Erfolgsrezept: Loslassen lernen

Ein pragmatischer Ansatz zur Umsetzung eines Nachfolgeprojektes bei einem Mittelstandsunternehmen in der metallverarbeitenden Industrie

Internationale Studien zeigen, dass Unternehmensnachfolgen in Deutschland fünf bis acht Jahre später als in vielen anderen europäischen Ländern angestoßen werden. Der wesentliche Grund dafür liegt am Nicht-Loslassen-Können des Eigentümers.

Ein Beispiel aus der Praxis: Nach einem signifikanten Umsatzrückgang über einige Monate zeigte sich der Senior des bis dahin sehr erfolgreichen Unternehmens bereit für eine externe Analyse. Seine letzte Entscheidung als Unternehmer sollte die erfolgreiche Nachfolgeregelung sein.

Der Umsatzrückgang ließ sich mit dem Auftragsstopp des größten Kunden erklären. Dessen neue Konzernrichtlinie sah vor, dass alle großen Lieferanten eine geordnete Unternehmensführung nachweisen mussten, was der Senior versäumt hatte. In diesem Zusammenhang untersuchte der eingesetzte Leitungskreis alle Abteilungen des Unternehmens auf mögliche Schwachstellen. Zudem ermittelte das Team die Kosten für die Beseitigung von Engpasssituationen und für das „Brautschmücken“.

Folgendes wurde fixiert: Die Chancen für die Auftragsrückgewinnung vom bisherigen Großkunden waren sehr gut, neue Aufträge einer Roboterfirma standen mit der Anschaffung zweier neuer CNC-Maschinen in Aussicht und zwei zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt. Das kurzfristige Kostenvolumen war auf knapp 200.000 Euro im Jahr geschätzt worden, inklusive der Leasingkosten für die neuen CNC-Maschinen. Aufgrund sehr konservativer Gewinnentnahmen in der Vergangenheit war Liquidität ausreichend vorhanden.

Zunächst führte der Unternehmensberater eine erste Unternehmenswertermittlung durch, anschließend identifiziere er über verschiedene Kanäle erste Kaufinteressenten. Als interessantester Nachfolger zeichnete sich ein über eine Internetplattform generierter Kontakt ab, ein ausländischer Unternehmer. Die Gespräche mit ihm sowie mit der finanzierenden Geschäftsbank verliefen positiv, der Termin für den Start der „Due Diligence-Gespräche“ wurde sofort vereinbart.

Beim Folgetreffen wurde der Kaufvertrag endgültig verhandelt. Darin wurde die Weiterbeschäftigung der Geschäftsführer und Beratertätigkeit des Seniors für mindestens ein Jahr festgehalten. Besonders erfreulich: Die Firma wurde nicht zerschlagen, die rund 45 Arbeitsplätze am Standort Rhein Main blieben erhalten.

8 Erfolgsfaktoren für die Realisierung der Nachfolge

  • Eindeutige Bereitschaft zum Loslassen des Seniors
  • Klare Projektführung unter Einbindung wesentlicher Entscheidungsträger
  • Einbindung von zusätzlichen Experten für konkrete Aufgabenstellungen
  • Rechtzeitige Erstellung einer Unternehmensbewertung
  • Strikte Vertraulichkeit des Projektes
  • Ausgewählte Interessenten auf Finanzierbarkeit des Projektes überprüfen
  • Bedingungen für Übergabe des Projektes eindeutig vereinbaren
  • Erfolgreiche Unternehmensnachfolge angemessen kommunizieren

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Gastbeitrag

Reinhard Rau
optimum-consulting.de e. K.

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