser

  • Deutschlands Firmen haben ein Nachfolgeproblem
    Chefs händeringend gesucht

    Deutschlands Unternehmen stehen vor einem gewaltigen Nachfolgeproblem. Wie virulent die Krise ist, zeigen aktuelle Zahlen der KfW-Bankengruppe.

  • Drei Top-Start-ups der FU Berlin
    Drei Top-Start-ups der FU Berlin

    Drei junge Unternehmen aus der Hauptstadt verraten, wie ihnen die Uni unter die Arme gegriffen hat und welche Tipps sie für angehende Entrepreneure parat haben.

  • Das Berater-ABC
    Das Berater-ABC

    Banker, Juristen, Transaktionsberater, Unternehmensberater – Spezialisten für den Mittelstand gibt es reichlich. Wann brauche ich wen?

  • Mensch 4.0
    Kollege Roboter

    Kein Computer hat das Bewusstsein eines Menschen – noch nicht. Aber in wenigen Jahrzehnten dürfte es laut Experten so weit sein. Und dann?

  • Bärenstarke Starthilfe der Hauptstadt

    Profund Innovation, der Inkubator der FU Berlin, hilft gründungswilligen Studenten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Porträts dreier starker Kandidaten aus der Start-up-Schmiede.

  • Wenn nach dem Kind das Start-up kommt
    Mama managt das

    Sie sind jung, sie sind erfolgreich, sie sind Mütter: Deutschlands Mompreneure setzen Milliarden um. Wie machen die das?

  • Verkaufen leicht gemacht
    Verkaufen leicht gemacht

    Der Bundesverband M&A hat Standards für den Verkauf eines Unternehmens entwickelt, die den Prozess erheblich vereinfachen.

  • Firmeninhaber verstirbt plötzlich – was tun?
    Risiko Familienunternehmer

    Bei ihnen laufen alle Fäden zusammen: Familienunternehmer sind unersetzlich. Und genau das kann einer Firma zum Verhängnis werden.

  • Visionäre im Visier
    Reise zu den Digital-Mekkas

    Texas, Vancouver, Hamburg: Die DUB-Redaktion und XING-Gründer Lars Hinrichs haben sich auf Pilgerfahrt begeben und berichten von den neuesten Trends.

  • Top-Noten für Franchising

    Eine neue Befragung zeigt: 85 Prozent der Franchisenehmer würden es wieder tun. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben.

  • Aus alt mach neu
    Tortenschlacht

    Mit dem Tod des Firmenpatriarchen Aloys Coppenrath 2013 schlingerte Coppenrath & Wiese in eine Führungskrise. Was Firmenchefs besser machen können.

  • Unternehmen suchen verstärkt Chefs außerhalb ihrer Grenzen
    Verwaiste Chefsessel

    Zehntausende Unternehmen haben keinen Nachfolger. Doch der Mittelstand tut sich weiter schwer mit Managern von außen.

  • Helden von morgen
    Helden von morgen

    Start-ups brauchen Ideen, Kapital – und Rat. Heute fördern viele Hochschulen Gründer während der schwierigen Anfangsphase. DUB stellt die besten Gründungen von fünf Top-Hochschulen vor.

  • Wie Unternehmen durch CVC innovativer werden
    Dem Tod von der Schippe springen

    Experten rechnen damit, dass die meisten heute etablierten Firmen ihren 50. Geburtstag nicht erleben werden. Aber es gibt Abhilfe.

  • Moritz Fürste (Hockeyspieler)
    Erst Rio, dann Vollzeit

    Hockeystar Moritz Fürste über Olympia und seine Karriere im Sportmarketing. Plus: Wie die Praktikantenbörse Top-Athleten und Unternehmer zusammenbringt.

  • Darum wachsen Gazellen-Unternehmen so schnell
    Das Geheimnis der Gazellen

    Gazellenunternehmen werden Firmen genannt, die extrem schnell wachsen. Eine Studie ist ihrem Erfolgsgeheimnis auf den Grund gegangen

  • Lea-Sophie Cramer von Amorelie
    Berliner Fräuleinwunder

    Sie gilt als einer der erfolgreichsten Gründer Deutschlands, ist Business Angel und Mutter: Lea-Sophie Cramer. Ein Interview.

  • Investoren aus dem Ausland
    Die Chinesen kommen

    Kuka ist kein Einzelfall: Bei deutschen Unternehmen stehen chinesische Käufer Schlange. Doch was passiert nach der Übernahme?

  • Mentalitätswandel unter Deutschlands Firmeninhabern
    Blut ist dünner als Wasser

    Statt den eigenen Nachwuchs auf den Chefsessel zu setzen, greifen Familienunternehmen immer häufiger auf Fremdmanager zurück.

  • Franchise-Spezial
    Franchise-Spezial: Mit starken Marken unterwegs

    Wie Franchising zu einem Win-win-Konzept wird: ein Ein- und Ausblick.

  • Franchise Spezial: Partner gesucht
    Partner gesucht

    Die Zahl der Franchisegründer in Deutschland ist rückläufig. Doch jetzt gibt es einen neuen Weg, etablierte Franchisesysteme und Unternehmer in spe zusammenzubringen: die DUB-Franchisebörse.

  • Zweite Karriere für Manager

    Nach einer erfolgreichen Karriere als Angestellter suchen immer mehr Manager eine neue Herausforderung. Kaufen oder gründen – das ist hier die Frage.

  • Ikone des Franchise: Waltraud Martius
    Buchverlosung

    Franchise-Geber müssen erfolgreich expandieren und sich zugleich immer wieder selbst erfinden. Ein neues Buch zeigt, wie das geht.

  • Schönste Nebensache - EM exklusiv: Zu Gast in Fußball-Frankreich
    Paris oder Nizza – Hauptsache Frankreich

    Wir haben die zehn Spielorte der Fußball-EM gecheckt: Diese Locations sollte jeder Fußball-Pilgerer gesehen haben.

  • Mittelstand erhält auch in Zukunft privilegiert Kredite
    Privilegien für den Mittelstand

    Dank einer wegweisenden Entscheidung der EU-Kommission kommen kleinere Unternehmen besonders günstig an frisches Kapital.

  • Was Investoren bei der Bewertung von Startups beachten sollten
    Einhörnern auf der Spur

    "Unicorns“ nennt man in den USA Tech-Firmen, die auf mindestens eine Milliarde Dollar taxiert werden. So erkennen Investoren Top-Start-ups.

  • Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb
    Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb

    Selbst Geländewagen wie der RAV4 von Toyota werden inzwischen mit Hybridantrieb angeboten. Was taugt der Teil-Stromer?

  • GEFUNDEN! Wie eine Übernahme zum Erfolg wird
    Die lange Suche

    Sechs Jahre lang suchte der Chef des fränkischen Mittelständlers N.K.G. Sondermaschinenbau einen Nachfolger. Hier ist seine Geschichte.

  • Redakteur Eike Benn (li.) mit Dr. Christian Reitwiessner (re.) von Ethereum
    Blockchain-Revolution

    Blockchain heißt die Technik, die hinter der digitalen Währung Bitcoin steckt und von Banken gefürchtet wird. Hat sie das Zeug zu einer Revolution?

  • Starke Konjunktur lässt Zahl der geschlossenen Firmen sinken

    Die Zahl insolventer Firmen geht in Deutschland immer weiter zurück. Die florierende Wirtschaft dämpft aber zugleich auch das Gründungsgeschehen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.