Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Firmen fiebern nach Fusionen

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein deutscher Konzern ankündigt, einen Konkurrenten zu übernehmen. Das billige Geld der Notenbanken macht es möglich. Investmentbanker rechnen mit einem Rekordjahr.

In dieser Woche geht es Schlag auf Schlag. Erst erhöht der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer sein Übernahmeangebot für den US-Saatgutanbieter Monsanto auf 127,50 Euro je Aktie, um den bislang größten Megadeal eines deutschen Konzerns im Ausland voranzutreiben. Dann kündigt das Immobilienunternehmen Vonovia den Kauf des österreichischen Konkurrenten Conwert an. Der Gesundheitskonzern Fresenius will den spanischen Klinikbetreiber Quironsalud schlucken, eine Akquisition von SLM Solutions als Anbieter von 3D-Druckern plant der Mischkonzern General Electric. Und Volkswagen steigt beim US-Lastwagenbauer Navistar ein. Fünf Deals, die auf ein Gesamtvolumen von rund 68,5 Milliarden Euro kommen. In so kurzer Zeit hat es das noch nicht gegeben - und noch viel mehr ist geplant.

Keine Rede ist mehr von den Sorgen der Investmentbanker zu Jahresbeginn. Nach einem Einbruch bei Fusionen und Übernahmen (M & A) im Februar erschien es selbst diesen notorischen Optimisten, als wollten die Übernahmekräfte des weltweiten Rekordjahrs 2015 erlahmen. Allein in Deutschland war das Volumen im Januar um drei Viertel auf nur noch gut zwei Milliarden Euro eingebrochen.

All das ist Vergangenheit: Es läuft wieder rund. Sogar ein neuer Rekord in Deutschland scheint möglich. Im Boomjahr 2007 waren 304 Milliarden Dollar erreicht worden. Inzwischen nähert sich das Transaktionsvolumen der Marke von 60 Prozent dieser Summe, wie sich aus Zahlen des Finanzdatenanbieters Dealogic errechnen lässt.

"Nach jetzigem Stand kann man davon ausgehen, das 2016 ein Rekordjahr für den M & A-Markt mit deutscher Beteiligung wird", wagt Christian Kames, Chef des deutschen Investmentbankings der Citi, eine Prognose. Das Umfeld für Fusionen und Übernahmen ist jedenfalls in Takt. Der deutsche Leitindex Dax habe sich inzwischen wieder über der Marke von 10 000 Punkten festgesetzt, betont Rainer Langel, der das Institut Macquarie in Deutschland führt. Die Zinsen blieben angesichts der Geldschwemme der Notenbanken auf einem historisch niedrigen Niveau, teilweise gebe es sogar Minuszinsen. "Und die Banken finanzieren in umfangreichem Ausmaß, da die Margen bei Übernahmen wenigstens noch auskömmlich sind", betont der Banker.

Von einer langen Pipeline an geplanten, milliardenschweren Transaktionen berichten Finanzkreise. Dazu gehört der Verkauf des Energiedienstleisters Ista, den der Finanzdienstleister CVC Capital erst vor rund drei Jahren von der Beteiligungsgesellschaft Charterhouse für rund 3,1 Milliarden Euro gekauft hatte. Im Markt wird derzeit über Preisvorstellungen in der Größenordnung von 3,5 Milliarden Euro gesprochen. Mitten in den Verhandlungen steht auch der amerikanische Finanzinvestor Blackstone, der die Börsenpläne des Büroimmobilienkonzerns Office First in letzter Minute zu durchkreuzen versucht. Der Mutterkonzern IVG verhandele mit dem Private-Equity-Haus über den Verkauf eines Immobilienbestands im Wert von rund 3,25 Milliarden Euro, berichten Insider. Bei Office First handelt es sich um das Kerngeschäft der alten IVG Immobilien, die vor drei Jahren wegen hoher Schuldenlast in die Insolvenz gerutscht war.

Zum Verkauf steht auch der Textilhändler und - exporteur Schustermann & Borenstein, wie Finanzkreise berichten. Die französische Beteiligungsgesellschaft Ardian hat eine Auktion gestartet, um den bestmöglichen Preis herauszuholen. Bis Mitte September sollen Interessenten Angebote abgeben, berichten Insider. Die frühere Axa Private Equity kann auf Erlöse von etwa 800 Millionen Euro hoffen, schätzen Banker. Beim Einstieg von Ardian war Schustermann & Borenstein noch mit 300 Millionen Euro bewertet worden. Auf einen ähnlich hohen Erlös wie das französische Private-Equity-Haus hofft der Finanzinvestor Cinven, der den Lampenhersteller SLV verkaufen will. Goldman Sachs soll mit einem Verkauf im zweiten Halbjahr betraut worden sein. Vor fünf Jahren hatte Cinven das Unternehmen von HG Capital für rund eine halbe Milliarde Euro erworben.

Auch beim Bad Vilbeler Pharmahersteller Stada haben sich praktisch alle Finanzinvestoren von Rang und Namen in Stellung gebracht. Nach Informationen aus Industrie- und Finanzkreisen sind das neben CVC unter anderem auch die Private-Equity-Firmen EQT, Permira, Apax und Blackstone. Advent und BC Partners wird ebenfalls Interesse nachgesagt. Das Unternehmen streitet sich mit dem Investor Active Ownership Capital (AOC) über die Neuausrichtung des Konzerns. Der Pharmakonzern hat eine Marktkapitalisierung von gut drei Milliarden Euro. Dazu käme ein Aufschlag. "Die durchschnittliche Übernahmeprämie liegt bei 30 bis 35 Prozent, wenn bar bezahlt wird", hat Philipp Beck ausgerechnet, der bei UBS für das M & A-Geschäft in Deutschland verantwortlich ist.

Allein diese fünf genannten Transaktionen addieren sich auf gut zwölf Milliarden Euro. Gerade im "September und Oktober könnten weitere große Transaktionen angekündigt werden, weil man die Deals vor der US-Präsidentschaftswahl und einem möglichen Zinsschritt der US-Notenbank Fed weitgehend finanziert haben möchte", betont Dirk Albersmeier, Co-Chef M & A für die amerikanische Bank JP Morgan in Europa. Am 8. November entscheidet sich, ob der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump gewinnt oder ob die Demokratin Hillary Clinton das bessere Ergebnis einfährt. Im Dezember rechnet der Markt mit einer erneuten US-Zinserhöhung.

Auch das ausländische Faible für deutsche Firmen ist unverändert. "Grenzüberschreitende Transaktionen werden momentan von asiatischen und insbesondere chinesischen Käufern geprägt", sagt UBS-Banker Beck. Das Interesse chinesischer Investoren sei so groß wie nie zuvor, macht Langel von Macquarie klar. Für ihn erscheint es "realistisch, dass etwa ein Viertel des gesamten heimischen M & A-Volumens in den nächsten Jahren auf China entfallen wird". Im laufenden Jahr hatte die Übernahme des Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea für viel Aufmerksamkeit und heftige Diskussionen gesorgt.

Doch: "Die Bewertungen sind hoch, billig ist nichts mehr", wie Citi-Banker Kames einräumt. Für ihn haben gute Unternehmen ihren Preis. Die Frage ist nur, wie lange die gute Stimmung in deutschen Vorstandsetagen die Preise hoch hält.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Erst boxen, dann beraten

    Als mehrfache Boxweltmeisterin weiß Ina Menzer, wie man sich Erfolg erkämpft. Jetzt hat sie sich mit einer Agentur selbstständig gemacht.

  • Energie für Gipfelstürmer

    Große Erwartungen, wenig Entspannung – viele Leistungsträger verspüren enormen Druck. Und doch gelingt es manchem, Spitzenleistungen genau dann zu erzielen, wenn es darauf ankommt.

  • Koalition reicht Start-ups die Hand

    Kleinanlegerschutzgesetz: Parlamentarier weiten Ausnahmen für Schwarmfinanzierungen per Internet aus.

  • Bransons Gebote

    Richard Branson gilt als Exzentriker und Egomane, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kaum jemand hat in so vielen Märkten unternehmerisch Fuß gefasst wie er.

  • Wenn Anleger in(s) Schwärmen kommen

    Crowdinvesting via DUB.de eröffnet aufstrebenden Wachstumsunternehmen eine neue Kapitalquelle. Investoren bietet es attraktive Anlagechancen.

  • "Ich erwarte Dynamik"

    Volkswagen fährt derzeit Rekordzahlen ein. Das ist nicht zuletzt Verdienst des Mannes an der Spitze. Exklusiv gewährt Vorstandschef Professor Dr. Martin Winterkorn einen Einblick.

  • "Wer sich erschrecken lässt, verliert"

    Droht der Zerfall der Eurozone? Wie gefährlich ist der Terrorismus für die Wirtschaft? Verschläft Deutschland die Digitalisierung? Volker Kauder redet Tacheles.

  • Was tun mit dem Geld, Dr. Stephan?

    Mehr Mut zum Risiko fordert Dr. Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege für die Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, bei Investments im Niedrigzinsumfeld.

  • Kollege Spitzensportler

    Die Praktikantenbörse für Unternehmen und Spitzensportler von Deutscher Bank, Deutscher Sporthilfe und Deutscher Unternehmerbörse hilft Athleten auf dem Weg in die zweite Karriere.

  • Tech-Szene sucht Trends

    Internet-Pionier Bob Metcalfe blickt beim Festival SXSW nach vorn.

  • Das Risiko der Haftung

    Beim Verkauf eines Unternehmens sollten die Vertragspartner genau regeln, wie lange und in welchem Maß der Alteigentümer für Gewährleistungen haftbar ist.

  • Immer top informiert: Der Handelsblatt Digitalpass

    Einmal kaufen. Alles nutzen. Testen Sie den Handelsblatt Digitalpass für 4 Wochen kostenlos.

  • Moving Mainstream

    Crowdfunding wird erwachsen. Europaweit sind fast EUR 3 Mrd. durch die Crowd finanziert worden, davon in Deutschland EUR 140 Mio. Die Uni Cambridge und EY schreiben eine spannende Analyse.

  • Leichtigkeit lernen

    Faszination Wellenreiten: Es dröhnt. Es rauscht. Und doch ist es ganz still. Surfen ist eine der kompliziertesten Sportarten der Welt. Und darum auch eine der entspannendsten.

  • Luxus am Handgelenk

    In der hohen Kunst der feinen Uhrmacherei kommt es auf echte Präzisionsarbeit an. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt einen Schweizer und zwei deutsche Qualitätshersteller vor.

  • lnterim Management – flexible Lösung beim Generationswechsel

    Nicht selten kommt es vor, dass in einem Familienunternehmen die Stabübergabe vorgezogen werden muss. Der potenzielle Nachfolger ist dann aber womöglich noch nicht übernahmebereit.

  • Spektakuläres Afrika

    Beeindruckende Landschaften, unendliche Weite und einzigartige Tierwelt – die Wiege der Menschheit ist ein magischer Ort.

  • Freundliche Übernahme

    Der Feinkosthandel „Il Nuraghe“ steht seit Jahrzehnten für höchste Qualität. Um ihr Lebenswerk zu sichern, entschieden sich die jeweils kinderlosen Gründer Richard Retsch und Gesuino Atzeni für eine externe ...

  • Viele Wege, ein Ziel

    Unternehmen verändern ihr Verständnis von Mobilität. Das starre Dienstwagen-Denken weicht flexiblen Reisekonzepten.

  • Durchstarten am Strand

    Digitale Nomaden arbeiten über das Internet und erkunden gleichzeitig die Welt. Der Badeort Jomtien in Thailand entwickelt sich zu einer ihrer Pilgerstätten.

  • Einmal von München nach Berlin

    Start-up-Firmen mit Internet-Ideen zieht es in die Hauptstadt. Das Kapital aber sitzt noch in Bayern.

  • How to start a startup

    Die Startup-Vorlesungsreihe aus der Stanford University geht weiter mit unserem "Export" Peter Thiel und Alex Schultz, VP of Growth bei Facebook.

  • König Mitarbeiter

    Wer heute die besten Nachwuchskräfte haben will, muss flexible Arbeitszeiten bieten - das ist die Überzeugung von Projektron, einem mittelständischen Softwareentwickler in Berlin.

  • Auf neuen Wegen ans Personal

    Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Unternehmen. Die Personalmanager müssen umdenken und bei der Mitarbeitersuche Kreativität beweisen.

  • Nicht ohne meine Tochter

    Im deutschen Mittelstand übernimmt die nächste Generation - selbst im konservativen Maschinenbau sind das immer öfter die Töchter. Und die setzen häufig auf Teamarbeit an der Spitze.

  • „Urlaub ist überflüssig“

    Martin Kind spricht Klartext. Beim DUB UNTERNEHMER-Dinner nahm der Hörgeräte-Magnat und Hannover-96-Boss zu den Themen Erfolg, Nachfolge und Fußball kein Blatt vor den Mund.

  • Schwarmfinanzierung wird erwachsen

    Bislang galt Crowdfunding als Finanzierungsalternative für Start-ups, witzige Ideen und Projekte mit Sozialtouch. Doch jetzt entwickelt sich diese noch junge Form der Kapitalbeschaffung.

  • Abenteurer der Steppe

    Wind im Gesicht, atemberaubende Landschaft vor Augen, von Gegenverkehr keine Spur – in den Weiten der mongolischen Steppe können Biker Gas geben und das Land erfahren.

  • Bescheiden zum Erfolg

    Gästehaus statt Palast: Papst Franziskus wohnt bescheiden und führt die katholische Kirche ganz ohne Pomp. Dabei handelt er nach dem Muster jesuitischer Ordensregeln. Was Unternehmer aller Konfessionen von ...

  • Alle Potenziale nutzen

    Die Ideen der Mitarbeiter sollen dazu beitragen, Kosten zu senken. Dafür braucht man ein funktionierendes System – und Führungskräfte, die ineffizientes Arbeiten sehen und verändern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick