Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Finanzinvestor oder strategischer Investor? – Wer ist der bessere Unternehmensnachfolger?

Der aktuelle Trend ist eindeutig: Nur noch gut ein Drittel aller Familienunternehmen finden einen Unternehmensnachfolger innerhalb der Familie.

Insbesondere die Inhaber größerer inhabergeführter Unternehmen fragen sich bei der Vorbereitung ihrer Unternehmensnachfolge: Ist ein Finanzinvestor oder ein strategischer Investor der bessere Nachfolger in meiner Firma? Nachfolgend gehen wir auf die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Investorentypen ein und versuchen, eine Empfehlung für die Entwicklung einer passenden Nachfolgestrategie.

Zur Erhöhung der Abschlusssicherheit sollten grundsätzlich beide Investorentypen in den Nachfolgeprozess mit einbezogen werden. Damit einhergehend lässt sich im Verkaufsprozess eine Wettbewerbssituation erzeugen und ermöglicht aufgrund der unterschiedlichen Investitionsansätze die Erarbeitung unterschiedlicher Konzepte zur Fortführung des Unternehmens. Vor diesem Hintergrund sollten Sie sich die unterschiedlichen Ziele beider Investorentypen anschauen.

Wer steht hinter strategischen Investoren oder Finanzinvestoren?

Die bekannteste Form von Finanzinvestoren sind klassische Private Equity Fonds, die ihre Wertschöpfung über einen hohen Fremdkapitaleinsatz und eine nachfolgende gewinnbringende Weiterveräußerung erzielen. Sogenannte Evergreen-Fonds, Industrieholdings und Family Offices sowie die Förderbanken und Beteiligungsgesellschaften der Länder gehören trotz ihres zumeist längeren Anlagehorizontes ebenfalls zu dieser Gruppe. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von Sonderformen, wie z. B. auf Einzelprojekte bzw. Restrukturierungen spezialisierte Investoren.

Ein strategischer Investor ist zumeist ein Wettbewerber, der sein eigenes Geschäftsmodell über einen Unternehmenskauf vertikal oder horizontal stärken will. Darüber hinaus investieren Strategen auch in neue Geschäftsfelder um Schwankungen oder Rückgänge im klassischen Kernge-schäft auszugleichen.

Die Ziele von Finanzinvestoren und Strategen

Für klassische Finanzinvestoren ist die Aussicht auf eine Steigerung des Unternehmenswertes von zentraler Bedeutung. Ihr Vorgehen ist oft Exit-orientiert. Evergreen Fonds, Industrieholdings, Family Office oder auch Beteiligungsgesellschaften halten ihre Beteiligung meist über eine längere Zeit und sind weniger auf den schnellen Exit orientiert. Aufgrund ihrer Renditeanforderungen sind aber auch sie stark an einer kontinuierlichen Steigerung des Unternehmenswertes interessiert. Family Offices streben darüber hinaus eine Diversifikation ihres Vermögens an.

Strategische Investoren haben meist eine weniger stark ausgeprägte Renditeorientierung, folgen aber auch internen Renditevorgaben der Eigentümer. Wichtige Investitionskriterien sind vielmehr, dass das Zielunternehmen mit seinen Produkten, regionalen Aktivitäten bzw. Kompetenzen das Mutterunternehmen ergänzt. Darüber hinaus werfen strategische Investoren ein besonderes Augenmerk auf mögliche Synergien zwischen Mutter- und zukünftigem Tochterunternehmen.

Welche Zielunternehmen sind für wen interessant?

Strategische Investoren haben meist eine vertikale oder horizontale Ergänzung ihres Geschäftes vor Augen. Dies kann z. B. durch den Erwerb von Know-how (z.B. Prozesse und Patente), die regionale Geschäftsausweitung, die synergetische Nutzung von Skalen- und Verbundeffekten oder den Erwerb eines Zugangs zu neuen Kundengruppen erfolgen.

Finanzinvestoren schauen vielmehr auf die Marktposition des Zielobjektes und stellen sich u. a. die folgenden Fragen: Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal in einer Nische oder eine breite, potenziell umsatzstarke Kundenbasis? Lassen sich die Geschäftsmodelle zukünftig skalieren bzw. nachhaltige Synergieeffekte erzielen oder auch die Führungskräfte über einen MBI zu neuen Eigentümern machen? Aus diesem Grund können Finanzinvestoren interessante Finanzierungspartner für MBI sein.

Gibt es spezielle Risiken während und nach der Transaktion?

Aufgrund ihrer hohen Renditeorientierung können Finanzinvestoren das Management des betreuten Objektes stark belasten. So kann ihr hohes Informationsbedürfnis und großer Erklärungsbedarf sowohl die innerbetrieblichen Prozesse stören, Mitarbeiter verunsichern und das Management vom operativen Tagesgeschäft abhalten.

Strategische Investoren versuchen dagegen oft, sich im Rahmen der Transaktion ein maximales Wissen anzueignen, das nachfolgend gegen das Zielunternehmen verwendet werden kann. Strategen neigen oft dazu, über eine sog. „strategische Prämie“ einen höheren Kaufpreis als Finanzinvestoren zahlen zu wollen, um diesen im nachfolgenden Verhandlungsprozess u. U. zu reduzieren.

Fazit

Eine klare Empfehlung für oder gegen die jeweilige Investorengruppe lässt sich nur im Einzelfall und nach genauer Analyse der jeweiligen Nachfolgesituation geben. In jedem Fall sollten zu Beginn des Prozesses beide Gruppen als möglicher Partner in Erwägung gezogen werden – beide haben ihre Vorzüge und Nachteile. Die endgültige Entscheidung hängt letztlich von den Zielen des Eigentümers ab – hierzu zählen neben monetären Aspekten eine Vielzahl von weichen Kriterien, deren Abwägung sorgfältig und fachkundig erfolgen sollte.

Das interessiert andere Leser

  • Multiples: Äpfel mit Äpfeln vergleichen
    Realer Unternehmenswert

    Mit Hilfe der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de können Firmenchefs nun sehr viel genauer den Verkaufswert ihres Unternehmens berechnen.

  • Expansion im Franchise
    Mut zur Größe

    Weshalb Franchisenehmer in den Angriffsmodus schalten sollten.

  • Jörg Utecht (Interhyp)
    Digitalisierung: Mit breiter Brust

    Was revolutioniert die Finanzbranche? Wer steht wo im Wettstreit um Digital Leadership? Und wie generiert man Innovationen? Fragen an Vorstand Jörg Utecht vom Ur-Fintech Interhyp.

  • Klein, aber fein – und Renditebringer. Das sind die Börsenzwerge aus der zweiten Reihe.
    Hidden Champions fürs Depot

    Börsenzwerge aus der zweiten Reihe bringen ordentliche Renditen, sind aber auch riskanter – oder etwa nicht?

  • Mehr Unternehmenskäufer
    Mehr Unternehmenskäufer

    Faustdicke Überraschung: Die Zahl der Menschen, die ein Unternehmen kaufen wollen, ist deutlich angestiegen.

  • Fortsetzung folgt
    Fortsetzung folgt

    Die häufigsten Fallstricke bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge.

  • Haftung bei einer Kommanditgesellschaft
    Kommanditgesellschaften im Check

    Die Kommanditgesellschaft gehört zu den häufigsten Rechtsformen in Deutschland. Was müssen Gründer über KGs wissen? DUB.de erklärt es.

  • Langsamer Generationswechsel blockiert Investitionen
    Alter schützt vor Torheit nicht

    Das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer ist so hoch wie nie. Die älteren Chefs investieren weniger – uns setzen damit ihren Erfolgs aufs Spiel.

  • Hui buh - Kommt das Inflationsgespenst nach Deutschland?
    Trump, das Inflationsgespenst?

    Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten steigen die Anleiherenditen. Kehrt jetzt auch in Deutschland das Inflationsgespenst zurück?

  • Mangelware Unternehmer
    Mangelware Unternehmer

    Viele mittelständisch geprägte Regionen stehen vor einem doppelten Problem: Sie haben nicht nur zu wenig Fachkräfte, sondern auch zu wenig Unternehmer.

  • Franchise in der Gastronomie?
    Futtern und Franchise ...

    ... passen zusammen wie Pommes und Burger. Wer sich im Gastronomie-Bereich selbstständig machen will, sollte über den Fast-Food-Bereich hinausblicken.

  • Kein Nachfolger in Sicht?
    Den Richtigen (Chef) finden

    Wer einen externen Manager anheuert, holt sich oft Probleme ins Haus. So finden Unternehmen den richtigen Kandidaten.

  • Tour de Force durchs Silicon Valley

    10 Unternehmen in 2,5 Tagen: Deutsche Unternehmer haben digitale Vorreiter besucht. Ein inspirierender Reisebericht.

  • So finden Sie einen Geschäftsführer richtig per Stellenanzeige
    Neun Tipps für die perfekte Stellenanzeige

    Flexibel, teamfähig, hohe Einsatzbereitschaft – langweilig! Wer Top-Bewerber für Führungspositionen will, muss kreativ werden.

  • Viele Mittelständler patzen bei der Nachfolgeplanung
    Verpatzte Planung

    Eine internationale Studie legt den Finger in die Wunde: Nur jedes vierte Familienunternehmen in Deutschland plant die Nachfolge.

  • Praktikantenbörse
    Top-Athlet - und dann?

    Was muss passieren, damit mehr Top-Athleten nach der Sportkarriere ihren Weg ins Top-Management finden? Diese und weitere Fragen standen beim Talk der DUB-Praktikantenbörse auf der Agenda.

  • Kleine Helfer, große Wirkung: Assistenzsysteme
    Kleine Helfer, große Wirkung

    Elektronische Assistenzsysteme wie Parksensoren sind vermehrt nun auch in Nutzfahrzeugen zu finden.

  • Einen Klick entfernt
    Drei, zwei eins, ...

    Onlineshopping boomt – eine E-Commerce-Seite will aber gut geplant sein.

  • Kampf mit dem Gewissen
    Schwieriger Spagat

    Benötigt ein Angehöriger dauerhaft Hilfe, pflegen ihn oft Partner und Verwandte. Was aber, wenn auch ein Unternehmen zu führen ist?

  • Frauke Fees
    Marke ohne Budget

    Auch mit Kreativität und Leidenschaft lässt sich eine Marke bekannt machen, sagt Beraterin Frauke Feess – wenn man die Zielgruppe gut kennt.

  • Dr. Kerstin Nina Schulz, Anwältin für Franchiserecht
    Rettung für gekündigte Franchisenehmer

    Wenn Franchisenehmern der Vertrag gekündigt wird, stehen sie häufig vor dem Nichts. Ein Paragraf im Handelsgesetzbuch schafft Abhilfe.

  • Hagen Rickmann, Telekom
    Deutscher Mittelstand meets Silicon Valley

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland hat beide zusammengebracht. Ein Erlebnisbericht.

  • Christoph Keese
    Messerscharf analysiert

    Christoph Keese wurde mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2016 ausgezeichnet. Für das DUB UNTERNEHMER-Magazin analysiert er exklusiv, was wir vom Silicon Valley lernen müssen.

  • Auf in die Selbstständigkeit
    20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich abzusprechen – das sind nur einige Vorteile der Selbstständigkeit. So funktioniert’s.

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Nach dem Firmenverkauf ...

    ... fängt die Übergabe erst richtig an. So meistern beide Seiten die Herausforderung.

  • Flottenmanagement
    Knifflige Entscheidungen

    Kaufen, leasen, finanzieren, mieten? Vor dieser Frage steht jedes Unternehmen, ganz gleich welcher Art und Größe, wenn es um die Anschaffung von Dienst-, Fuhrpark- oder Firmenwagen geht.

  • Auf in die Franchise-Selbstständigkeit
    Auf in die Franchise-Selbstständigkeit: Welche Freiheiten habe ich?

    Als Franchiser ist man befreit davon, eine eigene Idee zur Marktreife zu führen. Was kann man entscheiden, wo sind die Grenzen?

  • Veranstaltung Firmennachfolge in Hamburg
    Die Hürden bei der Firmennachfolge: einfach mal Ja sagen!

    Eine Firma zu verkaufen, das ist für manche Eigner so schwierig, wie ihr Kind in die Selbstständigkeit zu entlassen. Welche Befürchtungen Käufer und Verkäufer haben, zeigte eine Veranstaltung in Hamburg auf.

  • Joe Kaeser, Siemens
    Der Siemensianer

    Nie hat er für ein anderes Unternehmen gearbeitet: Siemens-Chef Joe Kaeser im Interview.

  • Öko-System
    Franchise wird grün

    Der Deutsche Franchise-Verband hat den Green Franchise Award vergeben. Und der Gewinner ist ...

Zum Autor

Ingo Claus ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten in Osnabrück und Spezialist für Unternehmensverkauf oder Unternehmenskauf im Mittelstand.
Weitere Informationen erhalten Sie im Profil

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick