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Deutschlands Firmen haben ein Nachfolgeproblem, ein gewaltiges!

Wollten Sie immer schon mal eine Firma führen oder kaufen? Noch nie war das Angebot so opulent, ihren Wunsch in die Tat umsetzen zu können. 620.000 Inhaber wollen bis 2018 ihre Firma übergeben oder verkaufen.

Ob der Handwerksbetrieb mit fünf Angestellten, die PR-Agentur mit 20 Mitarbeitern oder die Hausverwaltung mit einer Personalgröße von 50: Das Nachfolgeproblem deutscher Unternehmen zieht sich durch alle Branchen und Firmengrößen. Wie virulent die Krise ist, zeigen nun aktuelle Zahlen der KfW-Bankengruppe. Demnach hat jedes sechste mittelständische Unternehmen vor, bis zum Jahr 2018 seine Firma an einen Nachfolger zu übergeben oder zu verkaufen. Konkret sind das rund 620.000 Unternehmen. Vier Millionen Arbeitnehmer sind davon betroffen.

Dass das Problem sich verschärft, zeigt der Vergleich mit den Vorjahren: Vor drei Jahren hatten noch 14 Prozent, und damit rund 530.000 Mittelständler, erklärt, ihre Firma kurzfristig übergeben oder verkaufen zu wollen.

Doch genau das ist die Crux: Einen geeigneten Nachfolger zu finden, wird immer schwerer: Die Zahl der Gründer, die ein bestehendes Unternehmen fortführen, sinkt seit Jahren. Im Jahr 2002 gab es noch rund 200.000 Übernahmegründer – 2015 waren es nur 62.000. Damit gibt es derzeit etwa dreimal so viele Unternehmer, die einen Nachfolger suchen oder verkaufen wollen wie Personen, die an der Übernahme interessiert sind. Ein eklatantes Missverhältnis.

Was noch dazu kommt: Von den Inhabern kleiner und mittlerer Unternehmen, die binnen drei Jahren übergeben wollen, haben laut der KfW-Studie lediglich 42 Prozent den Nachfolgeprozess gestartet, weitere 22 Prozent haben konkrete Planungen. Mit anderen Worten: Rund ein Drittel der Unternehmer hat wenig bis nichts unternommen, für sie droht die Zeit knapp zu werden.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen sinkt die Zahl der Gründer wegen der guten Konjunktur. „Es zeichnet sich immer deutlicher ein demografischer Engpass bei der Nachfolge ab“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. „Die Alterung erhöht Jahr für Jahr die Zahl der Unternehmen, die zur Übergabe anstehen. Die jüngeren Generationen sind aber zu dünn besetzt, weshalb die Nachfolger fehlen. Vor allem die Babyboomer werden in den kommenden 20 Jahren eine Lücke auf den mittelständischen Chefetagen hinterlassen.“

Andere Branchenexperten sehen das ähnlich. „Die Unternehmensnachfolge ist eine der größten unternehmerischen Herausforderungen überhaupt, für Senior wie Junior. Es geht schlichtweg um das Überleben des Familienunternehmens und darum, am Ende nicht wie im Roman „Die Buddenbrooks“ vor den Scherben des eigenen Betriebs zu stehen“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“.

Goebel sieht einer der Ursachen in den vielfältigen Perspektiven junger Menschen. „Unternehmensnachfolger haben heute alle Möglichkeiten: In China studieren, die Karriereleiter in einem amerikanischen Konzern hochklettern oder doch das eigene Unternehmen gründen. Das Familienunternehmen fortzuführen, ist heute nur noch eine von vielen Optionen.“

Andere Fachleute verweisen zudem auf die politischen Rahmenbedingungen. „Potentielle Nachfolgekandidaten - dies trifft insbesondere Übernahmegründer - sehen sich oft auch mit einer Vielzahl bürokratischer Barrieren und komplexer Regularien etwa im Steuer- oder Arbeitsrecht konfrontiert und scheuen deshalb den Schritt in die Selbstständigkeit. Politische Diskussionen über eine Verschärfung dieser Regularien befördern den rückläufigen Trend von Existenzgründungen, sagt Iris Rosenbauer von der Kanzlei Binz & Partner.

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