Immer mehr Senior-Inhaber suchen einen Nachfolger

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage bei der Unternehmensnachfolge geht weiter auseinander. Der Fachkräftemangel und das neue Erbschaftssteuerrecht hemmen Übernahmeinteressierte.

Immer mehr Senior-Inhaber suchen einen Nachfolger

Die demografische Entwicklung wirkt sich immer stärker auf die Unternehmensnachfolge aus. So haben sich im Jahr 2017 genau 6.674 Senior-Unternehmer bei ihrer örtlichen Industrie- und Handelskammer beraten lassen – Rekord seit der Zählung im Jahr 2007. Interessiert an einer Übernahme haben sich 2017 4.321 Personen gezeigt. Das hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bekannt gegeben.

Von den genannten 6.674 Senior-Inhabern hatten zum Zeitpunkt der Beratung 47 Prozent noch keinen passenden Nachfolger gefunden. Und 70 Prozent der potenziellen Übernehmer hatten noch nicht die richtige Position ausgemacht. Das sind Höchststände in der IHK-Statistik.

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage dürfte in den nächsten Jahren weiter auseinandergehen. Das liegt zum einen am zunehmenden Fachkräftemangel, gut ausgebildete Menschen, die für eine Nachfolge infrage kommen, haben ebenfalls gute Chancen auf hübsch dotierte Verträge in leitenden Stellen von Unternehmen.

Gebremst wird das Interesse möglicher Übernehmer auch vom Steuerecht. Laut der DIHK-Studie berichten mittlerweile 25 Prozent der potentiellen Nachfolger in der IHK-Beratung, dass die Unsicherheit bei der Anwendung des neuen Erbschaftsteuerrechts die familieninterne Nachfolge erschwert. Auch dies ist der Untersuchung zufolge ein Rekordwert. Ein DIHK-Sprecher: „Es ist derzeit kaum möglich, betriebswirtschaftlich sichere Szenarien auszuarbeiten.“

Zunahme der negativen Stimmung - die Politik in der Verantwortung

Aus Sicht des DIHK muss die Politik auch in anderen Bereichen für Entlastung sorgen. Das spiegelt ebenfalls die Umfrage wieder. So würden sich 18 Prozent oder in absoluten Zahlen 1000 der von den IHKs beratenen älteren Unternehmer heutzutage nicht mehr selbstständig machen.

Die Senior-Unternehmer verweisen zur Begründung vor allem auf den Fachkräftemangel und die zunehmende Bürokratie, sie seien Hauptursache für die negative Stimmung. Nach Meinung des DIHK haben die Belastungen durch Bürokratie überhandgenommen. „Die Politik sollte deshalb rasch die Eckpunkte eines Bürokratieentlastungsgesetzes III fixieren und umsetzen“, sagte ein DIHK-Sprecher.

Als einen Lichtblick bezeichnet der DIHK, dass die IHKs ein steigendes Interesse an Themen der Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge erfahren. Der Untersuchung zufolge nahmen deutlich mehr Teilnehmer an IHK-Nachfolgetagen und -Seminaren statt als in den vorherigen Jahren. Im Jahr 2017 besuchten 12.506 Personen diese Veranstaltungen – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um gut 18 Prozent.

Beratungen hinzugezählt verzeichneten die IHKs insgesamt 23.501 persönliche Kontakte zur Unternehmensnachfolge - 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Frauen stellten im Jahr 2017 ein Viertel aller Interessenten an der Übernahme eines Unternehmens, ebenfalls ein - diesmal erfreulicher - Rekordwert.

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