Die wichtigsten Ziele einer familieninternen Unternehmensnachfolge

Vermögenserhalt ist nur ein Aspekt einer familieninternen Nachfolgeregelung.

Ein wichtiges Ziel bei der Unternehmensnachfolge mittelständischer Familienunternehmen ist der optimale Vermögenserhalt. Die Beantwortung der nachfolgenden vier Fragen hilft bei der Vorbereitung des Prozesses.

1. Die 3Ws: Was soll wann an wen übergeben werden?

Es gibt kein perfektes Alter, um über Unternehmensnachfolge nachzudenken. Allerdings: Je älter der Seniorunternehmer, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer unorganisierten Notfallnachfolge aufgrund von Krankheit oder Tod.

Ein Zeitplan, welche Vermögenswerte wann an wen übergeben werden sollen hat sich in der Praxis als sehr hilfreich erwiesen.

Der Übergebende plant dabei am besten rückwärts und beantwortet die Frage, wie viele Jahre er den verdienten Ruhestand ausgehend von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78 bzw. 83 Jahren (Männer/Frauen) genießen will.

2. Gibt es einen Unternehmensnachfolger in der Familie?

Ist in der Unternehmerfamilie ein geeigneter und bereiter Nachfolger vorhanden, sollte dieser rechtzeitig in das Unternehmen eingeführt werden. Eventuell anspruchsberechtigte Geschwister sollten durch Vermögensübertragungen entsprechend abgefunden werden. Grundsätzlich gilt hier, dass derjenige, der ein höheres Risiko schultert einen höheren Anteil an der Erbmasse bekommen sollte. Eine Unternehmensbewertung hilft, den Firmenwert realistisch zu begründen und dessen Anteil am zu übergebenden Vermögen zu bestimmen.

Eine Übertragung von gleich großen Unternehmensteilen auf alle Kinder kann die Firma existenziell gefährden, da die aufgefächerte Eigentümerstruktur die Entscheidungsfreiheit eines (Familien-)Geschäftsführers deutlich einschränken kann. Abgebende Unternehmer riskieren mit einer solchen - vermeintlich fairen - Konstruktion neben Streit unter den Nachfolgern einen erheblichen Vermögensschaden für sich und nachfolgende Generationen.

3. Soll ein Fremdgeschäftsführer das Familienunternehmen leiten

Es kommt immer öfter vor, dass sich in der Familie kein geeigneter Nachfolger findet. Wenn das Unternehmen im Familienbesitz verbleiben soll, muss rechtzeitig ein geeigneter Fremdgeschäftsführer gefunden und in das Unternehmen eingearbeitet werden. Dies erfordert eine sorgfältige Planung und dauert üblicherweise mehrere Monate.

4. Wann ist ein Firmenverkauf ratsam?

Ein Firmenverkauf ist immer dann die Alternative, wenn sowohl die Firmenübergabe an einen familieninternen Unternehmensnachfolger als auch die Weiterführung über einen Fremdgeschäftsführer nicht infrage kommt.

Seniorunternehmer sollten auch diesen Fall frühzeitig vorbereiten, dauert doch eine externe Unternehmensnachfolge durchschnittlich zwei bis fünf Jahre.

Eine gründliche Vorbereitung des Firmenverkaufs zahlt sich dabei oft in der Höhe des zu realisierenden Preises aus. Ergänzend zu einer Unternehmensbewertung beantwortet ein ausführliches Exposé viele Fragen, die ein potenzieller externer Unternehmensnachfolger zur Firma und dessen Marktposition sowie den Zahlen hat.

Eine geordnete Unternehmensnachfolge braucht Zeit und Expertenwissen

Parallel dazu sollte ein Blick auf die steuerlichen und rechtlichen Fragestellungen geworfen werden. Eventuell vorzunehmende Veränderungen in der gesellschaftsrechtlichen und steuerlichen Konstruktion benötigen Zeit, bevor sie wirksam werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn vor dem geplanten Generationswechsel noch bestimmte Vermögenswerte (z.B. Immobilien) steuerlich optimiert aus dem Betrieb herausgelöst werden sollen.

Es ist daher empfehlenswert, dass sich Unternehmer bereits frühzeitig mit der Regelung ihres Generationswechsels beschäftigen. Denn eine Unternehmensnachfolge ist im Gegensatz zu anderen Projekten ein besonderes Projekt, das im Zweifel mehrere Jahre dauern kann.

Generell gilt: Nur wenige Generationswechsel gelingen im ersten Anlauf. Dies kann an objektiv nachvollziehbaren Gründen liegen, wenn z. B. eine Finanzierung scheitert, oder auch an familieninternen Kommunikationsproblemen.

In allen diesen Fragen helfen spezialisierte Berater und können damit den zeitlichen und finanziellen Aufwand verringern und den beteiligten Parteien emotionalen Stress ersparen.



Weitere Artikel, News, Studien und Praxisbeispiele finden Sie auf unserer >> Themen-Seite Familienunternehmen


 

 

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Zum Autor

Ingo Claus ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten in Osnabrück und Spezialist für Unternehmensverkauf oder Unternehmenskauf im Mittelstand.
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