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Jung, begabt, sucht - findet und kauft Familienfirma

Hamburg, 23.02.2017

Jung, begabt, sucht ... findet und kauft Familienfirma

Schon mal etwas vom Search-Fund-Modell gehört? Nein? Dann wird es Zeit! Es bringt verkaufswillige Unternehmer und junge, talentierte Kaufinteressierte elegant zusammen.

Es kommt aus den USA und macht hierzulande Schule: Das Search-Fund-Modell. Dabei schließen sich ein oder mehrere talentierte Jung-Unternehmer mit einer Gruppe von Investoren und Mentoren zusammen. Im Fokus der Einheit ist der Kauf und die Weiterentwicklung eines mittelständischen Unternehmens. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die junge Garde kann sich komplett auf die Suche des geeigneten Betriebs fokussieren, zudem ohne viel Geld und ohne vorherige Erfahrung als Geschäftsführer Unternehmer werden.

Killian Lamprecht ist so jemand. Er ist 28, verfügt über eine ausgezeichnete Hochschulausbildung, er hat einen Master of Science in Management von der Handelshochschule Leipzig, Schwerpunkt: Unternehmertum. Und hat einen Bachelor of Arts in BWL der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Kooperation mit Bosch Rexroth. „Ein exzellenter Lebenslauf ist grundlegend“, sagt Jürgen Rilling, der mit seiner Firma Mirablau exemplarisch für die Seite der Investoren steht. „Darüber hinaus ist aber auch die Motivation wichtig. Wer nicht dafür brennt, Unternehmer sein und diesen Weg gehen zu wollen, sollte es bleiben lassen“, sagt Rilling.

Lamprecht hat vor einem Jahr einen Search Fund gegründet, schaut sich seitdem in der Dienstleistungsbranche nach einer passenden Firma um. Mittlerweile spricht er parallel mit fünf Inhabern von Firmen im Umsatzbereich von 5 bis 25 Millionen Euro. „Nach meinen Erkenntnissen sind kleinere Firmen meist handwerklich strukturiert und ich kann deshalb den Inhaber oft schwer ersetzen“, sagt Lamprecht. „Mein Ziel ist es, in ein bis zwei Jahren die Suche erfolgreich abgeschlossen zu haben.“ Wichtig ist, dass die Chemie mit dem Inhaber stimmt. „Die angesprochenen Unternehmer möchten unter anderem wissen, warum ich mich für ihre Firma interessiere, sie möchten auch überprüfen, ob ich bereit bin, für ihre Firma vor Ort zu ziehen“, sagt der Unternehmer in spe.

Lamprecht kann verständlicherweise die Namen der Unternehmen nicht nennen. Für die Familienunternehmer ist dieses Modell aber ebenfalls sehr attraktiv. Es ist zumeist ihr Lebenswerk, für das sie sehr hohen Einsatz gebracht haben – und wollen es dann nicht an Rivalen aus der Branche oder mitunter renditehungrige Finanzinvestoren verkaufen.

Investor Rilling stellt Kapital sowohl für die Suchphase als auch beim Firmenerwerb zur Verfügung. Zudem unterstützt er als Mentor bei der Firmensuche, etwa wenn es darum geht, zu beurteilen, welche Unternehmen für eine Übernahme geeignet sind - und welche nicht. Gelegentlich unterstützt er auch vor Ort beim Erst-Besuch bei einem potentiellen Verkäufer oder bei den Verhandlungen mit den Senior-Unternehmern oder Banken. „Nach dem Firmenerwerb geht die Mentorenschaft weiter“, sagt Rilling, „manchmal bin ich als Beirat der Firma dabei.“

Derzeit unterstützt Vollblut-Unternehmer Rilling ein Dutzend junger Unternehmer – nicht nur in Deutschland. Seiner Erkenntnis nach ist das Search-Fund-Modell in Großbritannien und Spanien deutlich fester verankert als hierzulande. „Das ist zum einen historisch bedingt und zum anderen, weil dort an den Top Business School das Modell Teil des Lehrplans ist“, sagt Rilling. „Die Universität IESE in Barcelona betreibt sogar Forschung in dem Bereich und richtet mit der International Search Fund Conference sogar den führenden Branchentreff aus“, sagt der Experte.

Üblicherweise stecken zehn bis 15 Investoren 300.000 und 500.000 in den Fonds – das gilt für die Suchphase. „Die genaue Höhe hängt von verschiedenen Faktoren wie der Größe der Jung-Unternehmer-Gruppe, der geplanten Suchdauer ab“, sagt Fachmann Rilling. Er und die weiteren Investoren haben ein ganz klares Profil vor Augen, was die gesuchte Firma erfüllen muss: Es muss profitabel und wachsend sein, es muss einen eindeutigen USP haben, es muss einen hohen Anteil wiederkehrender Umsätze haben, der Umsatzvolumen muss in der Range von fünf bis 25 Millionen Euro liegen – und die zweite Führungsebene muss etabliert sein.

Ist ein Unternehmen identifiziert, ist es an Lamprecht & Co. den komplexen Prozess des Firmenerwerbs erfolgreich abzuschließen. Dabei sind oft parallel die Transaktion mit dem Verkäufer zu verhandeln, eine Due Diligence (Kaufprüfung) durchzuführen, die Finanzierungsstruktur mit dem bestehenden Investorenkreis und Banken zu verhandeln, und eventuell weitere Finanzierungsquellen zu erschließen sowie einen umfassenden Businessplan inklusive eines Übergangskonzepts zu entwickeln.

Am Ende winkt Leuten wie Lamprecht nicht nur der Job des operativen Chefs, zudem erhalten Unternehmer in dem Search-Fund-Modell mittelfristig bis zu 25 Prozent der Anteile an der Firma.

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