Profi-Sparring

Positive Fehlerkultur leben

Welche Projekte sind Sie als erstes angegangen – und mit welchem Erfolg?

Huwald: Wie gesagt, habe ich bereits einige Veränderungen angeschoben. Mit einem erfreulichen Ergebnis: Wir gewinnen phantastische neue Mitarbeiter, konnten bestehenden Mitarbeitern neue Perspektiven bieten. Wir haben neue Kunden, auch jenseits des Tourismus, gewonnen, Bestandskunden vertrauen uns neue Projekte mit mehr Budget an. 2018 wird wirtschaftlich gesehen das beste Jahr in der Firmengeschichte werden.

Welches war der wichtigste Schritt der Übernahme?

Huwald: Am wertvollsten war, dass alle Mitarbeiter persönlich an meine Frau und mich „übergeben“ wurden. Mit jedem haben wir rund 45 Minuten gesprochen. Ein enormer Zeitinvest bei rund 50 Personen. Das aber war anfangs das Wichtigste, was wir tun konnten.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um Agentur und Mitarbeiterschaft zu der Ihren zu machen?

Huwald: Zunächst: Ich bin mit offenen Armen empfangen worden. Die Belegschaft wollte wissen, wer sie in die Zukunft führen wird. Da war sicherlich eine Privatperson wie ich die angenehmere Perspektive. Grundsätzlich versuche ich, allen Kollegen immer wieder zu verdeutlichen, dass ich auf Augenhöhe kommunizieren möchte. Dass ich ihnen zuhöre, dass Fehler passieren können und nichts in Stein gemeißelt ist. Es ist toll, zu sehen, wie manche Kollegen aufblühen, zupacken und mitgestalten – das begeistert auch Thomas Wilde. Am Ende treffe ich die Entscheidungen. Aber ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln zu mir genommen. Alle anderen Veränderungen ergeben sich daraus

Wie viel Unternehmertum steckt in Ihnen? Passt eine Übernahme besser zu Ihnen als ein eigenes Start-up?

Huwald: Ich habe schon immer für die Aufgaben gebrannt, die ich übernehmen durfte, wenn ich sie für sinnvoll erachtet habe. Da ist es doch eine logische Konsequenz, nur noch die Aufgaben zu suchen und voranzutreiben, die das Feuer lebendig halten. Ich glaube, die Selbstständigkeit war die logische Konsequenz. Es hat jedenfalls keinen in meinem privaten Umfeld überrascht. Selber gründen? Vielleicht. Aber hier lag etwas auf einem Silbertablett und hat gesagt „nimm mich“. Chancen muss man ergreifen, der Mutige wird belohnt. Darauf baue ich. Und, ganz ehrlich, es ist schon sehr angenehm, gleich gestalten zu können, weil eine gute Struktur vorhanden ist.

Welche Auswirkungen der digitalen Transformation erwarten Sie auf Ihr Geschäft? Welche Technologien stellen Revolutionen dar – ob im hilfreichen oder bedrohlichen Sinn? Inwieweit besteht auch in Ihrem Geschäftsfeld die Gefahr der Disruption?

Huwald: Ich mag die Vorstellung nicht, wie ein Kaninchen vor der Schlange zu sitzen. Dinge ändern sich und ich habe die Wahl, mit auf die helle Seite zu gehen oder auf die dunkle. Darum bedeutet Digitalisierung erst einmal, dass es neue Chancen gibt. Wenn es neue Chancen gibt, müssen Sie gestaltet werden und wo gestaltet wird, wird Geld verdient. Man darf seine Anpassungsfähigkeit nicht verlieren. Kommunikation ist alles im Leben, also wollen wir Gestalter sein, darum werden wir uns künftig für unsere Kunden stärker in den Drivers Seat setzen und Prozesse gestalten und uns nicht nur mit klassischen PR-Dienstleistungen zufriedengeben. Wir haben doch das große Glück, dass unsere Branche bisher durch jedes neue Digital-Tool gewonnen hat. In den 90ern war noch das Marketing die Mutter aller Dinge und die PR-Kollegen saßen mit traurigen Budgets daneben. Durch die Digitalisierung, durch Social Media, entstand ein neues Content-Denken – und das gestalten Kommunikatoren. Das vertriebsausgesteuerte Marketing muss auf einmal die Regeln des Content bedienen – Wachstum pur, wenn man sich darauf einlässt. Kritisch müssen wir in dem Kontext natürlich alle bei Monopolbildungen sein – ob nun durch Google, Amazon, Facebook oder Microsoft oder auch bei Wachstumsstrategien großer Verlagshäuser.

Wie reagieren Sie auf die Trends im Tourismus?

Huwald: Der Tourismus wird langsam als ernstzunehmende Branche wahrgenommen. Das ist gut so. Die Digitalisierung ist hier extrem hilfreich. Der Tourismus wird sich stärker als bisher einem massiven Verdrängungswettbewerb ausgesetzt sehen. „Schön“ allein reicht nicht mehr. Das bietet uns große Chancen. Wir kennen die Regeln im Tourismus – weltweit. Wir haben Destinationen-, Hotel-, Airline-, Airport- und Travel-Tech-Kunden. Deren Briefings werden immer bunter, detaillierter und fundierter. Unsere Aufgabe ist die eines Guides in dieser hoch dynamischen Phase.

Teil 1: Wilde & Partner: Kommunikation auf Augenhöhe

Teil 2: Positive Fehlerkultur leben

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