Gemischte Doppel sind im Kommen

Mentalitätswandel unter Deutschlands Firmeninhabern: Sie sind offener gegenüber Fremdmanagern als noch vor einigen Jahren. 90 Prozent sind sehr zufrieden mit ihren Sparringspartnern in der Unternehmensführung – trotz aller Konflikte.

Familienunternehmen und Fremdmanager – das ist eine Geschichte langsamer Annäherung. Mittlerweile überwiegen die positiven Effekte, glaubt man einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesell-
schaft PwC, des Wittener Instituts für Familienunternehmen und der INTES Akademie für Familienunternehmen. Demnach äußern sich 90 Prozent der Familienunternehmer sehr zufrieden über die Zusammenarbeit mit ihren Fremdmanagern.

77 Prozent sind zudem davon überzeugt, dass der Vertrauensvorschuss, den sie in ihre von außen kommenden Kollegen gesetzt haben, gerechtfertigt war. Für 80 Prozent sind laut der Studie Konkurrenzsituationen innerhalb der Geschäftsführung kaum ein Thema.

Vor einigen Jahren sah das Bild noch anders aus. 2009 fand PwC heraus, dass 78 Prozent der Familienunternehmen es mit dem Motto "Blut ist dicker als Wasser" halten und Fremdmanager an der Spitze als Notlösung erachten. Und: Fast 60 Prozent gaben damals an, eigentlich nur Familienmitgliedern richtig vertrauen zu können.

Dennoch: Längst sind in vielen Familienunternehmen Fremdmanager in der Geschäftsführung – und dort gar nicht mehr wegzudenken. Wie etwa beim Süßwarenhersteller Haribo, beim Schraubenfabrikanten Würth oder beim Autoleuchtenhersteller Hella. Die Faustregel: Je größer das Unternehmen ist, umso eher wird es von Fremdmanagern gelenkt. Extrembeispiel ist die Unternehmensgruppe Haniel: Dort darf kein Familienmitglied in die Geschäftsführung.

Der Aufstieg der Fremdmanager in Familienunternehmen ist leicht zu erklären. Die Erbengeneration prüft viel genauer als frühere Generationen den Einstieg in familiäre Unternehmen. Zudem sind die Anforderungen an die Unternehmensleitung stark gestiegen, dass es zunehmend schwerer wird, entsprechend qualifizierte Bewerber in der eigenen Familie zu finden. „In den meisten Familienunternehmen hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Geburt niemanden zum guten Unternehmer macht“, sagt Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Die Vorteile, auf einen Fremdmanager zu setzen, liegen auf der Hand. Eine familienfremde Führungskraft kann mit Erfahrung und Einfühlungsvermögen neue Impulse setzen, die Strukturen kritisch und mit Distanz hinterfragen. Nicht zuletzt kann Fremdmanagement eine gute Lösung sein, ohne das Unternehmen gleich verkaufen zu müssen.

Laut der neuen Studie wünschen sich die meisten Inhaber Sparringspartner: 52 Prozent favorisieren besondere Persönlichkeiten und Charaktere. Ein durchaus risikoreicher Wunsch. Denn damit nehmen die zumeist meinungsstarken Inhaber Konflikte in Kauf. So geben dann auch 54 Prozent der Familienunternehmer an, dass die Persönlichkeiten „häufiger“ oder „gelegentlich“ aufeinanderprallen.

Die Studienautoren sind dennoch davon überzeugt, dass dies mittelfristig der richtige Weg ist. „Eine offene, konstruktive Streitkultur ist für das Unternehmen förderlich, da sie den Teamgeist am Ende stärkt. Deshalb brauchen Unternehmen starke Persönlichkeiten – sowohl auf der Seite der Familie als auch bei den Fremdmanagern“, sagt Marcel Hülsbeck Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Personal und Organisation, insbesondere für Familienunternehmen am Wittener Institut für Familienunternehmen.

Trotz des Aufstiegs der Fremdmanager, die Grenzen sind klar markiert: An der Spitze des Entscheidungsgremiums (Vorstand, Geschäftsführung) steht in der Regel der familieninterne Manager. Das Kalkül ist klar: Wenn die Konflikte zu groß werden, kann die Familie die Fremdmanager überstimmen.



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